Warum smarte Velohelme auch ein Risiko sind 

Smarte Velohelme verfügen neben einem Frontlicht oft auch über ein Bremslicht und blinkende Richtungsanzeiger.

Smarte Velohelme verfügen neben einem Frontlicht oft auch über ein Bremslicht und blinkende Richtungsanzeiger.

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Publiziert

SicherheitSmarte Velohelme sind im Trend– und bergen Risiken

Velofahrer und Velofahrerinnen tragen immer häufiger smarte Helme mit LED-Lichtern, Bluetooth-Verbindung und integrierten Blinkern. Die futuristischen Modelle sind aber nicht ganz unbedenklich.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag

Ein Velohelm hat vor allem einen Job: den Kopf bei einem Sturz schützen. Mittlerweile sind jedoch neue Modelle auf dem Markt, die leuchten, blinken, Musik spielen und mit denen man telefonieren kann. Nicht alle Features sind dabei hilfreich. Die wichtigste Eigenschaft, über die jeder smarte Velohelm verfügen sollte, ist eine gute Beleuchtung – idealerweise ein weisses Licht vorne und ein rotes Licht hinten. So lässt sich die Sichtbarkeit erhöhen und das Unfallrisiko senken. Insbesondere jetzt, wo die Tage kürzer und die Nächte länger werden. «Als zusätzliche Lichtquelle können LED-Lichter am Velohelm die Sicht und Sichtbarkeit und somit die Sicherheit erhöhen», erklärt Fredy Ruhstaller, Produktmanager Velohelme bei Veloplus. «Wichtig zu wissen ist aber, dass zusätzliche Lichter am Helm die gesetzlichen Lichtquellen am Fahrrad nicht ersetzen. Jedes Velo muss vorne und hinten je ein Positionslicht haben, wobei das hintere nicht blinken darf.»

Blinker können helfen, ersetzen aber keine Handzeichen

Apropos Blinken: Smarte Velohelme verfügen teilweise auch über integrierte Blinkeranlagen. Bei den meisten Modellen wird diese Funktion über eine mitgelieferte Steuereinheit aktiviert, die am Lenker befestigt wird. Gewisse Modelle können auch über eine App gesteuert werden. Auch sind Helme in der Lage, Bremsvorgänge zu erkennen und Bremslichter aufleuchten zu lassen. Ruhstaller: «Wenn man die Blinker am Velohelm auch wirklich einsetzt, kann dies helfen, die Sichtbarkeit des Richtungswechsels zu erhöhen.» Vor allem dann, wenn der Fahrradfahrer oder die Fahrradfahrerin auf dem Veloweg unterwegs ist und die Beleuchtung durch parkende Autos verdeckt ist, ist ein leuchtender Helm mit oder ohne Blinkeranzeigen ein zusätzliches Sicherheitsmerkmal.

Smarte Velohelme mit Blinkern, LED-Lichtern und Bluetooth-Konnektivität sind gross im Kommen.

Smarte Velohelme mit Blinkern, LED-Lichtern und Bluetooth-Konnektivität sind gross im Kommen.

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Velohelme mit integrierten LED-Lichtern sorgen für zusätzliche Sichtbarkeit – insbesondere in der Dämmerung und in der Nacht.

Velohelme mit integrierten LED-Lichtern sorgen für zusätzliche Sichtbarkeit – insbesondere in der Dämmerung und in der Nacht.

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Nebst zusätzlichen Lichtquellen verfügen gewisse Modelle auch über eine Bluetooth-Verbindung, die das Hören von Musik und das Führen von Telefongesprächen ermöglichen.

Nebst zusätzlichen Lichtquellen verfügen gewisse Modelle auch über eine Bluetooth-Verbindung, die das Hören von Musik und das Führen von Telefongesprächen ermöglichen.

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Dennoch: Blinker am Helm ersetzen nicht die Handzeichen, wie Thomas Rohrbach, Mediensprecher beim Bundesamt für Strassen ASTRA, erklärt: «Lichter am Helm, am Rucksack oder an der Bekleidung von Zweiradfahrenden sind grundsätzlich nicht verboten. Sie gelten jedoch nicht als Richtungsblinker im Rechtssinn und entbinden die Lenkerin oder den Lenker deshalb nicht von der Pflicht, bei Richtungsänderungen Handzeichen zu geben.»

Telefonieren und Streamen während des Radelns

Die ersten smarten Velohelme kamen bereits vor sechs Jahren auf den Markt. «Damals war das Interesse aber noch sehr gering», sagt Ruhstaller. «Mittlerweile ist es grösser, obschon konventionelle Helme nach wie vor beliebter sind.» Mit ein Grund für das gestiegene Interesse liegt auch in der Smartphone-Anbindung. Smarte Helme verbinden sich via Bluetooth mit dem Handy und können so etwa Musik oder Podcasts wiedergeben. Dabei dringen Aussengeräusche im Gegensatz zum Tragen geschlossener Kopfhörer nach wie vor zum Ohr vor. Das hilft dem Fahrer dabei, weiterhin schnell auf seine Umgebung reagieren zu können. Manche Bluetooth-Helme integrieren auch ein Mikrofon für Telefongespräche.

In Sachen Nachhaltigkeit und Reparaturfähigkeit sieht Ruhstaller aber ein Problem. «Wenn am Velo selbst ein Positionslicht kaputtgeht, lässt sich dieses günstig und nachhaltig auswechseln. Bei einem smarten Helm kann es passieren, dass man bei einer kaputten Lichtquelle den kompletten Helm ersetzen muss. Das ist oft teuer und wenig nachhaltig.» Der Experte gibt auch zu bedenken, dass bei der Auswahl der Lichtquelle darauf geachtet werden muss, dass diese andere Verkehrsteilnehmende nicht stören: «Manche Lichtquellen sind extrem hell und können andere blenden, auch blinkende Lichter wirken eher störend. Wer gerne ein blinkendes Licht mag, soll auf eine angenehme Frequenz achten.»

Passform und Optik entscheidend

Ob nun smart oder nicht, wichtig ist, dass der Velohelm richtig passt und gefällt. «Nur wer einen Helm hat, der passt und auch gut aussieht, trägt ihn auch», sagt Ruhstaller. Und wer einen Helm trägt, ist natürlich besser geschützt. Laut dem BfU (Bundesstelle für Unfallverhütung) wird das Risiko einer Kopfverletzung bei einem Unfall durch das Tragen eines Velohelms halbiert.

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