Aktualisiert 06.02.2014 11:13

Kursabsturz

Warum Twitter an Facebook verzweifelt

Twitter hat erstmals seit dem Börsengang seine Zahlen bekanntgegeben – und die Anleger aufgeschreckt. Der ewige Vergleich mit Facebook könnte dem Unternehmen zum Verhängnis werden.

von
L. Frommberg
US-Börse im Twitter-Look: Nach den Zahlen stürzte die Aktie ab.

US-Börse im Twitter-Look: Nach den Zahlen stürzte die Aktie ab.

Twitter-Chef Dick Costolo dürfte in der Nacht auf Mittwoch alles andere als gut geschlafen haben. Denn die Präsentation seines Geschäftsergebnisses stand bevor – und kaum ein Tech-Unternehmen stand derart im Rampenlicht wie seines. Denn es war der erste Bericht von Twitter seit dem Börsengang im Oktober 2013.

Und begeistert waren die Anleger von den Zahlen nicht. Die Zahl der monatlichen Twitter-Nutzer kletterte am Jahresende auf lediglich 241 Millionen. Im Vergleich zum Vorquartal ist dies ein Plus von nur 3,8 Prozent – so wenig wie noch nie.

Facebook ist profitabel, Twitter nicht

Wird Twitter jemals ein Massenphämomen wie Facebook? Analysten zweifeln inzwischen daran, und Twitter-Chef Costolo verzweifelt daran. Denn, auch wenn es Facebook bei der ersten börsennotierten Präsentation ähnlich ging: Mit den gerade präsentierten Jahreszahlen übertraf Mark Zuckerbergs Konzern alle Erwartungen: Der Gewinn verachtfachte sich, die Werbeeinnahmen gingen durch die Decke.

Dass Twitter ein ähnlicher Coup gelingt, ist unwahrscheinlich. Facebook war schon vor seinem Börsengang profitabel, es ging also lediglich um eine Erhöhung des Gewinns. Twitter schaffte es seit der Gründung nie in die schwarzen Zahlen. Wann es so weit is, vermag auch der Unternehmenschef nicht zu sagen. Er bittet die Anleger lediglich um Geduld.

Und auch was die Zielkundschaft angeht, dürfte Costolo es schwer haben, mit Facebook gleichzuziehen. «Facebook ist für alle, Twitter für die Elite», titelte das Finanzportal Business Insider kurz vor dem Börsengang des Kurznachrichtendienstes. Dass Twitter daher jemals Facebook-ähnliche Zahlen von 200 Millionen Nutzern allein in den USA erreichen könne, sei alles andere als realistisch.

12 Jahre bis zu den 200 Millionen

Mit dieser Einschätzung lag das Portal offenbar richtig. «Auch wenn Sie Ihr Wachstum verdreifachen, würde es 12 Jahre dauern, auf 200 Millionen zu kommen. Schaffen Sie das?», fragte ein Analyst den Twitter-Chef. Ein anderer äusserte daran deutliche Zweifel: «Nutzer probieren es aus, verstehen es nicht und lassen es dann wieder sein.»

Man arbeite daran, erwiderte Costolo: «Wir haben Pläne, ein breiteres Publiklum dazu zu kriegen, Twitter zu verstehen», so Costolo. Man werde den Auftritt von Twitter verbessern. Das werde die Wachstumskurve verändern. «Wie sehr, das kann ich aber bisher nicht einmal erraten.»

Wirklich zufrieden waren die Anleger mit dieser Antwort offenbar nicht: Die Aktie des Unternehmens stürzte nachbörslich mehr als 10 Prozent ab.

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