Aktualisiert 14.09.2016 06:58

Doktor Sex

«Warum soll ich nicht zwei Frauen lieben?»

Bisher war Michel in all seinen Beziehungen stets treu und korrekt im Umgang. Jetzt will er etwas Neues ausprobieren.

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Flirten macht das Leben kurzweilig. (Szene aus «The Other Woman», 20th Century Fox)

Flirten macht das Leben kurzweilig. (Szene aus «The Other Woman», 20th Century Fox)

Frage von Michel (46) an Doktor Sex: Ich war in meinem bisherigen Leben immer eine treue Seele. Nie habe ich in einer Beziehung betrogen und auch sonst war ich immer aufrichtig und ehrlich. Nachdem ich meine letzte Beziehung vor acht Monaten beendet habe, beschloss ich, mein Leben zu geniessen und den Dingen ihren Lauf zu lassen. Bis vor einigen Wochen hatte ich regelmässig Kontakt mit vier Frauen gleichzeitig. Ich habe allen von Anfang an klargemacht, dass für mich eine Beziehung, die über den sexuellen Kontakt hinausgeht, nicht infrage kommt. Trotzdem haben sich alle vier in mich verliebt. Natürlich wurde mir dies zu viel und mir war auch klar, dass es nicht gut gehen kann. Darum habe ich den Kontakt zu zwei der Frauen abgebrochen, um mich auf die anderen zwei zu konzentrieren.

In die zwei habe ich mich nun ebenfalls verliebt. Beide schweben im siebten Himmel, jedoch weiss die Eine nichts von der Anderen. Jetzt bin ich natürlich in einem Zwiespalt, denn das alles verstösst gegen all meine bisher gelebten Werte. Andererseits frage ich mich, warum ich nicht zwei Frauen lieben soll, denn beide sind überglücklich und meine Gefühle sowie meine Zuneigung zu ihnen sind echt. Mein Herz ist gross genug für beide, das weiss ich. Würde ich die eine oder andere Beziehung beenden, würde ich bei der jeweiligen Frau viel zerstören, denn sie scheinen beide nicht mehr ohne mich leben zu wollen. Mit offenen Karten zu spielen, geht jetzt nicht mehr, den Moment dafür habe ich verpasst. Warum soll ich sie und mich nicht in den Glücksgefühlen belassen und die normalen Wertvorstellungen der Gesellschaft ignorieren?

Antwort von Doktor Sex

Lieber Michel

So, wie du die Sache schilderst, scheint der Entscheid bereits gefallen zu sein. Du suchst nun einfach noch nach weiteren, allenfalls besseren Argumenten, die diesen stützen und dir dabei helfen, dein moralisches Dilemma zu überwinden. Wen du dabei aber komplett vergisst, sind die beiden Frauen und ihr Recht auf Selbstbestimmung. Du glaubst zu wissen, dass sie ohne dich nicht mehr leben wollen. Aber wer glaubt, zu wissen, muss wissen, dass er glaubt. Solange du deinen Gespielinnen nicht reinen Wein eingeschenkt und klargemacht hast, dass sie sich in einer falschen Sicherheit wiegen, ist die ganze Sache letztlich eine von dir inszenierte Egoveranstaltung.

Entgegen der von dir geäusserten Ansicht bin ich der Meinung, dass es zu jeder Zeit möglich ist, die Karten auf den Tisch zu legen und mit der Geheimnistuerei aufzuhören. Dies zu tun, bedingt jedoch, dass du auch mit dir selber ehrlich bist – statt nur an die beiden Frauen zu denken und für sie zu argumentieren. Ihnen klaren Wein einzuschenken, könnte nämlich auch bedeuten, dass sich die beiden trotz der dadurch entstehenden Herzschmerzen von dir abwenden und du plötzlich nicht mehr der Hahn im Korb bist, der alles unter Kontrolle hat, sondern ganz allein dastehst. Damit wir uns richtig verstehen: Ich habe nichts gegen deine Idee, gleichzeitig mit mehreren Frauen eine Liebesbeziehung zu pflegen. Jedoch erachte ich es als unumgänglich, dass alle Beteiligten wissen, woran sie sind und auf was sie sich einlassen. Viel Glück!

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