Aktualisiert 02.05.2017 18:35

Eklig, aber gesund

Warum Sie Nasenbööggen essen sollten

Popel essen ist höchst unappetitlich, aber für die Gesundheit lohnenswert. Nun wollen Forscher den Schleim sogar synthetisch herstellen.

von
csc/fee
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In der Nase zu bohren, gilt als äusserst unschicklich.

In der Nase zu bohren, gilt als äusserst unschicklich.

iStock/Lolostock
Die dabei herausgepulten Popel dann auch noch zu essen, ist noch grusiger. Doch laut US-Forschern kann sich das aber lohnen.

Die dabei herausgepulten Popel dann auch noch zu essen, ist noch grusiger. Doch laut US-Forschern kann sich das aber lohnen.

iStock/Beornbjorn
Denn die im Rotz enthaltenen Mucine schützen die Beisserchen vor Streptococcus mutans, einem säureerzeugenden Bakterium, das den Zahnschmelz zerstört.

Denn die im Rotz enthaltenen Mucine schützen die Beisserchen vor Streptococcus mutans, einem säureerzeugenden Bakterium, das den Zahnschmelz zerstört.

iStock/Gilaxia

Kinder tun es ohne Scham, Erwachsene, wenn sie sich unbeobachtet fühlen: in der Nase bohren – und dann die Ausbeute in den Mund stecken.

Das mag zwar eklig sein, doch aus Sicht von US-Forschern ist das Gebaren auch gesund: Laut einer im Fachjournal «Applied and Environmental Microbiology» veröffentlichten Studie ist der Nasenschleim nämlich gut für die Zähne. Die im Rotz enthaltenen Mucine schützen die Beisserchen vor Streptococcus mutans, einem säureerzeugenden Bakterium, das den Zahnschmelz zerstört.

Zudem mehren sich die Hinweise, dass der fest gewordene Nasenschleim vor Atemwegserkrankungen und Magengeschwüren schützt.

Synthetischer Schnudder

Wissenschaftler um Katharina Ribbeck vom Massachusetts Institute of Technology sind von der Wirkung so überzeugt, dass sie begonnen haben, einen synthetischen Schleim zu entwickeln, der in Zukunft in Kaugummi oder Zahnpasta enthalten sein könnte und ebenfalls die Zähne schützt.

Die entsprechenden Pläne stellte Ribbeck bei der Jahrestagung der American Society for Biochemistry and Molecular Biology vor.

Immunsystem stärken

Auch Friedrich Bischinger, Lungenspezialist aus dem österreichischen Innsbruck ist von den Vorteilen des Rotz-Essens überzeugt. Seiner Meinung nach sind Nasenbohrer gesünder, glücklicher und vielleicht sogar mehr mit ihrem Körper im Reinen als Nicht-Bohrer.

Bis Produkte mit synthetisch hergestelltem Nasenschleim erhältlich sind, rät er Eltern, ihre Kinder dazu zu ermuntern, ihren Rotz zu essen: «Der Verzehr von eingetrocknetem Nasensekret ist eine grossartige Möglichkeit, sein Immunsystem zu stärken.» Medizinisch mache das sehr viel Sinn und sei völlig normal.

Die Nase fungiert laut Bischinger als Filter, viele Bakterien werden vom Eindringen in die Atemwege abgehalten. Genau diese Bakterien können, wenn sie in den Magen gelangen, als Medizin wirken.

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