Aktualisiert 15.10.2019 11:25

Fussballskandal«Warum sperrt man diese Mannschaft nicht?»

Erneut sorgen die Türkei-Kicker mit einem Militärgruss für Aufregung. Die Meinungen darüber sind gemacht.

von
boq
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Salutieren erneut: Die türkischen Nationalspieler stellen sich nach dem Tor zum 1:1 gegen Frankreich an der Eckfahne auf, um die Soldaten in Syrien zu unterstützen.

Salutieren erneut: Die türkischen Nationalspieler stellen sich nach dem Tor zum 1:1 gegen Frankreich an der Eckfahne auf, um die Soldaten in Syrien zu unterstützen.

Reuters/Benoit Tessier
Nach dem Spiel wiederholen sie die Geste, die sie schon beim Heimspiel gegen Albanien gezeigt hatten, vor den mitgereisten Fans. Nur der Held des Abends nicht: Torschütze Kaan Ayhan. Der Spieler mit der Nummer 22 drehte sich ab.

Nach dem Spiel wiederholen sie die Geste, die sie schon beim Heimspiel gegen Albanien gezeigt hatten, vor den mitgereisten Fans. Nur der Held des Abends nicht: Torschütze Kaan Ayhan. Der Spieler mit der Nummer 22 drehte sich ab.

Reuters/Charles Platiau
Ayhan ist in Deutschland aufgewachsen und spielt bei Fortuna Düsseldorf. Auch sein Teamkollege Kenan Karaman verzichtete auf die Geste.

Ayhan ist in Deutschland aufgewachsen und spielt bei Fortuna Düsseldorf. Auch sein Teamkollege Kenan Karaman verzichtete auf die Geste.

Reuters/Benoit Tessier

Nach dem Kopfballtreffer von Düsseldorfs Kaan Ayhan zum 1:1-Endstand gegen Frankreich stellten sich – wie schon beim 1:0 gegen Albanien am vergangenen Freitag – mehrere Spieler am Spielfeldrand auf und salutierten in Richtung Tribüne. Nach dem Abpfiff wiederholte ein Grossteil der Mannschaft die Geste. Damit drückt das Team seine Solidarität gegenüber den türkischen Truppen aus, die zurzeit militärische Operationen auf Kurdengebiete in Syrien durchführen.

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«Absolut unverständlich»

Die Reaktionen bei den Lesern fallen auf 20min.ch mehrheitlich einseitig aus: «Warum wird diese Mannschaft nicht gesperrt? Aggression und deren Unterstützung haben im Sport nichts zu suchen.» Ein anderer meint: «Absolut unverständlich! Das gehört nicht zum Sport!!». Lob gibt es ausgerechnet für den Torschützen Kaan Ayhan, der – wie übrigens auch Teamkollege Kenan Karaman – auf eine politische Geste verzichtete. Demiral soll Ayhan dazu animiert haben, ebenfalls zu salutieren. Dieser hat aber seinen Weg zurück aufs Feld fortgesetzt. Dafür erhält er auf Facebook Beifall: «Der hat meinen vollen Respekt. Hut ab, mach weiter», schreibt ein Leser gegenüber der Sportzeitung reviersport.de. Andere werfen Ayhan Kalkül vor: «Warum wohl? Sahin von St.Pauli wurde auch freigestellt. Würde ihm sicherlich nicht anders ergehen ..!»

Cenk Sahin wurde vom FC St. Pauli am Montagabend vom Verband freigestellt: «Zur Entscheidungsfindung trugen vor allem die wiederholte Missachtung der Werte des Vereins sowie der Schutz des Spielers bei», so die Vereinsleitung. Sahin – der selbst nicht mehr Bestandteil der türkischen Nationalmannschaft ist – hatte zuvor seine Unterstützung für die türkische Militäroffensive in Syrien auf Instagram demonstriert.

Auch Fortuna Düsseldorf ergreift Massnahmen

Sowohl Ayhan und Karaman spielen bei Fortuna Düsseldorf. Der Verein hatte schon am Sonntag in einem Facebook-Post zu den Militärgesten beim Albanien-Spiel Stellung bezogen: «Fortuna Düsseldorf distanziert sich in aller Deutlichkeit von jeglicher vermeintlich politisch motivierter Handlung, die gegen die Werte des Vereins verstösst.», so Lutz Pfannenstiel vom Sportvorstand. Weiter will der Verein Differenzen mit den Spielern bei einem persönlichen Gespräch aus der Welt schaffen.

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