Aktualisiert 28.12.2011 18:00

Ex-Manager erklärt

Warum Windows Phone 7 nicht in die Gänge kommt

Microsofts Smartphone-Betriebssystem ist top, trotzdem läuft der Verkauf nur schleppend. Ein ehemaliges Kadermitglied betreibt auf seinem Blog Ursachenforschung.

von
mbu

Der ehemalige General Manager der Windows Phone Group, Charlie Kindel, hat Anfang des Jahres den Schritt in die Selbstständigkeit gewagt. Seinem Interesse an der Entwicklung von Windows Phone 7 hat dies aber keinen Abbruch getan.

Auf seinem Blog schreibt Kindel, dass er immer mal wieder gefragt werde, warum Windows Phone 7 auf so wenig Begeisterung stosse, wenn es doch so ein exzellentes Produkt sei. Er ortet das Problem nicht auf Kundenseite, sondern in der Zusammenarbeit mit den Geräteherstellern und den Mobilfunkanbietern. So verfolgt Microsoft mit Windows Phone 7 einen komplett anderen Ansatz, als es etwa Google mit Android tut. Obwohl verschiedene Hersteller wie Samsung, HTC und inzwischen auch Nokia Smartphones mit ihrem WP7-Betriebssystem anbieten, behält sich Microsoft das alleinige Recht vor, zu bestimmen, wann und für welche Modelle die Betriebssystem-Updates ausgerollt werden. So wurden im vergangenen Herbst sämtliche WP7-Smartphones automatisch mit der Version WP7.5 ausgestattet. Für die Gerätehersteller bedeutet dies, dass sie sich von Microsoft die Mindest-Hardware-Anforderungen diktieren lassen müssen, damit ihre Modelle mit dem Betriebssystem kompatibel sind.

Bei dem offenen Google-Betriebssystem ist dies anders und aus Kundensicht viel unattraktiver. Hier bestimmen die Gerätehersteller, ob und wann ihre jeweiligen Modelle ein Firmware-Update erhalten. Dies hat zur Folge, dass die Android-Nutzer je nach Modell auf einem alten Betriebssystem sitzen bleiben, obwohl schon längst neuere Versionen auf dem Markt sind. Millionen von Kunden schauen dadurch in die Röhre. Dazu kommt, dass die Android-Oberfläche je nach Modell anders gestaltet ist. Kauft ein Kunde ein neues Gerät, muss er sich zuerst wieder einarbeiten. Bei Windows Phone 7 ist es hingegen egal, welches Modell genutzt wird, das Erscheinungsbild des Betriebssystems ist identisch.

Gerätehersteller und Mobilfunkanbieter sind das Problem

An dem Modell von Microsoft stören sich nicht nur die Gerätehersteller, sondern auch die Mobilfunkanbieter. Auch sie müssen sich beugen. Ihre Freude daran hält sich laut Kindel aber in Grenzen, weil so die Unterscheidung der einzelnen Produkte von der Konkurrenz verhindert wird. Schliesslich wollen sie so viel Geräte wie möglich verkaufen und die einzelnen Stärken der Geräte gegeneinander ausspielen. Darin sieht Kindel auch den Grund, warum die Mobilfunkanbieter bereitwilliger Geld in die Bewerbung von Android-Geräten stecken, obwohl Windows Phone 7 das bessere Produkt sei.

Kann es Nokia richten?

Mitte November hatte Nokia in mehreren europäischen Ländern mit dem Lumia 800 ihr erstes Premium-Gerät mit dem Windows-Phone-Betriebssystem lanciert. Anfang des Jahres dürfte es auch in der Schweiz so weit sein. Kindel ist sich aber nicht sicher, ob damit der lang ersehnte Aufschwung für WP7 kommen wird und schreibt: «Wir werden es sehen.» Sicher ist er allerdings, dass sich Android-Handys weiterhin wie heisse Semmel verkaufen werden und es auf Kundenseite immer schwieriger werden wird, den Überblick zu behalten.

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