Aktualisiert 25.10.2015 12:34

KlimaphänomenWarum wurde aus Patricia ein Monstersturm?

Die Meteorologen raufen sich über Hurrikan Patricia die Haare: In Windeseile mutierte er ohne Vorwarnung zum Rekord-Sturm. Hatte der Klimawandel da seine Finger im Spiel?

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Von Seth Borenstein, AP

Binnen nur 30 Stunden mauserte sich Hurrikan Patricia von einem Tropensturm zum Monstersturm der Superlative. Wie ist das möglich?

Bei dem Pazifiksturm kamen einfach die passenden Zutaten zusammen, sagen Experten. Reichlich Warmwasser sorgte für die Energie, die Meteorologen als explosive Intensivierung bezeichnen. Die Luft war viel feuchter als sonst, was Patricia noch mehr Kraft verlieh. Und zugleich fehlten am Donnerstag die höhergelegenen Scherwinde, die zur Eindämmung der Stärke eines Hurrikans führen. Die Konstellation überrumpelte Meteorologieprofessor Kerry Emanuel vom Massachusetts Institute of Technologie, wie er selbst zugibt. «Ich war wirklich verblüfft.»


So sieht der Riesensturm aus dem Weltall aus. (Video: Youtube/Nasa)

Seine Kollegen sind sich einig, dass all dies Spuren von El Niño trägt, jenem Klimaphänomen, das für ungewöhnlich stark steigende Meerestemperaturen sorgt. Doch so nahtlos sich das aktuelle Wetterereignis in die Theorien zur globalen Erwärmung einfügen mag, so müssen die Forscher dennoch einschränken: Den Klimawandel könne man pauschal nicht für den Monsterhurrikan verantwortlich machen – noch nicht, sagen sie.

Rekord-Windgeschwindigkeiten

Ein Rückblick: Am Mittwoch um 22 Uhr war Patricia mit Windgeschwindigkeiten von 65 Kilometern pro Stunde ein Tropensturm, der Vorhersagen zufolge rasch an Kraft gewinnen sollte. Tatsächlich standen die Chancen dafür laut einer Prognose bei 97 Prozent. Doch sei der Sturm so schnell erstarkt, dass es viele überrascht habe, sagte Robert Rogers von der US-Ozeanographie- und Wetterbehörde.

Schon am Freitag gegen 4 Uhr stellten die Windgeschwindigkeiten von Patricia einen Rekord für Hurrikans ein: 200 Stundenkilometer. «Unglaublich. Von denen sieht man nicht allzu viele», wunderte sich Jeff Masters, Meteorologie-Direktor der privaten Firma Weather Underground. «In der Tat haben wir so etwas in der westlichen Hemisphäre noch nie erlebt.» Ein Hurrikan der höchsten Kategorie 5 erreicht Windgeschwindigkeiten von 157 Stundenkilometern oder mehr.

In der östlichen Hemisphäre registrierten Satelliten zwar 1961 bei Taifun Nancy Windgeschwindigkeiten von 215 Stundenkilometern und im selben Jahr 205 Stundenkilometer bei Taifun Violet. Auf die gleiche Weise wurde Super-Taifun Haiyan vermessen, der mit Windkräften von 195 Stundenkilometern 2013 den Philippinen Tod und Verwüstung gebracht hatte. Doch seien solche Satellitenmessungen nicht so präzise, sagte Masters.

Messgeräte werden in Patricias Schlund geworfen

Sein Kollege, Meteorologieprofessor Emanuel, pflichtet ihm bei. Er ist nun gemeinsam mit der US-Marine an einem Experiment beteiligt, bei dem von Flugzeugen aus in den vergangenen drei Tagen Messgeräte in den Schlund von Hurrikan «Patricia» geworfen wurden.

Weltweit habe es in diesem Jahr schon neun Stürme der Kategorie 5 gegeben, sagt Masters weiter. Normal wären rund fünf bis sechs pro Jahr. In dieser Saison hat die östliche und nördliche Pazifikregion mehr Tropenstürme erlebt, der Atlantik dafür weniger.

Womit wir wieder beim Wetterphänomen El Niño wären, das wärmere Wasserströme mit der Folge stärkerer Stürme sowie günstige Winde im Pazifik und ungünstige Winde im Atlantik mit sich bringe, sagte Masters. Tatsächlich wurde Patricia von rekordverdächtigen 30 Grad warmen Pazifikgewässern angetrieben, die auch in der Tiefe ungewöhnlich heiss waren.

Die Klimatheorie besagt, dass sich die Welt mit zunehmender Erwärmung auf extremere und feuchtere Stürme einstellen müsse. Patricias Rekordstärke «stimmt mit dem überein, was wir sagen», erklärt Emanuel. Doch gebe es zu wenige Beispiele, um eine wissenschaftlich hieb- und stichfeste Verbindung herzustellen. Sein Kollege Masters geht einen kleinen Schritt weiter. Patricia und Haiyan im Jahr 2013 könnten die «Warnsignale sein, dass das die Zukunft sein» könnte.

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