BA.2 – Was bedeutet der neue Omikron-Subtyp für die Schweiz?
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BA.2Was bedeutet der neue Omikron-Subtyp für die Schweiz?

Die Variante BA.2 der Omikron-Familie des Coronavirus breitet sich in einigen Ländern rasant aus. Auch in der Schweiz könnte es bald soweit sein.

von
Jean-Claude Gerber
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In Dänemark ist der Subtyp BA.2 der Omikron-Familie des Coronavirus bereits dominant.

In Dänemark ist der Subtyp BA.2 der Omikron-Familie des Coronavirus bereits dominant.

Reuters
Doch trotz noch tiefer Fallzahlen wird die Variante BA.2 vermutlich auch hierzulande die Variante BA.1 verdrängen und zur dominanten Variante werden.

Doch trotz noch tiefer Fallzahlen wird die Variante BA.2 vermutlich auch hierzulande die Variante BA.1 verdrängen und zur dominanten Variante werden.

20min/Celia Nogler
Denn BA.2 ist ansteckender als BA.1, sagt Richard Neher, Biophysiker an der Universität Basel.

Denn BA.2 ist ansteckender als BA.1, sagt Richard Neher, Biophysiker an der Universität Basel.

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Darum gehts

  • In Dänemark, Indien und den Philippinen ist der Omikron-Subtyp BA.2 die dominierende Variante.

  • Hierzulande gibt es erst wenige Fälle. BA.2 dürfte aber auch in der Schweiz BA.1 verdrängen.

  • Erfahrungen aus Dänemark legen nahe, dass der Subtyp nicht zu mehr Spitaleinweisungen führt.

  • Die Impfung dürfte auch bei BA.2 vor schweren Verläufen schützen.

Während die Omikron-Variante BA.1 das Infektionsgeschehen in der Schweiz dominiert, ist der Subtyp BA.2 hierzulande noch nicht richtig angekommen. In Dänemark präsentiert sich ein markant anderes Bild: Dort ist BA.2 inzwischen die dominante Variante des Coronavirus, wie das dänische Statens Serum Insitut vor einigen Tagen mitteilte. Auch in Indien und den Philippinen beträgt die Häufigkeit der Variante BA.2 unter den sequenzierten Fällen bereits über 50 Prozent.

In der Schweiz wurde dagegen seit Mitte Dezember 2021 erst in 18 sequenzierten Fällen eine Infektion mit BA.2 nachgewiesen. Im gleichen Zeitraum waren es bei BA.1 3940. Wie viele Fälle tatsächlich auf den neuen Subtyp zurückzuführen sind, ist schwieriger zu beurteilen als beim Subtyp BA.1. Denn PCR-Tests können BA.2 wegen eines fehlenden Spike-Proteins nicht von Delta unterscheiden, wie die Schweizer Covid-19-Taskforce schreibt. Bei BA.1 ist dagegen nach einem PCR-Test klar, dass es sich nicht um Delta, sondern um Omikron handelt. BA.2 wird deshalb auch als «Tarnkappen-Variante» bezeichnet.

BA.2 kommt, aber wann?

Doch trotz noch tiefer Fallzahlen werde die Variante BA.2 vermutlich auch hierzulande die Variante BA.1 verdrängen und zur dominanten Variante werden, sagt Richard Neher, Biophysiker an der Universität Basel. Denn die Variante BA.2 ist ansteckender, so der Taskforce-Experte. «Aber auf welche der zahlreichen Unterschiede diese erhöhte Übertragung zurückzuführen ist, wissen wir im Moment nicht.» Wie lange es dauern wird, bis BA.2 in der Schweiz BA.1 verdrängt, kann noch nicht gesagt werden. Dafür ist es laut Neher noch zu früh.

Grundsätzlich ist es schwierig zu erklären, weshalb sich BA.2 in Ländern wie Dänemark oder Indien, so schnell durchsetzen konnte, während in anderen Ländern wie den USA, wo der Subtyp ebenfalls vorkommt, nach wie vor BA.1 dominiert. Neher sagt dazu: «Sowohl BA.1 und BA.2 breiten sich rasch aus. Bei solchen schnell wachsenden Ausbrüchen sind zufällige Ereignisse zu Beginn des Ausbruchs sehr folgenschwer.» So könne zum Beispiel ein frühes Super-Spreading-Ereignis dazu führen, dass eine bestimmte Variante in einem Land um vieles häufiger vorkomme als anderswo.

Impfung dürfte vor schweren Verläufen schützen

Ebenfalls noch nicht abschliessend beantwortet werden kann die Frage, ob BA.2 zu schwereren Verläufen führt. Erfahrungen aus Dänemark, wo BA.2 bereits sehr häufig ist, geben aber Anlass zu verhaltenem Optimismus. «Meines Wissens wurden von dort noch keine dramatischen Unterschiede berichtet», erklärt Neher. Tatsächlich berichtet das dänische Statens Serum Institut, dass erste Analysen keine Unterschiede ergeben hätten, was die Anzahl der notwendigen Spitaleinweisungen betrifft. Dänemark will denn auch alle Corona-Massnahmen abschaffen – trotz BA.2-Welle. England, wo BA.2 ebenfalls stark auf dem Vormarsch ist, hat diesen Schritt bereits vollzogen.

Wenig Bedenken gibt es, was die Impfwirkung betrifft. Laut dem Schweizerischen Heilmittelinstitut Swissmedic, ist davon auszugehen, dass die Impfstoffe auch gegen schwere Erkrankungen bei einer BA.2-Infektion wirken. Allerdings fehlten zurzeit genügend klinische Daten, um die Frage abschliessend zu beantworten, sagt Swissmedic-Sprecher Alex Josty. Experten gehen zudem davon aus, dass eine Infektion mit BA.1 zumindest eine gewisse Zeit vor einer Neuinfektion mit dem Subtyp BA.2 schützt. Richard Neher schränkt jedoch ein, dass es keinen 100-prozentigen Schutz gibt und verweist auch hier darauf, dass es auch hierzu noch keine direkten Daten gebe.

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