Aktualisiert 13.11.2007 19:28

Warum zahlen Schweizer Kinogänger fast das Doppelte?

Die Schweizer Kinoeintrittspreise sind im Vergleich zum Ausland deutlich höher. An breiteren Sesseln und Synchronfassungen kann es nicht liegen, findet der Preisüberwacher und fordert eine deutliche Reduktion.

Der Preisüberwacher hat in einer Analyse festgestellt, dass die Kinotarife 45 bis 80 Prozent höher sind als im benachbarten Ausland. Preisüberwacher Rudolph Strahm kommt auf Grund einer Untersuchung zum Schluss, dass ein Preissenkungsspielraum von bis zu zwei Franken vorhanden ist. Er hat die Filmverleiher aufgefordert, ihre Verleihsätze zu reduzieren.

Preisüberwacher Rudolf Strahm hat auf Grund von Preisbeschwerden aus dem Publikum den Kinomarkt in der Schweiz untersucht. Mit durchschnittlich rund 15 Franken pro Eintritt zahlen die Schweizer Kinobesucher rund zwei Drittel mehr als jene in Deutschland oder Frankreich, wo der durchschnittliche Preis sich auf rund neun Franken beläuft, wie Strahm am Dienstag in Bern bekannt gab. Allein den internationalen Verleihfirmen zahlen die Kinobesucher sechs Franken pro Eintritt, was rund 50 Prozent mehr sind als die verrechneten Verleihmieten für identische Filme in Deutschland und Frankreich. Laut der Preisüberwachung lassen sich im Endeffekt rund 80 Rappen bis ein Franken der Verleiheinnahmen pro Besucher nicht durch höhere Kosten in der Schweiz begründen.

Vor diesem Hintergrund hat die Preisüberwachung die Filmverleiher aufgefordert, den Verleihsatz von heute bis zu 50 Prozent soweit zu reduzieren, dass die bestehende Kaufkraftabschöpfung der Schweizer Kinogänger im Vergleich zu Deutschland und Frankreich beseitigt wird. Wenn die grossen Verleihfirmen ihre Verleihsätze um jeweils fünf bis zehn Prozentpunkte senken, werde die Überteuerung in der Schweiz gegenüber dem Ausland in etwa ausgeglichen. Den Kinounternehmen wird gleichzeitig empfohlen, den bestehenden finanziellen Spielraum für Preissenkungen zu nutzen. Konkret heisst dies laut dem Preisüberwacher, dass die Verleihpreissenkungen dann tatsächlich auch weitergegeben werden und die Kinounternehmern dann gleichzeitig den eigenen Billettanteil im gleichen Masse senken. In der Kombination ergebe sich dadurch ein für die Konsumenten spürbarer Preissenkungsspielraum von bis zu zwei Franken pro Eintritt, schreibt der Preisüberwacher.

Einen Preismissbrauch durch die höheren Kino-Publikumspreise festzustellen wäre laut der Preisüberwachung mit grossen Schwierigkeiten verbunden, weil die Schweizer Kinobetreiber zahlreiche, nicht überprüfbare Qualitätsverbesserungen gegenüber dem Ausland geltend machen würden. So werde beispielsweise geltend gemacht, dass der Kinokomfort (Sesselbreite), die Bild- und Tonqualität sowie andere Serviceleistungen nicht mit dem Ausland vergleichbar seien. Die Preisüberwachung weist auch darauf hin, dass in der deutschen Schweiz die Besonderheit besteht, dass ein Teil der marktgängigen Filme nicht synchronisiert übernommen, sondern spezifisch für die Region untertitelt werden. In der Westschweiz und im Tessin dagegen würden die meisten Filme synchronisiert vom Ausland übernommen.

Da die Berechnungsmethode der Verleihgebühren internationaler Usanz entspricht, können die Verleihpreise laut dem Preisüberwacher kaum als missbräuchlich bezeichnet werden. Die Preisüberwachung verzichtet deshalb auf die formelle Eröffnung eines Verfahrens und stellt ihre Abklärungen vorläufig ein, um das Dossier in eine allgemeine Marktbeobachtung überzuführen. Wie die grossen Filmverleihfirmen auf die Forderung der Preisüberwachung reagieren, stand zunächst nicht fest. Sie waren bereits im August über die Ergebnisse der Untersuchung ins Bild gesetzt worden.

Quelle: AP

Hohe Kinopreise: Was heisst das für Sie?

Susanne Hippenmeyer (16), Rubigen

Ich gehe trotz spärlichem Lehrlingslohn einmal pro Monat ins Kino. Aber ich gehe nur in Filme, die mir empfohlen werden. Bei den hohen Eintrittspreisen ist die Verlockung gross, nur noch DVDs zu kaufen.

Fabian Gut (34) Birmensdorf ZH

Die Ticketpreise sind viel zu hoch. Ich gehe gerne und oft ins Kino – aber mit solchen Eintritten kann ich es mir nur einmal pro Monat leisten. Zum Glück gibts beim Zürcher Kino Xenix ein günstiges Saisonabonnement.

Sara Longo (22) Reussbühl LU

Die Kritik des Preisüberwachers halte ich für völlig berechtigt. Ich würde gerne mehr ins Kino gehen, finde aber die Preise zu hoch. Gerade als Studentin muss ich mir immer gut überlegen, ob ich mir ein Billett leisten kann.

Evzal Abazi (19) Pratteln

Die Billettpreise finde ich relativ hoch. Sie wirken sicher auch auf andere abschreckend. Wegen den hohen Preisen gehe ich höchstens einmal pro Monat ins Kino. Wäre es günstiger, würde ich bestimmt öfter gehen.

Stephanie Brändle (20), Engelburg SG

Wenn die Verleiher keinen berechtigten Grund haben, finde ich das fast schon Betrug. Nicht einmal die Kinositze sind bequem. Aber im Ausland ist schliesslich alles billiger – wieso also nicht auch das Kino?

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