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23 Franken pro StundeWas bedeutet der Mindestlohn für Food-Kuriere?

In Zeiten von Corona-bedingten Ausgangsbeschränkungen und geschlossenen Restaurants boomen Food-Kuriere. Nun könnte die Forderung nach einem staatlichen Mindestlohn in Deutschschweizer Kantonen für Wirbel in der Branche sorgen.

von
Steve Last
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In der Corona-Pandemie boomen Food-Kuriere. Sie erfüllen ein Bedürfnis für Gastronomen und Kunden.

In der Corona-Pandemie boomen Food-Kuriere. Sie erfüllen ein Bedürfnis für Gastronomen und Kunden.

REUTERS
In Genf ist der Lieferdienst «Uber eats» aber auf Probleme gestossen: Einerseits muss er seine Kuriere nun anstellen, andererseits muss er ihnen auch einen Mindestlohn zahlen.

In Genf ist der Lieferdienst «Uber eats» aber auf Probleme gestossen: Einerseits muss er seine Kuriere nun anstellen, andererseits muss er ihnen auch einen Mindestlohn zahlen.

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Auch im Kanton Basel-Stadt steht ein Mindestlohn vor dem Durchbruch. Was bedeutet das für die Branche der Food-Kuriere?

Auch im Kanton Basel-Stadt steht ein Mindestlohn vor dem Durchbruch. Was bedeutet das für die Branche der Food-Kuriere?

Kanton BS

Darum gehts

  • Basel-Stadt könnte als erster Deutschweizer Kanton einen Mindestlohn einführen.

  • In der Westschweiz werden in einigen Kantonen bereits staatliche Mindestlöhne bezahlt.

  • Essenslieferdienste sind für Dumpinglöhne bekannt, was bedeutet das für die Boom-Branche?

Neuenburg, Jura und Genf kennen den staatlichen Mindestlohn bereits, im Tessin soll er eingeführt werden. Mit dem Kanton Basel-Stadt würde der insgesamt fünfte, jedoch erste Deutschschweizer Kanton folgen. Für die Gewerkschaften ist es aller höchste Zeit dafür, manche Unternehmen zittern jedoch davor.

Betroffen sind unter anderem Food-Kuriere. Die Branche boomt in der Corona-Krise, wenn Restaurants Personenbeschränkungen auferlegt oder gar ganz geschlossen werden. Die Kuriere erfüllen ein Bedürfnis für Gastronomen und Kunden zugleich. Die Einführung eines Mindestlohns könnte jedoch einschneidende Auswirkungen auf die Essenslieferanten haben.

Outsourcing und reduziertes Angebot bei Uber?

Einer der grossen Player in der Schweiz ist die Uber-Tochter «Uber eats». Ausser im Kanton Genf, wo das Unternehmen dazu verpflichtet wurde, stellt es seine Kuriere an, sondern vermittelt lediglich die Aufträge. Gemäss Uber verdienen die Kuriere «während der Essenszeit durchschnittlich 21 Franken pro Stunde». Laut einer verdeckten Recherche der Sendung «Kassensturz» von SRF sind es nur knapp über 10 Franken.

Die Einführung des Mindestlohns in Genf sowie die Pflicht, das Personal einzustellen, forcierte bei «Uber eats» Veränderungen, wie es auf Anfrage von 20 Minuten heisst. Man habe angefangen, mit anderen Unternehmen zusammen zu arbeiten, die die Kuriere anstellten. Als Nebenwirkung hätten 80 Prozent aller Lieferpartner den Zugang zur App verloren. Der Konzern plant, in den anderen Kantonen weiterhin mit nicht angestellten Kurieren zu arbeiten. Was die Einführung eines Mindestlohns in der Deutschschweiz bedeuten würde, könne man nicht vorhersagen.

Andere Kuriere erfüllen Mindestlohn bereits

Ein weitere Grösse in der Branche der Food-Kuriere ist Eat.ch. Das Unternehmen sieht sich von der Einführung eines kantonalen Mindestlohns nicht tangiert, wie Sprecherin Séverine Götz zu 20 Minuten sagt. Die Kuriere seien bei Drittfirmen angestellt und ihre Löhne seien höher als die Forderung der Initiative.

Zudem arbeite Eat.ch daran, seine Infrastruktur auszubauen und Kurier-Hubs in den Städten aufzubauen. Die Fahrer seien dort angestellt und die Voraussetzungen von Mindestlöhnen seien erfüllt. «Ausserdem bekommen sie in unseren Hubs Ausrüstung und E-Bikes, die von uns gewartet werden, sowie Desinfektions-Utensilien zur Verfügung gestellt», so Götz.

Auch das Westschweizer Startup Smood hält sich nach eigenen Angaben bereits an den Mindestlohn. «In Genf zahlen wir den neuen Mindestlohn an unsere Fahrer seit November 2020», sagt Marketing-Managerin Luise Kull. Man sei der einzige Restaurant-Lieferdienst der Schweiz, der seine Kuriere vertraglich anstelle, so Kull weiter. Man sei stolz darauf, seine Fahrer fair zu behandeln. Das sei auch den Kunden sehr wichtig.

«Sollte es den neuen Mindestlohn auch in anderen Kantonen, wie zum Beispiel in Basel-Stadt geben, werden wir uns selbstverständlich daran halten», so Kull weiter.

Ebenfalls aus dem Schneider wäre in Basel der Kurierdienst Velogourmet. Dessen Angestellte unterstehen dem Gesamtarbeitsvertrag der Velokuriere.

21 statt 23 Franken

Die Initiative «Kein Lohn unter 23.» von Gewerkschaften und SP kam in Basel im März 2019 mit 3973 Unterschriften zustande und wurde im September von der Regierung an das Parlament zur Berichterstattung überwiesen. Gemäss Gegenvorschlag sollen jedoch jene Branchen ausgenommen werden, deren Mindestlöhne bereits durch allgemeinverbindliche Gesamt- oder Normalarbeitsverträge geregelt sind. Die Wirtschaftskommission des Grossen Rates hat sich nun auf einen Betrag von 21 Franken pro Stunde geeinigt und bietet ihn als Gegenvorschlag zu einer Initiative an, die zwei Franken mehr pro Stunde fordert. Das letzte Wort wird das Volk an der Urne haben. Ein Abstimmungstermin ist noch nicht bekannt.

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83 Kommentare
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Frage

15.12.2020, 17:54

Wer zwingt die Leute diese Arbeit zu machen.

Sännemännchen

15.12.2020, 13:12

Wenn die erste Impfung vorbei ist, wird sicher Covid-19 anpassen und die alle Impfungen sind für nix. Danach gibt es die 2.Impfung. etcetcetc. ..... Wir sind alle verloren!!!! Testament bitte nochmals anschauen!!!

Bättler

15.12.2020, 12:32

Ich verdiene schon mehr!