China-Kritiker – Warum wurde das Konto von Ai Weiwei wirklich gesperrt?
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China-Kritiker Warum wurde das Konto von Ai Weiwei wirklich gesperrt?

Die Credit Suisse sperrte ein Konto von Chinas grösstem Kritiker Ai Weiwei. Was steckt dahinter? Ging es wirklich nur um Formalitäten, wie das die Bank behauptet?

von
Florian Osterwalder
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Im Interview mit 20 Minuten ging der chinesische Dissident und Künstler Ai Weiwei mit der Schweiz hart ins Gericht.

Im Interview mit 20 Minuten ging der chinesische Dissident und Künstler Ai Weiwei mit der Schweiz hart ins Gericht.

Screenshot Zoom
Daraufhin löste die Credit Suisse ein Konto des chinesischen Künstlers auf. 

Daraufhin löste die Credit Suisse ein Konto des chinesischen Künstlers auf.

20min/Marco Zangger
Ein Grund sei, dass Weiwei Papiere nicht eingereicht habe.

Ein Grund sei, dass Weiwei Papiere nicht eingereicht habe.

20min/Matthias Spicher

Darum gehts

  • Die Credit Suisse sperrte ein Konto von Künstler Ai Weiwei.

  • Dies soll aufgrund eines Interviews von Weiwei mit 20 Minuten geschehen sein.

  • Laut dem Künstler selbst soll es sich dabei um politische Gründe handeln.

Am 6. September 2021 liess der Künstler Ai Weiwei verlauten, dass die Credit Suisse ihm das Konto seiner Stiftung aufgelöst habe. Die Bank begründete dies mit einer neuen Regelung, die keine verurteilten Kundinnen und Kunden mehr erlaube. Ai Weiwei selbst sagt, er sei in China weder angeklagt noch verurteilt worden. Somit müsse das Motiv wirtschaftlicher Natur sein.

Die Schweizer Bank reagierte darauf zurückhaltend: «Die Credit Suisse äussert sich nicht zu möglichen oder bestehenden Kundenbeziehungen.» Die Credit Suisse wiederholte das Statement immer wieder gegenüber den Medien, wie der «Tages-Anzeiger» schreibt.

Eine Woche darauf veröffentlichen die Tamedia-Zeitungen ein Interview mit Ai Weiwei. Dort bestätigt er noch einmal seinen Vorwurf: «Die Credit Suisse sagte mir gegenüber klar, dass es sich um einen politischen Beschluss gehandelt habe. Sie haben mich fälschlicherweise bestraft, obwohl ich nie strafrechtlich verurteilt wurde.»

Darauf reagiert die CS und gibt ein neues Statement ab: «Der Entscheid der Bank erfolgte im Frühjahr 2021, da Herr Weiwei trotz wiederholter Aufforderungen der Bank gesetzlich erforderliche Informationen nicht lieferte. Die Beendigung der Kundenbeziehung war geschäftsmässig begründet.» Mit diesem Statement bricht die CS eine Bankentradition. Sie gibt öffentlich zu, dass Ai Weiwei ein Konto bei der Credit Suisse hatte.

Die CS beruft sich auf eine nicht existierende Regel

Wie der «TA» schreibt, hat Ai Weiwei die von der CS verlangten Unterlagen geliefert. Trotzdem soll die Bank als Kündigungsgrund nicht gelieferte Informationen angegeben haben. Die Credit Suisse gerät in Erklärungsnot und äussert sich erneut. So heisst es, die Bank müsse sich von Kundinnen und Kunden trennen, die verurteilt worden waren. Doch diese Regelung gibt es gar nicht. Die Bank liess sich trotzdem nicht mehr umstimmen und kündigte dem chinesischen Regime-Kritiker.

Denn die Bank hat mit einem Artikel in ihren Geschäftsbedingungen vorgesorgt. Dort steht: «Die Bank und der Kunde können die Bankbeziehung jederzeit per sofort oder auf einen späteren Termin kündigen.» Ai Weiwei hat die Kündigung akzeptiert. Ein weiterer Grund für die Beschleunigung der Kündigung war ein Interview mit «20 Minuten», wie die CS in einem Gespräch mit dem Künstler sagt. Im Interview mit «20 Minuten» sagte Ai Weiwei, dass die Schweiz «der scheinheiligste Staat der Welt» sei.

Im aktuellen mit dem «Tagesanzeiger» geführten Interview zeigt sich Ai Weiwei fast schon versöhnlich. «Ich bin überhaupt nicht wütend», sagt er. Er habe schon ganz andere Situationen überstanden, vor allem in China. Trotzdem fügt er an: «Mein Rausschmiss war ein politischer Entscheid - von Anfang an.» Die Bank sei verpflichtet, dies zuzugeben und soll nicht so tun, als wäre es um fehlende Papiere gegangen.

Trotzdem gibt es laut dem «TA» keine Hinweise darauf, dass das Regime in Peking von Ai Weiweis Konto bei der Schweizer Grossbank wusste und eine Schliessung forderte.

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