Politik in 140 Zeichen: Was Alain Berset vom Papst lernen kann

Aktualisiert

Politik in 140 ZeichenWas Alain Berset vom Papst lernen kann

Mittlerweile sind alle Regierungen Europas auf Twitter. Von den Schweizer Bundesräten zwitschert aber nur einer: Alain Berset. Was Social Media angeht, ist ihm Papst Franziskus Lichtjahre voraus.

von
rey

Barack Obama tut es, Papst Franziskus und auch der Schweizer Bundesrat Alain Berset – sie alle twittern. Der Mikroblogging-Dienst wird für führende Politiker ein immer wichtigeres Kommunikationsinstrument. Bei der Schweizer Landesregierung hält sich die Begeisterung für die 140-Zeichen-Nachrichten aber noch in Grenzen: @alain_berset ist der einzige twitternde Bundesrat.

Dafür hat der Sprecher des Gremiums, André Simonazzi, einen Account. Simonazzi kommuniziert regelmässig in drei nationalen Sprachen: Französisch, Deutsch und Italienisch. Bei internationalen Anlässe twittert er auch auf Englisch. Mit 1.26 Tweets am Tag verhält er sich relativ ruhig und informiert nur über wichtige Ereignisse. Selten postet Simonazzi auch Bilder – wie vom Bundesrats-Reisli vom 4. Juli. Die Person, deren Nachrichten Simonazzi am meisten weiterverbreitet (re-tweetet), ist Bundesrat Berset.

Das EDA twittert nicht

Das zeigt die jährlich erscheinende Studie «Twiplomacy», in der die Kommunikations-Agentur Burson-Marsteller das Twitter-Verhalten von führenden Politikern auf der ganzen Welt analysiert.

Von den Eidgenössischen Departementen sind nur zwei auf Twitter vertreten: Verteidigung, Bevölkerungsschutz und Sport (VBS) sowie Umwelt, Verkehr, Energie und Kommunikation (UVEK). Das Departement für auswärtige Angelegenheiten nutzt Twitter nicht. Das legt nahe, dass Twitter nicht als ein zentraler diplomatischer Kommunikationskanal für die Schweiz betrachtet wird.

Barack Obama folgt nicht zurück

Der meistgefolgte Politiker der Welt ist Barack Obama mit rund 33 Millionen Abonnenten. Zum Vergleich: Bundesrat Berset hat 10'000. Doch obwohl fast ein Drittel aller politischen Führungskräfte dem US-Präsidenten folgen, ist er bei weitem nicht das am besten vernetzte Staatsoberhaupt. @BarackObama folgt lediglich zwei weiteren Präsidenten: Jens Stoltenberg aus Norwegen und Dmitry Medvedev aus Russland.

Papst Franziskus ist mit über 7 Millionen Followern auf seinen insgesamt 9 Accounts auf Platz zwei der Welt-Leader. Obwohl der @Pontifex nicht direkt mit anderen Twitter-Nutzern interagiert, werden insbesondere seine auf Spanisch verfassten Tweets durchschnittlich mehr als 11'000 Mal retweetet, was ihn zum einflussreichsten Leader der Welt auf Twitter macht. Im Vergleich erhalten die Tweets von @BarackObama trotz der überaus zahlreichen Follower durchschnittlich nur 2309 Retweets.

Ist Ugandas Präsident twittersüchtig?

Das kommunikativste Staatsoberhaupt der Welt ist der ugandische Premierminister @AmamaMbabazi: 96 Prozent seiner Tweets bestehen aus Antworten auf andere Twitter-Nutzer. Den zweiten und dritten Platz der kommunikativsten Staatsoberhäupter besetzen der ruandische Präsident @PaulKagame und der schwedische Aussenminister Carl Bildt mit seinem @fragaCarlBildt «Frage Carl Bildt»-Account.

Alle 45 europäischen Regierungen sind inzwischen offiziell bei Twitter vertreten. In Südamerika besitzen alle Länder mit Ausnahme von Surinam eine offizielle Twitter-Präsenz. In Nordamerika, Asien und Afrika haben jeweils 79, 74 und 71 Prozent aller Regierungen einen Twitter-Account. Lediglich ein Drittel (38,4 Prozent) aller Regierungen im pazifischen Raum nutzen diesen Microblogging-Dienst.

«Die Bevölkerung möchte sich bei Twitter mit ihren Führungspersönlichkeiten auseinandersetzen», stellt Matthias Lüfkens, Autor der Burson-Marsteller-Studie fest. «Allerdings verwundert es, dass die Accounts mit der höchsten Anzahl von Followern die geringste Interaktion mit anderen Twitter-Nutzern aufweisen.»

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