27.09.2018 16:38

Süsser Vitaminspeicher

Warum Vitamin-D-Pillen, wenn es Schoggi gibt?

Gute Nachrichten für Schokoladen-Fans: Sie können ihren Vitamin-D-Speicher mit ihrer Lieblingssüssigkeit füllen. Nur übertreiben sollten sie es dabei nicht.

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Für einmal haben Forscher gute Neuigkeiten für Schoggi-Fans. Ihrer im Fachjournal «Food Chemistry» erschienenen Studie zufolge ...

Für einmal haben Forscher gute Neuigkeiten für Schoggi-Fans. Ihrer im Fachjournal «Food Chemistry» erschienenen Studie zufolge ...

Keystone/Gaetan Bally
... enthalten nicht wie bis anhin gedacht nur fette Fische, ...

... enthalten nicht wie bis anhin gedacht nur fette Fische, ...

Keystone/AP/Daniel Bockwoldt
... einige Pilze und ...

... einige Pilze und ...

iStock/Golibo

Vitamin D ist für den menschlichen Körper lebenswichtig: Es ist relevant für Knochenaufbau und Zahnbildung, soll aber auch das Gehirn stärken und sogar vor Krebs schützen. Hat man zu wenig davon, können Osteoporose, Parkinson, Diabetes und Demenz die Folge sein.

Um das zu verhindern, empfehlen Forscher und Mediziner, sich regelmässig der Sonne auszusetzen. Die braucht es, damit der Körper das sogenannte Sonnenvitamin selbst bilden kann (als Vitamin D3). Allerdings reicht die Exposition in unseren Breitengraden nicht aus (siehe Box), und Vitamin-D-Mangel ist die Folge.

Diesen über die Nahrung zu decken, ist schwierig, weil Vitamin D (als Vitamin D2) nur in wenigen Lebensmitteln vorkommt – in relevanten Mengen nur in fetthaltigem Fisch wie Lachs, in Eiern und einigen Pilzen – und man müsste davon Unmengen essen.

Kakao im Fokus

Eine weitere, bisher unbekannte Vitamin-D-Quelle haben nun Wissenschaftler der Martin-Luther-Universität Halle-Wittenberg nachgewiesen, wie sie im Fachjournal «Food Chemistry» schreiben: Kakao.

Das Team um Gabriele Stangl hatte sich diesen aufgrund dessen Herstellungsprozesses genauer angeschaut. Kakaobohnen werden nach der Fermentation getrocknet. Dazu werden sie auf Matten gelegt und ein bis zwei Wochen der Sonne ausgesetzt. Die Vermutung der Forscher: Dadurch könnten sich die Vorstufen des Vitamin D, die vermutlich aus harmlosen Pilzen stammen, zu Vitamin D2 umwandeln.

Um ihre These zu prüfen, analysierten die Wissenschaftler verschiedene Kakaoprodukte mit Hilfe moderner Massenspektrometrie.

Gute Schoggi, schlechte Schoggi

Dabei zeigte sich, dass Kakao durchaus eine ernst zu nehmende Vitamin-D-Quelle ist, wobei sich der Gehalt von Produkt zu Produkt stark unterscheidet. Während etwa in Kakaobutter und dunkler Schokolade sehr viel enthalten ist, findet sich in weisser Schoggi nur wenig davon.

Das ist laut Stangl nicht verwunderlich, «da der Kakaogehalt in weisser Schokolade deutlich geringer ist. Das bestätigt unsere Annahme, dass Kakao die Quelle für das Vitamin D2 ist.»

Jetzt aber grosse Mengen davon zu futtern, hält die Forscherin für keine gute Idee. «Man müsste Unmengen an Schokolade essen, um darüber den Bedarf an Vitamin D2 zu decken. Das wäre aufgrund des hohen Zucker- und Fettanteils extrem ungesund.» Das Ergebnis der Studie sei vielmehr dafür wichtig, korrekte Daten darüber zu erlangen, welche Nährstoffe die Bevölkerung im Durchschnitt zu sich nimmt.

Das Team untersucht nun im Rahmen des vom deutschen Bundesministerium für Bildung und Forschung geförderten Kompetenzclusters NutriCard, ob sich zuckerfreie, kakaohaltige Lebensmittel produzieren lassen und ob diese zu einem verbesserten Vitamin-D2-Spiegel beim Menschen beitragen können.

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So wird aus Sonnenstrahlen Vitamin D

Vitamin D ist das einzige Vitamin, das vom Körper selbst durch Synthese hergestellt werden kann. Deshalb ist es streng genommen eigentlich kein Vitamin. Daher spricht man zunehmend vom D-Hormon, wie das Universitätsspital Zürich schreibt.

Im Körper gebildet wird dieses, wenn die UVB-Strahlen der Sonne auf die Haut treffen. Allerdings reicht die Sonnenintensität in unseren Breitengraden – vor allem in Herbst, Winter und Frühling – oftmals nicht aus. Hinzu kommt, dass mit zunehmendem Alter die Fähigkeit Vitamin D zu produzieren, im Vergleich zu jüngeren Personen, um das Vierfache abnimmt. Auch ein dunkler Hautton, Übergewicht und häufiges Auftragen von Sonnencreme reduzieren die Vitamin- beziehungsweise Hormon-D-Produktion.

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