Skeptiker am Virus erkrankt - Ändert eine Corona-Infektion die Haltung zu den Massnahmen?
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Skeptiker am Virus erkranktÄndert eine Corona-Infektion die Haltung zu den Massnahmen?

Einen bekannten Massnahmen-Kritiker hat das Coronavirus schon zweimal erwischt. Sogar mit Folgeschäden, wie er behauptet. Er verlangt trotzdem weiter das Ende des Shutdowns. Das muss kein Widerspruch sein.

von
Bettina Zanni
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Beim Gegenpol gehen wegen Corona-Skeptikern regelmässig die Emotionen hoch.

Beim Gegenpol gehen wegen Corona-Skeptikern regelmässig die Emotionen hoch.

20 Minuten
Auf Social Media kursieren Tweets wie: «Eigentlich wünsche ich es keinem, aber solls doch die Skeptiker erwischen. Was sagen sie danach wohl?»

Auf Social Media kursieren Tweets wie: «Eigentlich wünsche ich es keinem, aber solls doch die Skeptiker erwischen. Was sagen sie danach wohl?»

20 Minuten/Oliver Braams
Bei Nicolas A. Rimoldi, der als Co-Präsident des Vereins «Mass-voll!» an vorderster Front gegen die Massnahmen kämpft, hat die Ansteckung jedoch nicht zu einem Umdenken geführt.

Bei Nicolas A. Rimoldi, der als Co-Präsident des Vereins «Mass-voll!» an vorderster Front gegen die Massnahmen kämpft, hat die Ansteckung jedoch nicht zu einem Umdenken geführt.

Nicolas A. Rimoldi

Darum gehts

  • Nicolas A. Rimoldi vom Verein Mass-voll!, der die Corona-Massnahmen kritisiert, erzählt, dass ihn selbst das Virus hart getroffen habe.

  • Trotzdem kritisiert er die Massnahmen weiterhin.

  • Bei anderen Skeptikern führte eine Infektion zu einer 180-Grad-Wende.


Die Stimmen der Corona-Skeptiker, die für die «Grundrechte» und gegen die «Diktatur» kämpfen, werden immer lauter. Trotz Verbot der Grossdemo in Altdorf UR demonstrierten dort am Samstag Hunderte gegen die Massnahmen. Wie bereits beim Aufmarsch in Liestal trugen die meisten keine Masken.

Beim Gegenpol gehen wegen Corona-Skeptikern regelmässig die Emotionen hoch. Auf Social Media kursieren Tweets wie: «Eigentlich wünsche ich es keinem, aber solls doch die Skeptiker erwischen. Was sagen sie danach wohl?» Andere hoffen, dass es «jeden einzelnen erwischt», der an einer Corona-Demo teilgenommen hat.

«Ich lag zwei Wochen im Bett»

Doch bei Nicolas A. Rimoldi, der als Co-Präsident des Vereins «Mass-voll!» an vorderster Front gegen die Massnahmen kämpft, hat die Ansteckung nicht zu einem Meinungswechsel geführt. «Ich infizierte mich zweimal mit dem Coronavirus und habe auch Folgeschäden», behauptet er. Auch in Aktivisten-Kreisen von Massnahmen-Befürwortern kursierte ein entsprechendes Gerücht.

«Mein einzelnes Leiden steht aber in keiner Relation zum gewaltigen Leid, das durch die Zwangsmassnahmen angerichtet wird», so der Massnahmen-Kritiker. Das erste Mal habe er sich im Frühling infiziert, das zweite Mal im Herbst. «Die erste Erkrankung verlief mild. Das zweite Mal lag ich zwei Wochen im Bett und war für nichts zu gebrauchen.» Er habe Fieber und Atemnot gehabt.

«Atmen fällt mir noch heute schwer»

«Das Atmen fällt mir noch heute phasenweise schwer», sagt Rimoldi. Da er an Asthma vorerkrankt sei, habe das Virus seine Atemwege noch mehr eingeschränkt. «Etwa beim Treppensteigen ringe ich seit der Erkrankung schnell nach Luft.»

Aber selbst wenn er im Spital an der Atemmaschine angeschlossen gewesen wäre, hätte er seine Einstellung nicht geändert, sagt der Massnahmen-Kritiker. «Jeder Tag kann unser letzter sein. Mit dieser Einstellung gehe ich durchs Leben.» Es sei unbestritten, dass das Virus gefährlich sein könne. «In meinem Umfeld habe ich auch einige Leute, die am Virus erkrankt oder daran fast gestorben sind.»

Als grösser betrachtet Rimoldi jedoch den Gesamtschaden, den die Massnahmen anrichteten. «Unzählige Menschen haben ihre Existenz verloren oder leiden an psychischen Krankheiten, weil sie durch die Massnahmen in einem Gefängnis der Angst leben müssen.»

«Heute schäme ich mich dafür»

Andere Corona-Skeptiker ruderten jedoch massiv zurück, nachdem sie das Virus persönlich getroffen hatte. «Heute schäme ich mich dafür, dass ich die Pandemie als harmlos abgetan habe», sagte etwa C. F.* (39). Zuerst hielt sie Covid-19 für eine erfundene Sache und eine Grippe. Im Oktober erwischte sie jedoch das Virus heftig.

Durch die Atemnot hatte sie mehrmals täglich das Gefühl, zu ertrinken. «Das waren die schlimmsten Minuten meines Lebens. Ich dachte, dass ich sterbe», so C. F.

Böse Wünsche seien nicht tolerant

Psychologe Thomas Steiner warnt aber davor, sich gegenseitig Unheil zu wünschen. Selbst wenn Erfahrungen am eigenen Leib in der Regel tatsächlich ein Umdenken bewirken, hält er es für sehr problematisch, jemandem bei einer politischen Uneinigkeit solche zu wünschen.

«Es ist nicht tolerant und geht in Richtung Schadenfreude, zu hoffen, dass ein Corona-Skeptiker selbst am Virus erkrankt.» Sinnvoll sei stattdessen, mit dem Gegenpart eine sachliche Diskussion zu führen.

*Name der Redaktion bekannt.

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BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

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