G7-Beschluss - Was bedeutet die Mindeststeuer für Unternehmen in der Schweiz?
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G7-BeschlussWas bedeutet die Mindeststeuer für Unternehmen in der Schweiz?

Die Finanzministerinnen und -minister der sieben führenden Industrienationen (G7) haben sich auf das Ziel einer globalen Mindeststeuer von 15 Prozent für Unternehmen verständigt. Das dürfte auch Folgen für die Schweiz haben.

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Das Treffen der G7-Staaten in London dauerte zwei Tage.

Das Treffen der G7-Staaten in London dauerte zwei Tage.

REUTERS

Der durchschnittliche Gewinnsteuersatz für Unternehmen in der Schweiz liegt derzeit knapp unter dem von Amerika geforderten Mindestsatz von 15 Prozent. Dies geht aus dem jüngsten Bericht «Clarity on Swiss Taxes» des Beratungsunternehmens KPMG hervor. Betroffen wären 18 Kantone. Im Kanton Zug etwa liegt der durchschnittliche Gewinnsteuersatz für Unternehmen bei 11,9 Prozent. Heisst, ein Mindeststeuersatz für grosse Unternehmen würde Anpassungen erfordern. Kantone müssten von internationalen Konzernen höhere Steuern verlangen.

Sollten Firmen dann trotzdem noch tiefer als mit diesen 15 Prozent besteuert werden, würden Tochter- oder Muttergesellschaften in anderen Ländern entsprechend höher belastet, wie die Zeitungen der Tamedia (Bezahlartikel) schreiben. Weil betroffene Unternehmen somit das hier eingesparte Geld anderen Ländern abliefern müssten, würde das zulasten von Steuereinnahmen in der Schweiz gehen.

Wandern Firmen ab?

Finanzminister und Bundesrat Ueli Maurer meinte kürzlich an einer Pressekonferenz, dass es wenige Anpassungen bräuchte, wenn man beispielsweise jene Abgaben für den CO2-Verbrauch dazurechne. Dass dies jedoch geht, bezweifelt der Steuerexperte Stefan Kuhn von KPMG.

Bleibt abzuwarten, wie betroffene Firmen reagieren. Bei einer Abwanderung würden Steuereinnahmen wegfallen. Doch der Steuersatz alleine ist für viele Unternehmen nicht der ausschlaggebende Faktor, wie die Tamedia-Zeitungen weiter schreiben. Daher sei eine Abwanderung nicht sehr wahrscheinlich.

Auch eine Digitalsteuer geplant

Die G7 wollen es den Finanzbehörden auch ermöglichen, die Gewinne eines multinationalen Unternehmens mit Hauptsitz im Ausland zu besteuern. Im Fokus liegen hier vor allem digitale Dienstleistungen von Technologiekonzernen wie Google oder Amazon.

«Da wird die Schweiz sicher mitmachen müssen»

Auf den Entscheid reagierten am Samstagnachmittag bereits die Zürcher Politikerin Kathy Riklin sowie Grünen-Nationalrätin Regula Rytz via Twitter.

Die Finanzministerinnen und -minister der sieben führenden Industrienationen (G7) hatten sich am Samstag auf das Ziel einer globalen Mindeststeuer von 15 Prozent für Unternehmen verständigt. Dies geht aus einer Abschlusserklärung des zweitägigen Ministertreffens in London hervor. Zur G7 zählen Deutschland, Frankreich, Grossbritannien, USA, Italien, Japan und Kanada.

Das letzte Wort hat die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD), bei der auch die Schweiz Mitglied ist. Sie wird sich als nächstes mit dem Thema befassen. Ein Entscheid wird frühestens im Sommer erwartet.

Hier sind die Steuern tief

Länder, die laut OECD-Daten deutlich weniger als 15 Prozent Steuern erheben, sind Steueroasen wie die Kanalinseln Jersey und Guernsey, die Bahamas oder die Vereinigten Arabischen Emirate. In Europa hat Irland einen Satz von 12,5 Prozent, Bulgarien liegt bei zehn Prozent und Ungarn bei neun Prozent. Länder wie Luxemburg und Malta haben zwar hohe nominale Steuersätze, aber räumen Unternehmen bedeutende Ausnahmeregelungen ein.

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(dmo)

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