«Time-Out» mit Klaus Zaugg: Warum Trainer bei den Lakers kein Brot haben
Aktualisiert

«Time-Out» mit Klaus ZauggWarum Trainer bei den Lakers kein Brot haben

Der schwedische Rentner John Slettvoll (65) ersetzt den gefeuerten Finnen Raimo Summanen (47). Dabei ist der Trainer bei den Lakers das kleinste Problem. Warum die Lakers nicht mehr dazu in der Lage sind, den richtigen Trainer zu finden.

von
Klaus Zaugg

Die Frage war nie, ob Summanen gefeuert wird. Sondern nur wann (vergl. Kolumne vom 17. September). Er hat recht lange gebraucht, um mit Toben und Schimpfen und Beleidigen alle gegen sich aufzubringen. Aber schon Goethe wusste: «Der Pfeil des Schimpfes kehrt auf den Mann zurück, der zu verwunden glaubt».

Die Entlassung des Finnen ist also keine Überraschung. Die Nachfolgeregelung hingegen schon. John Slettvoll für Raimo Summanen: Das ist so, wie wenn bei der «Weltwoche» Chefredaktor Roger Köppel gefeuert wird, weil sich die eher linken Journalisten über zu viel Rechtspopulismus ihres Chefs beklagen. Und Christoph Mörgeli dessen Nachfolge antritt.

John Slettvoll war einst in Lugano einer der grössten Trainer Europas. Er erschuf das «Grande Lugano» (Meister 1986, 87, 88 und 90). Inzwischen ist aus dem hochintelligenten Lehrer für schwererziehbare Kinder ein kurzweiliger Zyniker geworden, der den Glauben an das Böse im Eishockey nicht verloren hat. Sein Zynismus ist Humor für Fortgeschrittene. Er kehrte später mehrmals nach Lugano zurück, stieg mit Herisau in die NLB ab und brachte im Frühjahr 2008 das Kunststück fertig, Lugano mit steinzeitlichem Beton-Hockey in die Playouts zu versenken. Von diesem Schock hat sich das Unternehmen Lugano bis heute nicht erholt. Und nun suchen die Lakers die Probleme von heute mit einem Trainer von vorgestern zu lösen und erhoffen sich so eine Zukunft.

Damit sich die Lakers besser vorstellen können, was auf sie zukommt, hier noch eine Begebenheit, die das Wesen und Wirken Slettvolls erklären mag: Der russische Weltstar Igor Larionow, einer der grössten Spieler aller Zeiten, zauberte 1992/93 vorübergehend in Lugano unter John Slettvoll und nannte seinen Trainer demonstrativ «Herr Swetlov». Bis dem Schweden der Kragen platze: «Ich heisse Slettvoll!» Larionow cool: «Nein, Sie müssen Swetlow heissen. Sie sind schlimmer als ein Kommunist.»

Bin ich zynisch? Bösartig? Nein. Aber ist halt an der Zeit, die Dinge beim Namen zu nennen. Die Lakers haben eine der grössten wirtschaftlichen Erfolgsstorys in der Geschichte unseres Mannschaftsportes geschrieben. Und bringen sich durch eine absonderliche sportliche Misswirtschaft um die Früchte ihrer Anstrengungen. Das Problem sind nicht die Trainer. Die haben keine Chance. Das Problem sind jene, welche die Trainer anstellen.

Die Idee, mit Summanen einen der verrücktesten Hunde der Hockeywelt an die Bande zu stellen, war nicht einmal so schlecht. Die Hockeykompetenz des Finnen stand ja nie zur Debatte. Und die Strategie, einen Trainer zu holen, der mit hundertprozentiger Sicherheit alle gegen sich aufbringen wird, hätte im beschaulichen Rapperswil-Jona aufgehen können. Nach dem Motto: Alle im Hass auf den Trainer vereint, ist auch eine Form der Mannschaftsbildung.

Aber die Lakers sind kein Mannschaft. Weil die Chemie in der Kabine seit langem nicht mehr stimmt. Ein einziger «Kabinen-Giftpilz» kann diese Chemie stören und die Leistungskultur ruinieren. Wir haben dafür grad ein aktuelles Beispiel: Auch weil Langnauer den verwöhnten Lausbuben Oliver Setzinger gegen den sanften Rock'n'Roller Alexandre Daigle ausgetauscht haben, stimmt die Chemie wieder. Soeben haben die Tiger, noch vor wenigen Wochen vor dem Zerfall und Untergang, den 7. Heimsieg in Serie gefeiert.

Die Kunst des Managements ist es, den oder die Spieler zu erkennen, die diese Chemie stören. Dafür braucht es eine hohe Sensibilität für das Wesen und Wirken von Hockeyspielern. Von Männern, die bezahlt sind um zu spielen, und deshalb oft geführt werden müssen wie spielende Kinder. Wer neben dem Eis alles richtig macht, wer eine beispiellose wirtschaftliche Erfolgstory schreibt wie Bruno Hug und Reto Klaus in den letzten 15 Jahren mit den Lakers, der neigt zu Arroganz, ja Ignoranz und verliert diese Sensibilität. Hug und Klaus haben gelernt, Kosten im Griff zu haben, Geld zu beschaffen, ein Stadion zu bauen und ein Sportunternehmen zu vermarkten. Aber sie haben nicht mehr das Gespür, Geld in die richtigen Spieler und Trainer zu investieren. Deshalb holen sie die falschen Trainer und die falschen Spieler. Sie haben auf dem Papier scheinbar alles richtig gemacht und beispielsweise mit Andreas Furrer, Florian Blatter und Michel Riesen gleich drei Meisterspieler von Davos geholt. Und mit Daniel Manzato einen Nationaltorhüter. Das müsste doch den Erfolg garantieren.

Aber sie haben nicht dafür gesorgt, dass die Chemie in der Kabine stimmt. Raimo Summanen spürte, wer die Chemie in seiner Kabine stört: Stacy Roest (35). Und setzte den Kanadier zwischendurch auf die Tribune.

Bruno Hug und Reto Klaus haben die wirtschaftlichen Voraussetzungen für nationales Spitzenhockey geschaffen und beim hantieren mit Geld die sportliche Seele verloren. In der NHL gibt es in solchen Situationen ein wirkungsvolles Mittel: Das «House Cleaning». Die Entlassung der gesamten Führungsetage. Schon vor einem Jahr kreierte eine Hockey-Fachzeitschrift für die Lakers den Kalauer: «Clean House - but dont forget Klaus.»

Der Weg aus der Krise führt bei den Lakers nur über den Wechsel der sportlichen Führung, Aufräumarbeiten im Team (dazu gehört eine Lösung des Problems Roest) und das Engagement des richtigen Trainers.

Auf dem Weg zur dieser Einsicht wäre für die Lakers nichts so hilfreich wie ein Sturz in die Playouts. Reicht es heuer «häbchläb» für die Playoffs, dann bleibt alles so wie es ist und dann wird in der nächsten Saison auch der nächste Trainer scheitern. Selbst wenn er Christian Weber sein sollte. Aber die nächste sportliche Krise wird erstmals die wirtschaftlichen Grundlagen dieses Sportunternehmens in den Grundfesten erschüttern.

Deine Meinung