Gender Pricing: Darum zahlen Frauen mehr beim Coiffeur
Oft ist die Haarlänge irrelevant: In vielen Coiffeursalons zahlen Frauen für einen Haarschnitt deutlich mehr als Männer.

Oft ist die Haarlänge irrelevant: In vielen Coiffeursalons zahlen Frauen für einen Haarschnitt deutlich mehr als Männer.

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Waschen, schneiden, zahlenWarum zahlen Frauen beim Coiffeurbesuch mehr als Männer?

Nach dem Spitzenschneiden fühlen wir uns frisch und leicht. Letzteres gilt leider oft auch für den Geldbeutel – besonders wenn es sich bei den Kunden und Kundinnen um Frauen handelt. In vielen Salons zahlen sie deutlich mehr als Männer. Ist das gerecht?

von
Malin Mueller

Ein kurzer Abstecher über den Mittag, einmal weg mit den Haarspitzen voller Spliss, schon sind 100 Franken vom Konto verschwunden. Oder sind es doch nur 60? Oft hängt das davon ab, ob wir uns als Mann oder als Frau definieren. Denn wo die Welt in anderen Bereichen immer offener wird, beharren Coiffeursalons weiterhin auf Geschlechtertrennung – und den damit einhergehenden Preisunterschieden.

Woran liegts?

Oft wird sich zur Erklärung auf die «meist längeren Haare» oder die «komplizierteren Schnitte» berufen, die weibliche Kundinnen fordern würden. Dabei sind Frauen mit Kurzhaarschnitten längst keine Seltenheit mehr und immer mehr Männer tragen ihre Mähne lang. Und – Überraschung – es gibt sogar welche mit einem Frisurwunsch, der mehr beinhaltet als «einfach alles ab».

«Grundsätzlich sind die Coiffeurgeschäfte in der Gestaltung ihrer Preise frei und der Verband gibt keine Richtlinien heraus», heisst es bei ​​Coiffure Suisse, dem Verband Schweizer Coiffeurgeschäfte, auf Nachfrage. Aber auch: «Es gibt eine Reihe von Kosten-Argumenten, mit denen sich der höhere Preis begründen lässt, zum Beispiel die Infrastruktur (teure Geräte, höhere Produkte- und Lagerkosten), höhere Investitionen in die Weiterbildung (Brautfrisuren, Haarverlängerungen, neue Farbtechniken wie Balayage,…), etc. Männer wollen sich in der Regel einfach die Haare schneiden lassen.» Und wenn eine Frau einen Schnitt möchte, den ein Mann genauso tragen könnte? «Von uns gibt es keine Empfehlung. Coiffeusen und Coiffeure sind freie Unternehmer. Ob man zu einem eher teuren oder eher günstigen Salon geht, ist ebenso eine freie Entscheidung.» Ein Schelm, wer denkt, dass man hier der Frage ausweichen wollte.

Umdenken nach Aufwand

Dass es auch anders geht, machen unsere Nachbarn vor: In Österreich empfiehlt die Gleichstellunganwaltschaft, Preise nach Aufwand statt nach Geschlecht zu berechnen. In verschiedenen Bundesländern geben seit der Empfehlung auch die Friseurverbände genderneutrale Preislisten heraus, die zur freiwilligen Selbstverpflichtung anregen sollen.

Haare sind Haare – egal auf welchem Kopf sie wachsen

Marc Menden, Inhaber Mad Hairstyling

Auch bei uns gibt es Vorreiter für genderless Pricing, also einem Preissystem, das keine Unterschiede bei Geschlechtern macht: Marc Menden ist Inhaber des Zürcher Coiffeursalons Mad Hairstyling. Bei der Buchung wählt man zwischen kurzem oder langem Service statt nach Geschlecht.

«Wir machen da keinen Unterschied. Der Preis richtet sich danach, was gemacht wird, nicht bei wem. Auch Produkte mit Pink Tax (Anm. d. Red.: Der Mehrpreis bei speziell für Frauen angebotenen Produkten, wie pastellfarbenen Rasierern) nehmen wir nicht in unser Sortiment auf. Männer benötigen kein anderes Wachs oder Shampoo als Frauen.»

Ein Haarschnitt braucht kein Geschlecht

Sein Berufskollege Simone Rigliaco ist Geschäftsinhaber im Zürcher Salon Liquid. Auch hier wird dem Aufwand entsprechend berechnet. «Uns ist Gleichberechtigung enorm wichtig, darum ist unser Preissystem genderneutral», erklärt Rigliaco. Coiffeur Suisse vermutet hinter dem System andere Ziele. Es heisst: «Coiffeurgeschäfte, die sich entschieden haben, ihre Dienstleistung zu Unisex-Preisen anzubieten, haben eher die Preise für Herren erhöht, als dass sie sie für Damen gesenkt haben.»

Der Liquid-Inhaber sieht das anders: «Mit unserem System setzen wir uns für die LGBTQ-Community ein. Nonbinäre Personen werden andernfalls oft übergangen. Gehen sie in einen Salon, müssen sie sich selbst einem Geschlecht zuordnen oder werden vom Stylisten oder der Stylistin eingeteilt. Mit unserem System bieten wir ihnen einen Safe Space. Ein Haarschnitt braucht kein Geschlecht.»

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