«MP3-Steuer»: Warum werden die MP3-Player nicht billiger?
Aktualisiert

«MP3-Steuer»Warum werden die MP3-Player nicht billiger?

Der Jubel war gross: Ab dem 1. Juli 2009 wird die unbeliebte «MP3-Steuer» gesenkt. Jetzt folgt die Ernüchterung: Der Endkonsument bezahlt immer noch die alten Preise. Schuld sind die Lagerbestände der Grosshändler. Besserung ist aber in Sicht.

von
Amir Mustedanagic

Es sollte der grosse Tag für Musik- und Filmfans werden: Ab heute gilt der neue Tarif der «MP3-Steuer» (20 Minuten Online berichtete). Die Abgabe auf MP3-Player und Festplatten-Recorder sinkt um 70 bis 95 Prozent. Mussten für einen MP3-Player mit 16 GB Speicher bisher knapp 29 Franken Steuer berappt werden, beträgt die Abgabe in Zukunft noch 12.80 Franken. Wer nun in die Läden stürmt, wird aber enttäuscht: Der neue Tarif gilt zwar ab heute, die Preise für die Endkonsumenten sind aber noch nicht gefallen.

«Die Händler haben Lagerbestände, auf denen die alte Gebühr eingefordert wurde», begründet Sara Stalder, Geschäftsführerin der Stiftung für Konsumentenschutz (SKS). Dies führe dazu, dass die Händler die alten Geräte auch zu den alten Preisen weitergeben, wie eine Umfrage der SKS bei den Händlern ergab. Grund: Die Suisa erhebt die Abgabe direkt bei den Importeuren von MP3-Playern und Festplatten-Recordern, wie Pressesprecher Marc Wüthrich auf Anfrage von 20 Minuten Online bestätigte.

«Am besten in kleinen Geschäften kaufen»

Die Suisa selbst darf ab heute nur noch den neuen Tarif erheben. Folglich kommen die Händler erst jetzt bei den Importeuren in den Genuss der tieferen Abgaben. «Wer als Kunde bereits jetzt von den tieferen Preisen profitieren will, geht am besten in kleinere Geschäfte», sagt Stalder. Diese hätten kleinere Lagerbestände und müssten so die Preissenkung bereits jetzt weitergeben. Aber auch den grossen will die SKS nur eine kurze Gnadenfrist geben: Spätestens Ende August sollten auch die Preise der Grosshändler angepasst werden, findet Stalder. «Wer Geräte für ein gesamtes Jahr einkauft, ist selbst schuld.» Die SKS behalte die Entwicklung jedenfalls im Auge. Sollten die Preise in den Geschäften nicht sinken, wolle man «das Gespräch suchen».

iPod-Classic: Nicht billiger, sondern teurer

Bereits auf die sinkenden Abgaben reagiert hat Apple: Im Online-Store sind die Preise für iPods deutlich gesunken. Mit einer Ausnahme: Der Preis für den iPod-Classic mit 120 GB-Harddisk-Speicher ist aufgrund des neuen Tarifs von 379 Franken auf 422 Franken gestiegen, bestätigt Andrea Brack, Pressesprecherin von Apple Schweiz. Der Grund ist, dass die neue Regelung der «MP3-Steuer» Flash- und Harddisk-Speicher gleichstellt (Tarifvergleich alte und neue Abgabe). Das wirkt sich zwar positiv auf die Preise von Flash-Geräten aus, Harddisk-Geräte aber werden deutlich teurer.

«Der Flashtechnik gehört die Zukunft», sagt SKS-Geschäftsführerin Stalder. Deshalb habe man sich mit der Suisa bei den Tarifverhandlungen auf einen Kompromiss geeinigt. Die Suisa willigte einer Senkung des Flash-Tarifs ein, die Konsumentenorganisation stimmte im Gegenzug der Erhöhung des Harddisk-Tarifs zu.

Abgabensätze ab dem 1. Juli 2009:

Audio-Speichergeräte: 0.8 Franken pro 1 GB-Speicher

Video-Speichergeräte: 0.1 Franken pro 1 GB bis 250 GB; ab 250 GB 0.08 Franken für jedes weitere GB

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