Warum so viele Automarken Tiere im Logo haben
Ferrari ist nur ein Autobauer, der auf ein animistisches Logo setzt.

Ferrari ist nur ein Autobauer, der auf ein animistisches Logo setzt.

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AnimalistischWarum so viele Automarken Tiere im Logo haben

Logos machen Marken unverkennbar: So gehören die vier Ringe zu Audi, der dreizackige Stern zu Mercedes und die zwei übereinanderliegenden Winkel zu Citroën. Die Autobauer setzen aber längst nicht nur auf geometrische Formen. Viele bedienen sich für ihre Logos bei der Tierwelt.

von
Fabio Simeon / A&W Verlag

1. Abarth – Durch und durch Skorpion

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Mit zehn Jahren bezog Karl «Carlo» Abarth die Holzräder seines Rollers mit Ledergurten und fuhr die Nachbarskinder im Quartierrennen in Grund und Boden – ein prägendes Erlebnis. 30 Jahre später gründete er die Firma Abarth & Co. Als Emblem für das Fahrzeugbau- und Tuning-Kit-Unternehmen wählte der passionierte Rennfahrer «lo scorpione» – sein Sternzeichen. Glaubt man Astrologen und Astrologinnen, zeichnen sich Skorpione durch Willensstärke, Energie und Kampfeslust aus. Und zumindest bei Carlo Abarth treffen die Sterndeuter und Sterndeuterinnen ins Schwarze. Sein Siegeswille war enorm, die Wutanfälle heftig und die Wortwahl zynisch. Doch der Erfolg gab ihm Recht: Sein erstes produziertes Fahrzeug, der auf dem Fiat 110 basierende 204 A Roadster, gewann auf Anhieb die 1100 Sport Meisterschaft sowie die Formel 2. Worauf Abarth nur trocken meinte: «Es macht Spass, teurere Fahrzeuge von Klasse mit einem bescheidenen Kleinwagen zu demütigen.»

2. Ferrari – Il Cavallino Rampante

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Das schwarze sich aufbäumende Pferd auf gelbem Grund – das Cavallino Rampante – zählt zu den bekanntesten Logos der Welt. Es steht für ein Top-Team der Formel 1 und wunderschöne Sportwagen – oder eben Emotion pur! Auch die Entstehung des Ferrari-Logos ist gefühlsintensiver als bei den meisten Konkurrenten. Enzo Ferrari, der Vater der weltbekannten «Scudieria», soll selbst nur einmal öffentlich über die Entstehung des Wappens gesprochen haben: «Im Jahr 1923 traf ich den Grafen Enrico Baracca, den Vater des Helden, und dann seine Mutter, Gräfin Paolina, die zu mir sagte, ich solle das tänzelnde Pferd ihres Sohnes auf meinen Autos anbringen. Es werde mir Glück bringen.» Der gemeinte Held ist Francesco Baracca, welcher nach mehr als 30 gewonnen Luftkämpfen im ersten Weltkrieg fiel. Francesco Baracca liess das tänzelnde Pferd auf die Flugzeuge seiner Fliegertruppe malen.

3. Lamborghini – Auf die Hörner nehmen

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1948 gründete Ferruccio Lamborghini ein Traktorunternehmen, nachdem er eine grosse Menge an Militärmotoren aus dem zweiten Weltkrieg erworben hatte. Das Emblem für die Traktoren hatte nichts animalisches: Es bestand aus einem Dreieck und den Initialen von "Ferruccio Lamborghini Cento". Zehn Jahre später drängten die Leidenschaft und das Know-how des Maschinenmechanikers ihn dazu, die Produktion auf den Hubschraubersektor auszuweiten; zu seinem Pech, aber zum Glück für alle Autoliebhaber und Autoliebhaberinnen, genehmigte die Regierung seinen Plan nicht. Kurze Zeit später – so die Fama – fühlte sich Lamborghini, selbst Rennwagen-Fan und Ferrari-Besitzer, von den Herren in Modena schlecht behandelt und beschloss, ihnen durch den Einstieg ins Sportwagen-Business das Dasein zu erschweren. 1963 gründete er in Sant'Agata seine eigene Sportwagen-Manufaktur. Für das Logo suchte Lamborghini, am 28. April 1916 im Tierkreiszeichen des Stiers geboren, den legendären Murciélago aus – einen Kampfstier, der wegen seines Siegeswillens 1879 in der Arena von Córdoba begnadigt wurde. Und noch heute senkt der Bulle angriffslustig den Kopf, bereit, alles, was vor ihm fährt, auf die Hörner zu nehmen.

