Vergleichsfaule Schweizer: Warum wechseln so wenig Leute die Krankenkasse?
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Vergleichsfaule SchweizerWarum wechseln so wenig Leute die Krankenkasse?

Faulheit ist nicht der einzige Grund, warum Menschen keine Hypotheken vergleichen oder ihre Krankenkasse nicht wechseln.

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vay
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Woran liegt es, dass die Wechselbereitschaft vieler Konsumenten bei Krankenkassen und Hypotheken trotz Sparpotenzial so tief ist? Sind die Schweizer einfach zu faul? Nein, meint Dominique Roten,  Sprecher des Konsumentenforums: «Es herrscht Überforderung», erklärt er auf Anfrage von 20 Minuten. «Die Konsumenten haben einen Tarifdschungel vor sich und wollen oder können Preisvergleichsportale im Internet nicht nutzen.»

Woran liegt es, dass die Wechselbereitschaft vieler Konsumenten bei Krankenkassen und Hypotheken trotz Sparpotenzial so tief ist? Sind die Schweizer einfach zu faul? Nein, meint Dominique Roten, Sprecher des Konsumentenforums: «Es herrscht Überforderung», erklärt er auf Anfrage von 20 Minuten. «Die Konsumenten haben einen Tarifdschungel vor sich und wollen oder können Preisvergleichsportale im Internet nicht nutzen.»

20 Minuten
Rafael Huber, Dozent für Wirtschaftspsychologie an der ZHAW, weist auf die Status-quo-Verzerrung hin, die viele Kunden haben: «Gewisse Kosten spürt man erst, wenn sie wegfallen. Erst wenn sie weniger für eine Versicherung ausgeben, merken die Konsumenten, dass sie nun mehr Geld für andere Dinge haben.»

Rafael Huber, Dozent für Wirtschaftspsychologie an der ZHAW, weist auf die Status-quo-Verzerrung hin, die viele Kunden haben: «Gewisse Kosten spürt man erst, wenn sie wegfallen. Erst wenn sie weniger für eine Versicherung ausgeben, merken die Konsumenten, dass sie nun mehr Geld für andere Dinge haben.»

20 Minuten
Bei der Eigenheimfinanzierung geht es um Hunderttausende bis Millionen von Franken. Schon eine kleine Zinsdifferenz führt deshalb zu erheblichen Preisunterschieden bei der Hypothek.

Bei der Eigenheimfinanzierung geht es um Hunderttausende bis Millionen von Franken. Schon eine kleine Zinsdifferenz führt deshalb zu erheblichen Preisunterschieden bei der Hypothek.

Keystone/Gian Ehrenzeller

Geht es um Krankenkassen, Hypotheken oder Telecom-Angebote, sind wenig Schweizer bereit, ihren Anbieter zu wechseln oder auch nur Preise zu vergleichen. Dies zeigt auch eine neue Studie des Vergleichsdiensts Comparis zum Thema Eigenheim-Hypothek: 70 Prozent der befragten Hypothekarnehmer wählen zur Finanzierung einer Immobilie ihre Hausbank, obwohl sich ein Wechsel finanziell lohnen könnte (siehe Tabellen unten). Ein Viertel der Befragten verzichtet komplett auf einen Zinsvergleich der verschiedenen Anbieter.

Woran liegt es, dass die Wechselbereitschaft vieler Konsumenten trotz Sparpotenzial so tief ist? Sind die Schweizer einfach zu faul? Nein, meint Dominique Roten, Sprecher des Konsumentenforums: «Es herrscht Überforderung», erklärt er auf Anfrage von 20 Minuten. «Die Konsumenten haben einen Tarifdschungel vor sich und wollen oder können Preisvergleichsportale im Internet nicht nutzen.» Eine weitere Schwierigkeit sei, dass Krankenkassen, Versicherungen und Banken «Produkte anbieten, die sich teilweise im Aufbau markant unterscheiden und sich nur schwer vergleichen lassen», so Roten.

Kunden machen Denkfehler

Rafael Huber, Dozent für Wirtschaftspsychologie an der ZHAW, weist auf die Status-quo-Verzerrung hin, die viele Kunden haben: «Gewisse Kosten spürt man erst, wenn sie wegfallen. Erst wenn sie weniger für eine Versicherung ausgeben, merken die Konsumenten, dass sie nun mehr Geld für andere Dinge haben.»

Ein weiterer Grund seien sogenannte Wechselkosten. Will heissen: Man hat sich an den alten Anbieter gewöhnt, und es bedeutet Aufwand, diesen zu wechseln. «Bestehende Kunden kennen die Prozesse und Ansprechpersonen. Bei einem Wechsel müssen sie sich umgewöhnen und darauf vertrauen, dass beispielsweise ein neuer Versicherer zahlen wird und die Versprechen in der Broschüre auch wirklich einhält», erklärt Wirtschaftspsychologe Huber.

Unternehmen sollen Wechsel vereinfachen

Die Unternehmen sind dementsprechend gefordert. Um Kunden einen Wechsel schmackhafter zu machen, empfiehlt

Patrick Samson, Geschäftsführer der Beratungsagentur Digital Business Transformation, Kunden nicht wie üblich aufzuzeigen, was man durch den Wechsel gewinnen könnte. «Fokussieren Sie die Kommunikation stattdessen auf den zu erwartenden Verlust, wenn der Status quo beibehalten wird. Machen Sie dabei klar, dass der Verlust unabwendbar und sofort eintreten wird.» Wichtig ist laut Samson aber auch, dass den Kunden die Entscheidung so einfach wie möglich gemacht wird.

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