Vermisste: Warum Taucher trotz Kälte in den See stiegen
Aktualisiert

VermissteWarum Taucher trotz Kälte in den See stiegen

Für viele ist nicht nachvollziehbar, warum sich drei Taucher in den eiskalten See bei Beckenried wagten. Doch die Kälte ist dabei die kleinere Gefahr.

von
Fabienne Riklin

Drei Franzosen waren am Sonntag aus dem Elsass nach Beckenried gekommen, um in Rüteten im Vierwaldstättersee zu tauchen. Laut der Kantonspolizei tauchten die drei Männer in einer Tiefe zwischen 40 und 60 Metern, als einem jungen Mann unwohl wurde und er auftauchen musste. Zwar quittierten die beiden anderen Männer unter Wasser noch den Aufstieg, doch seither fehlt von ihnen jede Spur. «Die Chancen, dass die beiden Vermissten noch leben, ist gering», sagte der Nidwaldner Kripochef Jürg Wobmann. Weil am Dienstagnachmittag ein Sturm aufzog, musste die Suche eingestellt werden.

Wieso tauchten die drei jungen Männer überhaupt im noch eiskalten Vierwaldstättersee? «Der Tauchplatz Rütenen ist wegen der Steilwand und verschiedener Objekte sehr attraktiv», sagt der erfahrene Taucher Wittwer, ehemaliger Präsident des Schweizer Unterwasser-Sport-Verbands und Ausbildungschef von SSI Schweiz. Zudem sei die Sicht unter Wasser anfangs Frühling deutlich besser als im Sommer. «Stimmen Ausbildung und Ausrüstung, sind unsere Seen auch im Winter nicht gefährlich zum Tauchen», sagt Wittwer. Dies gelte auch für das Gebiet Beckenried im Vierwaldstättersee. Es gibt dort keine Höhlen oder Schluchten.

«Die Steilwand setzt jedoch voraus, dass man ein guter Taucher ist und sich strikte an die Verhaltensregeln hält.» Schon ab fünf Meter kann es komplett dunkel sein. «Nur wer sich physisch und psychisch wohl fühlt, gehört ins Wasser», sagt Wittwer. «Kommt man unter Wasser in Panik führt das zu Problemen, vor allem dann, wenn sich Anfänger beim Dekompressionieren nicht an der glitschigen Steilwand festhalten können.» Tauchen fände zum Grossteil im Gehirn statt.

Ab 30 Meter steigt die Gefahr für einen Tiefenrausch

Die Steilwand beim Tauchplatz Rütenen fällt bis eine Tiefe von 70 Metern ab. Dies kann geübte Taucher dazu verleiten, statt üblich 20 bis 30 Metern mit speziellen Gasmischungen tiefer als 40 Meter zu tauchen, was laut Suva riskant ist. Ab 30 Metern steigt die Gefahr, einen Tiefenrausch zu durchleben. Dabei handelt es sich um einen rauschartigen Zustand, der durch den erhöhten Anteil Stickstoff im Blut entsteht. «Es würde aber keinen Sinn machen, das Gebiet zu sperren. Wenn etwas passiert, ist meist das Material oder die mangelnde Erfahrung der Taucher das Problem und nicht der Tauchplatz», ergänzt Wittwer.

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