4. Jaguar – Im zweiten Versuch

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Nicht weniger angriffslustig ist der «Leaper». So nennen die Engländer und Engländerinnen die springende Jaguar-Kühlerfigur. Er soll die Attribute Kraft und Eleganz der britischen Nobelmarke verkörpern. Sowohl der heutige Firmenname als auch das Logo gehen auf den sogenannten S.S. Jaguar mit Baujahr 1935 zurück - das erste Modell der damaligen Swallow Sidecars. Ein «SS» im Namen und Logo, kurz nach der Zeit der deutschen Nationalsozialisten, beeinflusste die Verkaufszahlen in England denkbar negativ. 1945 folgte deshalb die Umbenennung der Firma in Jaguar Cars Limited, was auch eine Neugestaltung des Logos mit sich zog. Eine Verbindung zur Raubkatze sollte laut Firmengründer Lyons aber bestehen bleiben. Mit dem erstbesten Leaper-Entwurf gab sich der Brite jedoch nicht zufrieden: «Das sieht aus wie eine Katze, welche vom Gartenzaun gescheucht wird. Danke, wir verzichten.», so der Ingenieur zum Bildhauer. Die zweite Form gefiel dann deutlich besser und wurde zur Grundlage der englischen Autoikone.

5. Peugeot – Der Löwe ist tot, es lebe der Löwe

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Der zweitälteste Automobilhersteller der Welt findet seinen Ursprung 1812 in einer französischen Stahl-Manufaktur. Im Mittelpunkt stand die Herstellung von Sägen - aus dieser Epoche stammt auch das Markenlogo. Denn: 1874 beauftragten Jules und Émile Peugeot den Goldschmied Justin Blazer, einen Löwen zu entwerfen. Die scharfen Zähne der Sägeblätter hatten die Brüder zu der Idee inspiriert; zudem ist der Löwe das Wappentier der Franche-Comté, Peugeots Heimatregion. Seit 1847 wurde der Raubkatze mehrfach ein neuer Look verpasst. Zunächst stand der Löwe auf einem Pfeil, 1927 streckte er seine Pranke aus, 1950 stand er erstmals aufrecht. Heute – also seit der kürzlichen Lancierung des neuen 308 – erscheint das Markenlogo abermals renoviert: als Wappen, das von einem stattlichen Löwenkopf geziert wird. Renoviert? Wohl doch eher ziemlich retro, oder? Tatsächlich werden sich «erfahrene» Kenner und Kennerinnen an das Markenzeichen der 1960er-Jahre erinnern. Wie dem auch sei: Dir grosse Mähne feiert ihr Comeback, statt wild und zerzaust nun hip gescheitelt.

6. Ford Mustang – Ein echter Renner

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Allegro, Avanti, Torino, und Cougar. So heissen gefühlt die Hälfte aller Springgaule - und genau das waren die ursprünglichen Namensvorschläge für Fords Neuentwicklung in den 160er-Jahren. Glücklicherweise entschied sich das blaue Oval dann aber ganz einfach für «Mustang». Und wie das galoppierende Pony-Logo selbst wurde er ein echter Renner. Rund 60 Jahre später sind etliche Weiterentwicklungen bekannt. In mindestens einem Punkt ist sich Ford aber treu geblieben: galoppiert wird immer nach Westen (links). «Der Mustang ist ein Wildpferd, kein domestiziertes Rennpferd», korrigierte der damalige Ford-Chef, Lee Iacocca, seine Designer, nachdem sie das Pferd in die entgegengesetzte Richtung gestellt haben, um so die Laufrichtung auf einer Pferderennbahn zu simulieren.

