Dierikon LU : Warum wurde der tödliche Bach nicht früher saniert?
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Dierikon LU Warum wurde der tödliche Bach nicht früher saniert?

Der Götzentalbach ist in Dierikon über die Ufer getreten und hat eine Tiefgarage überschwemmt. Darin mussten zwei Menschen ihr Leben lassen. Nun wird Kritik laut.

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num/dag
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Rettungskräfte räumen die Unwetterschäden in Dierikon LU auf. Eine Frau und ihre fünfjährige Tochter sind nach dem heftigen Unwetter vom Sonntagabend ertrunken.

Rettungskräfte räumen die Unwetterschäden in Dierikon LU auf. Eine Frau und ihre fünfjährige Tochter sind nach dem heftigen Unwetter vom Sonntagabend ertrunken.

Keystone/Urs Flueeler
Die Garageneinfahrt des Hauses, in dem es zu dem tragischen Unglück kam. Mutter und Tochter ertranken im Untergeschoss des Gebäudes.

Die Garageneinfahrt des Hauses, in dem es zu dem tragischen Unglück kam. Mutter und Tochter ertranken im Untergeschoss des Gebäudes.

Keystone/Urs Flueeler
Aufgebrochene Strassen prägen das Bild der Gemeinde.

Aufgebrochene Strassen prägen das Bild der Gemeinde.

Keystone/Urs Flueeler

«Ich erlebe zum vierten Mal, dass der Götzentalbach das Dörfli in Dierikon überschwemmt. Aber Wassermassen in diesem Ausmass hat keiner erwartet», sagt ein Bewohner des Dorfes. Dass der Bach saniert werden soll, wisse man im Dorf schon lang – nur: Warum ist das noch nicht geschehen?

Beim Kanton hatte man keine andere Wahl – weil das Geld fehlte. Im Jahr 2013 wurde das Hochwasserprojekt in Angriff genommen, das auch die Sanierung des Götzentalbachs vorgesehen hätte. Das Parlament verlangte aber nach einer Priorisierungsliste – auf der erhielt der Götzentalbach eine niedrige Wertung.

Schaden bei Jahrhundertereignis

Albin Schmidhauser, Abteilungsleiter Naturgefahren beim Amt für Verkehr und Infrastruktur, erklärt: «Dabei wird geprüft, welchen Schaden ein Bach oder Fluss bei einem Jahrhundertereignis anrichten kann.» Kriterien seien dabei, wie viele Häuser und öffentliche Einrichtungen bei einem Unglück betroffen wären.

Schmidhauser sagt: «Das klingt für die Betroffenen vielleicht brutal – aber zum Vergleich: Wäre die Reuss über die Ufer getreten, hätten wir nun einen Schaden von etwa 280 Millionen Franken.» Das Projekt Götzentalbach wurde trotz fehlender Mittel in Angriff genommen – übernommen hat die Vorfinanzierung die Gemeinde Dierikon. Später wird wieder der Kanton Luzern einspringen.

Gemeindepräsident Hans Burri sagt: «Vergangenes Jahr hat der Götzentalbach die gleiche Tiefgarage schon einmal überschwemmt – wir wissen also seit einiger Zeit, dass der Bach ein gewisses Gefahrenpotenzial birgt.» Aber so ein Ereignis, «so eine Naturgewalt wie gestern», habe man nicht voraussehen können.

«Weiss nicht, ob Sanierung geholfen hätte»

Der Götzentalbach sei nicht der einzige, der ihnen Sorgen bereite. In Dierikon habe man die Sanierung von anderen Bächen zuerst in Angriff genommen – solche, die einfacher zu realisieren waren. Die Sanierung des Götzentalbachs sei kompliziert, so Burri. «Er soll offengelegt werden, derzeit verläuft er aber unter einem Trottoir und in einer Dole.» Das Planungsbüro habe bereits verschiedene Entwürfe über die künftige Linienführung vorgelegt.

Burri ist erschüttert: «Nach den jüngsten Ereignissen wäre es mir am liebsten, wir hätten die Sanierung letzte Woche fertiggestellt. Auch wenn ich nicht sicher bin, ob das bei diesen Wassermassen etwas geholfen hätte.» Er verspricht: «Nun werden wir das Projekt zusammen mit dem Kanton mit Hochdruck angehen.»

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