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«Time Out» mit Klaus ZauggWarum Simpson kein Hockeygott ist

Vier Spiele, drei Niederlagen in Serie: Die Umstellung der Nationalmannschaft von Ralph Krueger auf Sean Simpson ist noch nicht gelungen.

Vier Spiele, drei Niederlagen: Sean Simpson.

Vier Spiele, drei Niederlagen: Sean Simpson.

Simpson debutierte erfolgreich mit einem 4:1 gegen Tschechien. Seither haben die Schweizer dreimal hintereinander verloren: 1:3 gegen Tschechien 4:5 nach Penalties und zuletzt 0:4 gegen Schweden.

Was ist anders als in den 13 Jahren unter Ralph Krueger?

Am ehesten lässt sich die Umstellung mit jener der Staaten im ehemaligen Ostblock von der sozialistischen Diktatur auf Demokratie vergleichen. Simpsons Hockey-Philosophie unterscheidet sich nicht grundsätzlich von jener seines Vorgängers. Aber das Primat der Taktik setzt er noch nicht so konsequent durch wie der «taktische Diktator» Krueger. Simpsons Spielkonzept war in diesen ersten vier Partien verhältnismässig demokratisch. Jeder hatte mehr Freiheiten als unter Krueger. Das ist logisch. Simpson hat bis zu zehn Spieler eingesetzt, die mehr oder weniger Nationalmannschafts-Frischlinge sind und weder mit seinem noch mit Kruegers taktischem Konzept vertraut sind.

Will heissen: Simpson hat offensiver spielen lassen. Vielleicht während zehn Prozent der Spielzeit verharrten die Schweizer in der defensiven Grundstellung (nach dem Schema eines 1-1-3). Die restliche Zeit versuchten sie, in allen drei Zonen Gegner und Scheibe zu jagen und gegnerische Fehler zu provozieren. Unter Ralph Krueger verbrachten die Schweizer mehr als die halbe Spielzeit «im System» und sie hatten nicht halb so viel Zeit für die «freie Jagd». Das Spiel der Schweizer ist unter Simpson in dieser ersten Vorbereitungsphase eine Spur dynamischer, schneller, spektakulärer und offensiv lüpfiger als unter seinem Vorgänger. Aber noch weitgehend erfolglos.

Der Grund dafür ist schnell gefunden: Für das erfolgreiche Umsetzen braucht es vier Spielertypen, von denen die Mannschaft (noch) nicht genug hat, die Simpson aber beispielsweise bei den internationalen Erfolgen mit den ZSC Lions (und allen ZSC-Ausländern) in genügender Anzahl im Team hatte: Erstens Routiniers, zweitens starke Center, drittens Vollstrecker und viertens scheibenstarke Verteidiger.

Die grössten Schwächen haben die Schweizer in der Centerposition: Die Rückkehr von Romano Lemm (noch angeschlagen) und die Nomination von Martin Plüss (vom Finalisten SC Bern) können dieses Problem weitgehend lösen. Roman Josi (SCB) ist der dringend gebrauchte scheibensichere Offensiv-Verteidiger.

Ein Grund zur Beunruhigung sind die drei Niederlagen in Serie also noch lange nicht. Simpson hat erstens nach wie vor nicht seine beste Mannschaft (die Nordamerikaner und die Finalisten fehlen noch) und zweitens ist er nach wie vor mit der Feinabstimmung beschäftigt. Trotzdem wäre das WM-Minimalziel (Klassenerhalt durch einen Sieg über Italien am 10. Mai) bereits mit dem aktuellen Team zu schaffen.

Selbst der liebe Gott erschuf die Welt nicht an einem Tag. Er brauchte sechs Werktage und dann einen Ruhetag. Verlangen wir also von Simpson nicht an einem einzigen Tag die Erschaffung eines neuen Nationalteam. Auch dann nicht, wenn wir ihn für Hockeygott halten sollten.

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