22.01.2016 13:57

Handy-FalleWarum stoppt niemand die SMS-Abzocker?

SMS-Betrüger wenden immer perfidere Methoden an. Der Konsumentenschutz wirft dem Bund und den Anbietern Untätigkeit vor.

von
Gabriel Brönnimann
Eines der vielen betrügerischen SMS, das Schweizer Handynutzer ärgert  und potenziell teuer zu stehen kommt.

Eines der vielen betrügerischen SMS, das Schweizer Handynutzer ärgert und potenziell teuer zu stehen kommt.

20 Minuten/20M

Falsche Freunde richten auf Facebook Unheil an: Die unbekannten Betrüger kopieren vorhandene Facebook-Profile, geben sich als Freund aus und gelangen so an Handynummern von Schweizerinnen und Schweizern. Dann versenden sie SMS, deren Beantwortung 100 Franken kostet. Allein bei der Swisscom sind bereits 140 Kunden in die Falle getappt.

Der Anbieter der vierstelligen SMS-Nummer habe die Nummer gesperrt und Massnahmen getroffen, um künftige Betrugsfälle zu verhindern, sagte Swisscom-Sprecher Armin Schädeli dazu zu 20 Minuten. Der Betrag erscheine gar nicht erst auf den Rechnungen der Kunden. Die Spur der Täter verliere sich im Netz, sagt die Polizei. Die Swisscom sagt, der SMS-Anbieter sei selbst bloss Opfer, aktiv werden müssten die Kunden. Unterdessen geht die SMS-Abzockerei – mit ähnlich fiesen Tricks – auf dem Schweizer Handynetz munter weiter. Wie kann das sein?

«Das ist nicht unser Problem»

«Die drei- bis fünfstelligen Nummern für SMS/MMS-Mehrwertdienste werden nicht durch das Bakom vergeben, sondern durch die Mobilfunkbetreiberinnen (Swisscom, Salt und Sunrise)», sagt Reto Hügli, Sprecher des Bundesamts für Kommunikation. Dadurch seien die Betreiber in der Pflicht, für die Einhaltung der «fernmelderechtlichen Schutzbestimmungen» zu sorgen – etwa mit Sanktionen wie dem «Entzug der Kurznummern».

Gelaufen ist die Facebook-Falle über den SMS-Mehrwertdienst der Firma Zong. Eine Mitarbeiterin der Firma sagt zu 20 Minuten: «Das ist nicht unser Problem. Die Kunden unterschreiben die AGB der Provider. Wenn sie ein SMS beantworten, das 100 Franken kostet, ist das ihre Verantwortung.» Zong, ansässig in Les Acacias GE, Jahresumsatz drei bis fünf Millionen Franken, mehrere Besitzer aus aller Welt, ist nur einer von vielen SMS-Mehrwertdienst-Firmen in der Schweiz. Wer hinter dem Betrug steckt, ist jedoch angeblich auch Zong nicht bekannt. Die Mitarbeiterin: «Nein, wir wissen nicht, wer unsere Nummern verwendet. Das kommt aus Facebook-Spielen. Da kann man nichts machen.»

Bei den Kriminellen handelt es sich also um Kunden von Kunden irgendeiner Firma, die wiederum Kunde eines Schweizer SMS-Mehrwertdienstes sind. Oliver Zadori, Telecom-Experte des unabhängigen Handy-Tarifvergleichsportals Dschungelkompass.ch: «Es ist gut möglich, dass man nicht mehr herausfindet, wer am Ende der Kette ist.»

«Bei nachweislichem Missbrauch Rückerstattung»

Die Masche kostet Geld und Nerven. Schweizer Anbieter und Provider verdienen im erfolgreichen Betrugsfall mit – jeder in der Kette verdient seine Prozente. Die Stiftung für Konsumentenschutz (SKS) rät, Beträge von betrügerischen SMS auf Handyrechnungen nicht zu bezahlen und sie von Anfang an vom Rechnungstotal abzuziehen. Auch Mahnungen soll man ignorieren. Man sei damit in jedem Fall auf der sicheren Seite: «Auch die Schlichtungsstelle Ombudscom kann darüber informiert werden», sagt Geschäftsleiterin Sara Stalder.

Swisscom-Sprecher Armin Schädeli sagt: «Der Endkundenschutz ist Swisscom enorm wichtig. Swisscom reagiert immer, sobald wir auf Missbrauchsfälle aufmerksam gemacht werden.» Er betont auch, entgegen den Aussagen der Firma Zong: «Uns wurde von Zong versichert, dass sie Massnahmen umgesetzt haben, um das Problem von ihrer Seite her zu lösen. Gegenüber Swisscom ist Zong für alles verantwortlich, was auf ihrer Kurznummer läuft.» Diesmal habe man den Betrug frühzeitig festgestellt. Schädeli: «In anderen Fällen erfolgt bei nachweislichem Missbrauch eine Rückerstattung des Betrages.»

Belästigungen durch betrügerische SMS seien alles andere als konsumentenfreundlich. «Diese sind uns schon lange ein Dorn im Auge, aber dagegen anzukommen ist schwierig», sagt SKS-Geschäftsleiterin Stalder. Sie sei froh, dass nun endlich das Fernmeldegesetz revidiert werde. Aber: «Die Bereitschaft, im Gesetz etwas zu regeln, ist gering – sowohl bei den Anbietern, beim Bund und über alle Parteien hinweg. Das ist unverständlich.»

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