Aktualisiert 26.03.2019 08:28

Löhne

«Warum verdient ein Pfarrer 9000 Franken?»

Die im Lohnbuch 2019 aufgeführten Schweizer Löhne sorgen für Diskussionen. Das sagen die Leser und Verbände.

von
Dominic Benz
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Das Lohnbuch 2019 gibt Aufschluss über die schweizweiten Löhne in allen Branchen. So verdient ein Gemeindepfarrer rund 9000 Franken im Monat.

Das Lohnbuch 2019 gibt Aufschluss über die schweizweiten Löhne in allen Branchen. So verdient ein Gemeindepfarrer rund 9000 Franken im Monat.

Keystone/Sigi Tischler
Viele Leser von 20 Minuten fragen sich: Warum verdient ein Pfarrer so viel? «Unglaublich, dass ein Gemeindepfarrer 9000 Franken verdient», sagt etwa Leser Ernst.

Viele Leser von 20 Minuten fragen sich: Warum verdient ein Pfarrer so viel? «Unglaublich, dass ein Gemeindepfarrer 9000 Franken verdient», sagt etwa Leser Ernst.

Keystone/urs Flueeler
Der Lohn sei gerechtfertigt. Schliesslich habe ein Pfarrer eine akademische Ausbildung. «Zudem muss er oft abends arbeiten und ist für Tausende von Kirchenmitgliedern verantwortlich», sagt Daniel Kosch, Generalsekretär der römisch-katholischen Zentralkonferenz.

Der Lohn sei gerechtfertigt. Schliesslich habe ein Pfarrer eine akademische Ausbildung. «Zudem muss er oft abends arbeiten und ist für Tausende von Kirchenmitgliedern verantwortlich», sagt Daniel Kosch, Generalsekretär der römisch-katholischen Zentralkonferenz.

Keystone/urs Flueeler

Die Branchenlöhne im Lohnbuch 2019 ärgern viele Leser: Die einen finden, dass die Löhne in bestimmten Berufen überrissen sind. Die anderen sind der Meinung, dass gewisse Gruppen überhaupt nicht fair entlohnt werden. Die jeweiligen Branchenverbände erklären, was es mit den Löhnen auf sich hat, wie sie zustande kommen und inwiefern sie gerechtfertigt sind.

Gemeindepfarrer, 9084 Franken

Das sagt Leser Ernst: «Unglaublich, dass ein Gemeindepfarrer 9000 Franken verdient. Warum? Jetzt weiss ich wenigstens, wieso die Kirchensteuer so hoch ist.»

Das sagt die Branche: Laut der römisch-katholischen Zentralkonferenz (RKZ) variieren die Löhne der Pfarrer zwischen den Gemeinden und Kantonen. «Für viele Kantone ist die Grössenordnung von 9000 Franken zutreffend», sagt Generalsekretär Daniel Kosch. Der Lohn sei gerechtfertigt. Schliesslich habe ein Pfarrer eine akademische Ausbildung. «Zudem muss er oft abends arbeiten und ist für Tausende von Kirchenmitgliedern verantwortlich», so Kosch. Das sei den Gemeinden etwas wert.

Bauarbeiter, 4720 Franken

Das sagt Leser Thomas: «Die Arbeiter auf dem Bau sollten mehr Lohn erhalten. Schliesslich ist der Job körperlich anspruchsvoll. Der Verschleiss ist viel grösser als in anderen Berufen.»

Das sagt die Branche: Der Schweizerische Baumeisterverband betont, dass auf dem Bau die mit Abstand höchsten Handwerkerlöhne bezahlt werden. Direkt nach der Lehre verdienten junge Berufsleute bereits mindestens 4788 Franken, in der Realität sei es effektiv meistens noch mehr. Auf 2019 sei der Lohn um monatlich 80 Franken gestiegen. «Auf dem Bau werden sehr gute Löhne gezahlt», sagt Sprecher Matthias Engel. Der Job sei sicher hart, aber fair bezahlt. Auf dem Bau könne man auch ohne Krawatte Karriere machen, etwa mit dem Aufstieg zum Polier oder Bauführer. Ein fünfstelliger Monatslohn sei mit einer Karriere erreichbar, so Engel.

Koch, 4100 Franken

Das sagt Leserin Luna: «Ich bin Köchin und wie alle meine Arbeitskollegen total unterbezahlt. Es ist ein Knochenjob, da man auch bis Mitternacht arbeiten muss. Ich verdiene brutto 3800 Franken. Ich kann mir nicht mal ein Auto oder ein GA leisten.»

Das sagt die Branche: Wenn die Leserin tatsächlich eine ausgebildete Köchin sei, liege ihr Gehalt unter dem Mindestlohn, sagt Roger Lang von Hotel & Gastro Union. Er betont aber, dass die Medianlöhne der Branche in der Regel nahe dem Mindestlohn liegen würden. «Das Gastgewerbe ist eine Tieflohnbranche», so Lang. Unregelmässige und lange Arbeitszeiten seien in der Branche weit verbreitet.

Verkäuferin, 4350 Franken

Das sagt Leserin Bettina: «Mich würde mal interessieren, welche Detailhandelsangestellte 4350 Franken verdient. Ich arbeite sei Jahren in der Branche und habe verschiedene Filialen geleitet. Dass jemand so viel verdient hat, habe ich bisher noch nirgends gesehen.»

Das sagt die Branche: Laut dem Kaufmännischen Verband verfügt der Detailhandel insgesamt über ein tieferes Lohnniveau. «Auch innerhalb der Branche gibt es Lohnunterschiede», sagt Sprecherin Emily Unser. Diese lassen sich zum Teil auf die Berufsausbildung zurückführen. Ohne Ausbildung verdiene man bis zu 300 Franken weniger. Auch sind eine klare Mehrheit der Arbeitnehmenden im Detailhandel Frauen: Viele arbeiten Teilzeit oder mit kleineren Pensen. «Und gerade in frauenstarken Bereichen wie etwa Food und Textil sind die Durchschnittslöhne leider besonders tief.» Der Verband setze sich aber auch in dieser Hinsicht für eine Verbesserung ein.

Urs Klingler ist Vergütungsexperte von Klingler Consultants.

Herr Klingler, viele Leser haben andere Löhne als die im Lohnbuch. Warum?

Die Löhne sind mit grosser Vorsicht zu lesen, da die Anzahl der Monatslöhne nicht immer angegeben ist oder unterschiedlich angewendet wird. Teils fehlen variable Teile, Altersstufen und Erfahrungsjahre.

Gibt es regionale Unterschiede?

Die Löhne variieren je nach Region um bis zu 12 Prozent. Dies hat nichts mit Lebenshaltungskosten oder Steuern zu tun, sondern mit dem Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeitende und dem Rekrutierungsmarkt. In Zürich sind die Löhne am höchsten. Auf dem Land sind sie tiefer.

Bedeutet höhere Bildung besseren Lohn?

Tendenziell ja, aber nicht alle Ausbildungen werden gleich gut bezahlt. Die Frage ist auch, ob die Ausbildung relevant ist für die Funktion. So ist die Ausbildung für Ärzte lang, aber es gibt ­grosse Unterschiede bei den Fachgebieten.

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