US-Wahlen: Was bedeutet ein Clinton-Sieg für die Schweiz?
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US-WahlenWas bedeutet ein Clinton-Sieg für die Schweiz?

Flüchtlinge und freier Handel: Was bedeutet es für die Schweiz, wenn Hillary Clinton Präsidentin wird? Eine Übersicht.

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D. Pomper und K. Wolfensberger

Sehen Sie im Video, wie US-Präsident Brack Obama gegen Donald Trump schiesst (Quelle: Tamedia Web-Video).

Das dritte TV-Duell zwischen Hillary Clinton und Donald Trump ist vorbei. Die Chancen stehen gut, dass die USA erstmals eine Präsidentin erhalten werden. Was würde dies für die Schweiz bedeuten?

• Die Beziehung Schweiz – USA

Hillary Clintons politische Handlungen sind vorhersehbarer und berechenbarer als diejenigen von Donald Trump. «Das wäre für die Beziehungen der Schweiz und Europa mit den USA sicher besser», sagt Politologe und Politberater Louis Perron. Wobei die Schweiz für die USA allerdings ein «eher unwichtiger» Staat sei.

• Die amerikanische Aussenpolitik

Hillary Clinton hat angekündigt, als Präsidentin den US-Einfluss in Syrien und Libyen erheblich zu erhöhen. Davon würde laut Perron auch die Schweiz profitieren: «Clinton würde Europa mit dem politischen Brandherd nicht allein lassen.» Ausserdem hat Clinton angekündigt, dass die USA mehr syrische Flüchtlinge aufnehmen würden.

• Die Handelspolitik

«Hillary Clinton ist traditionell für den Freihandel und gegen Protektionismus», sagt Louis Perron. Allerdings habe sie sich auf Druck ihres früheren Rivalen Bernie Sanders während des Wahlkampfs kritisch dazu geäussert. Dennoch biete die liberale Agenda Clintons bessere Chancen für das Freihandelsabkommen TTIP zwischen den USA und Europa als diejenige von Trump. Auch Martin Naville, Direktor der Schweizerisch-Amerikanischen Handelskammer, ist zuversichtlich: «Clinton ist sich bewusst, dass eine liberale Handelspolitik Stellen und Reichtum schafft, und nicht, wenn man die Grenzen für den Handel dichtmacht», so Naville zu Swissinfo.ch.

Im Video der Agentur Reuters bewertet Experte Volker Treier die Handelspolitik der Kandidaten Trump und Clinton.

Wahlkampfzone Wirtschaft - Trump, Clinton und der Welthandel

Die deutsche Wirtschaft befürchtet eine zunehmende Abschottung der USA nicht nur im Falle einer Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten, sondern auch unter Hillary Clinton.

• Die Börse und der Schweizer Franken

Für die Aktienmärkte ist es laut einer Studie von S&P Capital IQ gut, wenn der Präsident Demokrat ist. In dieser wurde der Präsidentschaftszyklus an den US-Börsen seit 1945 untersucht. Resultat: Der amerikanische Leitindex S&P 500 wuchs unter demokratischen Präsidenten im Schnitt jährlich um 9,7 Prozent. Unter Republikanern ging es nur 6,7 Prozent vorwärts. Gut wäre eine Wahl von Clinton auch, weil sie kaum mit Unsicherheit verbunden ist. Das würde verhindern, dass der Schweizer Franken als Fluchtwährung an Beliebtheit gewinnt. Der Franken würde sich entsprechend nicht aufwerten, was gut für die Schweizer Exportwirtschaft und den Tourismus wäre.

• Die Schweizer Banken

Hillary Clinton wird eine grosse Nähe zur Wall Street nachgesagt. Von der Enthüllungsplattform Wikileaks veröffentlichte Clinton-Reden beweisen, wie freundschaftlich das Verhältnis der Kandidatin zu den Banken einst war. In Clintons Vorwahlkampf klang es – aufgrund des Drucks von Bernie Sanders – plötzlich ganz anders. Keine Bank sei «Too big to fail» und «kein Boss zu mächtig, um nicht ins Gefängnis zu gehen», so Clinton. Dass sie sich nach den Wahlen an diese Aussagen erinnert, ist aber eher unwahrscheinlich. Dafür sprechen zum Beispiel die Wahlkampf-Spenden, die Clinton von Banken – darunter auch der UBS – erhalten hat.

• Die Pharmaunternehmen

Auch in der Schweiz sorgen die US-Wahlen bei gewissen Unternehmen für Nervosität. Eine Branche, die besonders gespannt auf die US-Wahlen schaut, ist die Pharmaindustrie und damit Unternehmen wie Roche und Novartis. Sie dürften an einer Präsidentin Clinton nur wenig Freude haben. Grund: Clinton soll gewillt sein, tiefere Medikamentenpreise anzuordnen, was die Profite der Branche und damit auch der beiden Schweizer Firmen im wichtigen US-Markt schmälern dürfte.

Beschränkte Macht

Ob Clinton ihre Pläne im Präsidentenamt wirklich umsetzen könnte, ist unklar. Weshalb, zeigt sich derzeit exemplarisch bei Präsident Barack Obama. Als Demokrat steht er einem republikanisch dominierten Parlament gegenüber. Dies schränkt seine Macht erheblich ein und macht ihn zur sogenannten «lame duck» (deutsch: lahme Ente). Wird Clinton Präsidentin und bleiben die Verhältnisse im Parlament gleich, so bestünde diese Patt-Situation fort. KWO

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