2015: Was aus den Flüchtlingen auf den Fotos wurde

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2015Was aus den Flüchtlingen auf den Fotos wurde

Eine Reihe eindrücklicher Momentaufnahmen prägten die Flüchtlingskrise. Wo sind die Menschen auf diesen Bildern heute?

von
cfr

Angst und Perspektivlosigkeit, aber auch Mut und Entschlossenheit zeigen sich in den Bildern, die die Flüchtlingskrise 2015 prägten. Einzelne Schicksale berührten die Menschen weltweit besonders. Drei prägende Fotos und ihre Geschichte:

15. August, 2015: Vater und Tochter auf Kos

Das Bild des bitterlich weinenden Mannes, der mit seiner Tochter auf dem Arm die griechische Insel Kos erreichte, ging im August an die Herzen. BBC hat den Iraker Laith Majid Al-Amirij in Berlin getroffen.

Am 15. August war Al-Amirij mit seiner Frau Neda und seinen zwei Kindern von der Türkei aus nach Griechenland übergesetzt. Al-Amirij erzählt, wie Schmuggler sie auf völlig überfüllte Gummiboote luden und wie sich diese auf der Überfahrt langsam mit Wasser vollsaugten. «Es roch nach Tod. Menschen um mich herum starben, wir drohten zu ertrinken.»

Al-Amirij war aus dem Irak vor Gewalt und Verfolgung geflohen. Als Sunniten hatten der Mechaniker und seine Frau, die als Lehrerin arbeitete, Drohungen erhalten: «Sie wollten meine Kinder entführen und ich habe schon zweimal Lösegeld gezahlt, um meine Kinder zu schützen.»

Jetzt lebt die Familie in Berlin, die zwei Kinder gehen zur Schule. Immer noch erkennen ihn Menschen auf der Strasse. «Ich wünsche mir, dieses Foto nie wieder sehen zu müssen», sagte er zur BBC. «Es bringt das Leiden, das ich, meine Frau und meine Kinder erlebten, zurück.»

8. September, 2015: Vater und Sohn in Ungarn

Auch diese Aufnahmen gingen um die Welt: Eine ungarische Kamerafrau stellt einem syrischen Flüchtling, der seinen Sohn auf dem Arm trägt, ein Bein. Vater und Kind (7) fallen zu Boden. Der Vorfall sorgte international für Empörung.

Die Flucht ging für den Syrer Osama Abdul Mohsen und seinen Sohn Zaid glimpflich aus. Zuerst reisten sie nach München, wo sie den älteren Sohn Mohamed (18) trafen. Vater Mohsen hatte vor seiner Flucht vor drei Jahren aus dem syrischen Deir al-Zor als Fussballtrainer des Erstligisten Al-Fotuwa gearbeitet. Als der Spanier Miguel Ángel Galán, Leiter eines Trainer-Ausbildungszentrums, davon erfuhr, bot er Mohsen einen Job an.

Jetzt lebt Mohsen mit seinen beiden Söhnen Zaid und Mohamed in Spanien. Mohsens Frau und zwei weitere Kinder sitzen noch im türkischen Mersin fest. Der Spanier Galán setzt sich jetzt dafür ein, dass auch sie nach Spanien kommen können.

4. September, 2015: Ein Syrer als Anführer nach Österreich

Hunderte Flüchtlinge liefen Anfang September über die Landstrassen von Ungarn nach Österreich. Ihr Anführer: der Syrer Mohammad Zatareyh. Zusammen mit Tausenden anderen Migranten war er im September am Keleti-Bahnhof in Budapest gestrandet. Dort überzeugte der 26-Jährige über ein Mikrofon etwa 1000 von ihnen, die 180 Kilometer nach Österreich zu laufen.

«Ich sagte ihnen, habt keine Angst. Wir können heute acht Stunden laufen und morgen acht Stunden», so Zatareyh. «Jedes Mal, wenn wir eine Pause brauchen, nehmen wir sie uns.» Er lud Kamerateams ein, den Marsch zu begleiten. «Die Polizei kann uns nichts tun, wenn es im Fernsehen ist.»

Inzwischen lebt Zatareyh in Deutschland und wartet darauf, dass seine Papiere bearbeitet werden. Er habe immer davon geträumt, nach Deutschland zu reisen: «Als Kind wollte ich immer nach Deutschland, weil ich ein bisschen süchtig nach BMWs bin und Mercedes mag. Ich würde mir gern die Fabriken anschauen.»

Dass er den Marsch nach Österreich angeführt hat, macht ihn stolz: «Vielleicht zeige ich die Bilder später meinen Kindern. Ich glaube, sie werden stolz auf mich sein.»

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