Resistente Erreger: Warum Sie Flughafen-WCs besser meiden sollten
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Resistente ErregerWarum Sie Flughafen-WCs besser meiden sollten

Superkeime breiten sich stark aus. Dazu tragen all jene bei, die auf Flughäfen die Toiletten aufsuchen, bevor sie eine Flugreise antreten.

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Blase leer, Keim aufgelesen: Diese Gefahr besteht auf Flughafen-Toiletten wirklich. Das geht aus einer Studie von deutschen Forschern hervor, ...

Blase leer, Keim aufgelesen: Diese Gefahr besteht auf Flughafen-Toiletten wirklich. Das geht aus einer Studie von deutschen Forschern hervor, ...

Flickr.com/DocChewbacca/CC BY-SA 2.0
... in der sie Abstriche der inneren Türgriffe von 400 Toilettenkabinen auf 136 Flughäfen in 59 Ländern genommen und analysiert haben. Anschliessende Genanalysen der Proben zeigten, dass die WC-Türfallen mit einer Vielzahl von Krankheitserregern besiedelt waren.

... in der sie Abstriche der inneren Türgriffe von 400 Toilettenkabinen auf 136 Flughäfen in 59 Ländern genommen und analysiert haben. Anschliessende Genanalysen der Proben zeigten, dass die WC-Türfallen mit einer Vielzahl von Krankheitserregern besiedelt waren.

WWU/H. Dornhege
Besonders häufig - in jeder zwanzigsten Probe (5,5 Prozent) - fanden die Forscher Staphylococcus aureus vor, ein Bakterium, das in seiner resistenten Form MRSA ein gefürchteter Spitalkeim ist.

Besonders häufig - in jeder zwanzigsten Probe (5,5 Prozent) - fanden die Forscher Staphylococcus aureus vor, ein Bakterium, das in seiner resistenten Form MRSA ein gefürchteter Spitalkeim ist.

Wikimedia Commons/PD

Wer vor dem Abflug schnell noch mal zur Toilette geht, riskiert, zum unfreiwilligen Bakterien-Kurier zu werden. Denn das stille Örtchen ist ein wahres Drehkreuz für Erreger aller Art, wie deutsche Forscher im Fachjournal «Clinical Microbiology and Infection» berichten.

Das Team um Frieder Schaumburg und Karsten Becker vom Universitätsklinikum Münster hat zwischen Dezember 2012 und November 2015 Abstriche der inneren Türgriffe von 400 Toilettenkabinen auf 136 Flughäfen in 59 Ländern genommen und analysiert – «dem letztem Kontakt, den die Besucher nach dem Toilettengang haben, bevor sie sich die Hände waschen», erklärt Schaumburg in einer Mitteilung.

Resistente Keime auf Flughafen-WCs

Die Mikrobiologen wurden schnell fündig: Genanalysen der Proben zeigten, dass die WC-Türfallen mit einer Vielzahl von Krankheitserregern besiedelt waren (siehe Box).

Besonders häufig – in jeder zwanzigsten Probe (5,5 Prozent) – fanden Schaumburg und seine Kollegen Staphylococcus aureus vor, ein Bakterium, das in seiner resistenten Form MRSA ein gefürchteter Spitalkeim ist, der auch schon dem australischen Schwimmstar Ian Thorpe übel zusetzte.

Am zweithäufigsten war Stenotrophomonas maltophilia (2 Prozent), ein Keim der eigentlich selten ist, aber schwer behandelbare Infekte auslösen kann. An dritter Stelle folgte Acinetobacter baumannii (1,3 Prozent), ein ebenfalls gefürchteter Spitalkeim, der gegen viele Antibiotika Resistenzen gebildet hat.

Weitgereiste Erreger

Die Funde bestätigen laut den Forschern die Annahme, dass Flugpassagiere solche Superkeime von Fernreisen in ihr Heimatland mitbringen können.

«Einer der gefundenen MRSA-Erreger, festgestellt in einer Probe aus Paris, war höchst ungewöhnlich für diese Region. Hauptsächlich kommt er in Indien vor», so Becker. Das liesse nur einen Schluss zu: «Er muss vom Menschen dorthin gebracht worden sein.»

Händewaschen und Hintern hoch

Natürlich müsse sich auf Flughäfen künftig niemand den Toilettengang klemmen, beruhigen die Forscher. Wichtig sei nur, dass die Menschen auch dort die grundlegenden Hygienemassnahmen ergreifen. «Das gründliche Händewaschen nach der Toilettenbenutzung ist ein Muss», sagt Becker.

Doch das ist noch nicht alles: «Auf öffentlichen Toiletten sollte der Hautkontakt mit Oberflächen so gering wie möglich gehalten werde», so der Forscher. Auch Händedesinfektionsmittel statt Seifen zu verwenden, sei – anders als im häuslichen Umfeld – mehr als sinnvoll.

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