7. Bentley – Hoflieferant dank göttlichem Beistand

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In der Mythologie des alten Ägypten ist der Falke eine Schlüsselfigur. Die Gottheiten für Sonne, Mond und Himmel – Re, Chons und Horus – zeigten sich in seiner Gestalt und kein Pharao konnte ohne das Federvieh. Der Schwenk ins Heute bringt dabei eine Parallele ans Licht: Auch das britische Königshaus scheint einen Fabel für den Raubvogel zu haben – zumindest im Fuhrpark. Denn: Bentley ist Hoflieferant des britischen Königshauses. Das hat insofern etwas mit den Pharaos zu tun, als die Federn eines Falken das Logo der britischen Luxusmarke aufwerten. «Und dort ihre magische Kraft entfalten», ruft der englische Humor hinterher, denn aus sonst nicht erkennbaren Gründen gibt die Queen Bentley noch immer den Vorzug gegenüber Rolls-Royce. Übrigens: Das Flaggschiff der Königin misst 6,22 Meter, sein Gewicht ist nach wie vor ein wohlbehütetes Geheimnis.

8. Roland Gumpert – Selten wie ein Greif

Gumpert

Nicht nur in Sant’Agata und Modena setzen Hersteller von Supersportler und Supersportlerinnen auf animalische Power in ihren Logos – auch in Thüringen. Inmitten Deutschlands baut die Sportwagenmarke «Roland Gumpert» unter der Führung vom gleichnamigen CEO, Ingenieur und Chefentwickler 850 PS starke Supersportler mit einer Wasserstoff/Elektrizität produzierenden Methanol-Brennstoffzelle. Noch nie gehört oder gesehen? Ähnlich verhält es sich mit dem «Tierwesen» im Emblem. Dieses trägt Flügel und einen Schweif, hat kräftige Beine und fährt die Klauen aus. Es ist der Greif. Eine Mischspezies mit Adlerkopf und Löwenkörper. Bei Gumpert soll er für den Mut des Löwen und die Schnelligkeit und Präzision des Adlers stehen. In den nächsten fünf Jahren will der Hersteller 500 Fahrzeuge vom Typ Roland Gumpert Nathalie auf die Strassen schicken. Die Chancen einen Greif in Natura zu sichten wachsen also nur minimal.

9. Wiesmann – Geschwungene Form trifft Reptil

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Ebenfalls zu den Exoten dürfen sich die individuell gefertigten Sportwagen der deutschen Marke Wiesmann zählen. Sie begeistern vor allem durch ihre schön geformten Karosseriebauten und das perfekt abgestimmte Fahrfeeling. Auf Letzteres bezieht sich auch das Markensymbol – der Gecko. Dieser soll verdeutlichen, dass die von BMW-Motoren getriebenen Fahrzeuge aus Dülmen für Schnelligkeit und Bodenhaftung stehen oder anders gesagt: auf der Strass kleben wie das Reptil an der Wand.

10. Porsche – Abgeschaut, aber nicht bei Ferrari

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Ein schwarzes aufsteigendes Pferd in der Mitte des Markenemblems – hatten wir schon.. Aber auf besagtes Pferd setzt nicht nur Ferrari. Seit 1952 ziert das «Stuttgarter Rössle» Porsches Sportwagen. Dieses besteht in seiner heutigen Form seit 1939 und wird leicht abgewandelt von den Neunelfer-Väter genutzt. Hinter dem Stuttgarter-Wappentier sind schwarz-rote Balken und Geweihe zu sehen – das Kennzeichen des ehemaligen Landes Württemberg-Hohenzollern. Darüber steht «Stuttgart» und über allem thront der Porsche-Schriftzug. Die Verwendung beider Hoheitszeichen soll laut dem Sportwagenhersteller die enge Verbundenheit mit der Heimat symbolisieren.

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