Aktualisiert 23.01.2015 15:06

Skandal in Miami

«Warum wird mein Bruder als Zielscheibe benutzt?»

Polizisten schiessen im US-Bundestaat Florida bei Zielübungen auf Fotos von Afroamerikanern. Der Polizeichef findet das nicht problematisch.

von
cho
In Miami benutzen Scharfschützen Polizeifotos von Afroamerikanern für Schiessübungen.

In Miami benutzen Scharfschützen Polizeifotos von Afroamerikanern für Schiessübungen.

Die Polizei in den USA sieht sich immer wieder mit Rassismus-Vorwürfen konfrontiert, seit dem Todesfall von Michael Brown im August 2014 wird die Diskussion jedoch auf einem neuen Level geführt. Das Thema erhält nun erneut Auftrieb. Gleich zwei neue Skandale erschüttern das Land. In Florida wurde von einer Offizierin der US-Nationalgarde publik gemacht, dass Scharfschützen der Polizei bei Schiessübungen Fotos von schwarzen Straftätern als Zielscheibe nutzten.

Auf einem Schiessstand der North Miami Beach Police hatte Offizierin Valerie Deant eine Collage von Fahndungsfotos entdeckt – diese wiesen jedoch zum einen Einschusslöcher auf, zum anderen waren darauf ausschliesslich Afroamerikaner abgebildet. Bei den Bildern handelt es sich um alte Sträflingsfotos. Darunter entdeckte Deant gar ein altes Foto ihres Bruders, Woody Deant. Auch dieses wies Einschusslöcher auf, eines an der Stirn und ein weiteres am Auge, wie der TV-Sender 6 South Florida berichtet.

«Ich lebe dieses Leben nicht mehr»

Die Reserve-Soldatin war schockiert: «Ich fragte mich: Warum wird mein Bruder als Zielscheibe benutzt?» Auch der Bruder hat dafür kein Verständnis. Das Foto sei vor 15 Jahren entstanden, als er wegen eines illegalen Autorennens, bei dem zwei Menschen ihr Leben verloren, verhaftet wurde. Er sass vier Jahre im Gefängnis und sei heute ein anderer: «Ich lebe dieses Leben schon lange nicht mehr. Ich bin Vater geworden, ich bin verheiratet, ich kümmere mich um meinen Beruf.»

Der Schiessstandbetreiber beteuert gegenüber dem Lokalsender, dass die Polizei explizit diese Fotos als Zielscheibe gewünscht hätte. Nachdem der Sender darüber berichtet hatte, tobte ein Sturm der Entrüstung über die betroffene Polizeieinheit hinweg, Demonstranten versammelten sich vor dem Polizeirevier. Die Menschenmenge hielten Fotos des Polizeichefs Scott Dennis mit symbolischen Einschusslöchern in die Luft, warfen ihm Rassismus vor und forderten seinen Rücktritt.

Dieser betrachtet die Vorwürfe als haltlos, schliesslich seien keine Gesetze gebrochen worden, ausserdem hätten auch afroamerikanische Scharfschützen auf die Bilder gezielt. Er will auch kein disziplinarisches Verfahren gegen die Beamten einlegen. Er bezeichnet die Methode jedoch als «unüberlegt» und will in nächster Zeit auf solche Zielscheiben verzichten.

Polizisten erschiessen Unbewaffneten

Weiter verbreitet sich derzeit ein Video einer Dashcam im Netz. Im US-Bundesstaat New Jersey wurde auf Film festgehalten, wie zwei Polizisten einen Afroamerikaner bei einer Verkehrskontrolle erschossen. Der Vorfall hatte sich am 30. Dezember 2014 ereignet, das Video wurde jedoch erst vor einigen Tagen publik. Als der Fahrer, Leroy Tutt (46), aufgefordert wird, seinen Führerausweis zu zeigen, eskaliert die Situation plötzlich.

Wie das Newsportal RT meldet, erblickte ein Polizist von aussen eine Pistole im Handschuhfach. Die Polizisten schrien die beiden Autoinsassen an, dass sie die Hände in die Luft heben sollen. Die beiden Männer folgten der Aufforderung, wie im Video deutlich zu erkennen ist. Jerame Reid, der 36-jährige Beifahrer, schien in Panik zu geraten und schrie: «Lasst mich raus!» Dies wurde ihm von der Polizei nicht erlaubt, als er es trotzdem tat, wurde er von neun Kugeln getroffen und tödlich verletzt. Er trug keine Waffe auf sich.

Das Polizeifoto von Woody Deant mit den Einschusslöchern.

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