Erdgasauto – Warum stellt mein CNG-Auto nach dem Tanken auf Benzin um?
Alle CNG-Fahrzeuge, die man in der Schweiz kaufen kann, haben neben einem Gastank noch einen Benzintank. Warum?

Alle CNG-Fahrzeuge, die man in der Schweiz kaufen kann, haben neben einem Gastank noch einen Benzintank. Warum?

Pexels/Gustavo Fring
Publiziert

Erd- und BiogasWarum stellt mein Erdgasauto auf Benzin um?

Rolf fährt ein CNG-Fahrzeug, das mit Erdgas oder Biogas betankt werden kann. Nach dem Tanken oder bei Kälte schaltet das Auto jedoch automatisch auf Benzin um. Warum?

von
Markus Peter, AGVS

Frage von Rolf ans AGVS-Expertenteam:

Warum schaltet mein CNG-Auto nach dem Tanken zuerst für eine Weile auf Benzin um oder manchmal am Morgen, wenn es sehr kalt ist? Und: Alle CNG-Fahrzeuge, die man in der Schweiz kaufen kann, haben neben einem Gastank noch einen Benzintank. Warum gibt es keine reinen CNG-Fahrzeuge?

Antwort:

Lieber Rolf

Der Grund, warum dein CNG-Fahrzeug bei kalten Temperaturen zunächst im Benzinbetrieb startet, liegt darin, dass im reinen Betrieb mit Gas die Gefahr der Vereisung beziehungsweise Blockierung von einzelnen Motorbauteilen droht, beispielsweise des Gasdruckreglers oder der Einspritzdüsen. Bei welchen Temperaturen das Auto für den Kaltstart kurzzeitig auf Benzin umstellt, ist vom Modell abhängig: Bei älteren Modellen geschieht das aus Sicherheitsgründen bereits bei Temperaturen unter 10 Grad, bei neueren Autos meines Wissens erst bei minus 10 Grad.

Im reinen Betrieb mit Gas droht die Gefahr der Vereisung von einzelnen Motorbauteilen.

Markus Peter, AGVS

Dass du auch unmittelbar nach dem Tanken mit Benzin fährst, hat hingegen einen komplett anderen Grund: Dein Fahrzeug erkennt an der Erhöhung des Drucks im Gastank, dass getankt wurde. Bevor jedoch auf Gasbetrieb umgestellt wird, möchte das Auto erst erkennen, welche Gasqualität getankt wurde, also wie hoch der Methananteil im Gasmix respektive im Biogas ist. Die Erkennung und die Anpassung der Motorensteuerung auf die Gasqualität erfolgt über die aktive Lambdaregelung. Damit sichergestellt wird, dass diese Lambdaregelung aktiv ist und korrekt arbeitet, wird auch nach dem Tanken zunächst im Benzinbetrieb gestartet.

CNG-Fahrzeuge in der Schweiz haben neben dem Gastank auch einen Benzintank.

CNG-Fahrzeuge in der Schweiz haben neben dem Gastank auch einen Benzintank.

Volkswagen

Zu deiner zweiten Frage: Der Grund, warum die Motoren in CNG-Fahrzeugen bivalent ausgeführt werden, hat seine Gründe weniger in der Technik, sondern in der Benutzerfreundlichkeit und letztlich auch in der Verkehrssicherheit. In der Schweiz gibt es rund 150 CNG-Tankstellen. Da CNG-Tankstellen ans Gasnetz angeschlossen sind, gibt es sie – einfach gesagt – nur dort, wo das Schweizer Gasnetz durchführt. Im Engadin oder im Obergoms beispielsweise existieren keine CNG-Tankstellen. Ein monovalentes Fahrzeug, also ein Fahrzeug, das ausschliesslich über Gastanks verfügt, würde das Risiko erhöhen, einmal ohne Treibstoff liegenzubleiben. In den modernen CNG-Fahrzeugen des VW-Konzerns ist deshalb ein kleiner Benzintank von neun Litern eingebaut. Das heisst: Eigentlich sind diese Fahrzeuge monovalent, der Benzintank ist lediglich als Reserve sowie für die zwei oben geschilderten kurzen Betriebsphasen gedacht.

Ein Fahrzeug, das ausschliesslich über Gastanks verfügt, würde das Risiko erhöhen, einmal ohne Treibstoff liegenzubleiben.

Markus Peter, AGVS

Technisch gesehen wären monovalente Motoren besser, weil effizienter beziehungsweise leistungsfähiger. Denn diese könnten die höhere Oktanzahl von Erdgas und Biogas (130 Oktan statt 95 bzw. 98 für Benzin) dann tatsächlich auch ausschöpfen, indem die Verdichtung des Motors aufgrund der höheren Klopffestigkeit angehoben wird. Moderne CNG-Motoren (die ja meistens mit Kompressor bzw. Abgasturbolader «unter Druck gesetzt» werden) kompensieren zumindest einen Teil der Nachteile der bivalenten Ausführung damit, dass sie Zündzeitpunkt und Ladedruck entsprechend anpassen zwischen Gas- und Benzinbetrieb.

Gute Fahrt!
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