Vorsorge: Was bringt Ihnen der Vorsorgeausweis?
Aktualisiert

VorsorgeWas bringt Ihnen der Vorsorgeausweis?

Im Frühling werden die Vorsorgeausweise der Pensionskassen verschickt. Kaum jemand versteht den Zahlensalat. 20 Minuten verrät, wie man das Papier entschlüsselt.

von
C. Landolt

Fast alle Angestellten erhalten im März ihren Vorsorgeausweis. Bei nicht wenigen landet das Papier in der Schublade. Kein Wunder, denn «es ist schwierig, bei dieser Menge an Zahlen durchzublicken», sagt Albert Steck, Vorsorgeexperte bei der Migros Bank. Es lohne sich aber, über den Vorsorgeausweis Bescheid zu wissen. «Denn der grösste Teil unseres Vermögens steckt in der Pensionskasse.»

Am Beispiel eines fiktiven Vorsorgeausweises erklärt 20 Minuten, was Jahreslohn, Altersguthaben und Deckungsgrad bedeuten.

• Grunddaten in CHF

Jahreslohn 78'105

BVG-Lohn 53'430

Beschäftigungsgrad 100 %

Der AHV-Jahreslohn, den der Arbeitgeber der Pensionskasse (PK) meldet, sollte Ihrem effektiven Jahreslohn entsprechen, also dem Bruttolohn gemäss Lohnausweis inklusive 13. Monatslohn, Überstunden und Zulagen. In unserem Beispiel sind es 78'105 Franken. Den BVG- Lohn berechnet die PK, indem sie vom gemeldeten AHV-Jahreslohn den BVG-Koordinationsabzug abzieht (derzeit 24'675 Franken). Dieser Betrag entspricht sieben Achtel der maximalen Rente von 28'200 Franken.

• Stand Sparkapital per 1.2.2015: CHF 50'942

Das Sparkapital umfasst alle vom Arbeitnehmer und Arbeitgeber einbezahlten Beiträge inklusive Zins. Es bedeutet das Guthaben, das Sie bis Ende des letzten Jahres in Ihrer Pensionskasse angespart haben. Man kann es zusätzlich in einen obligatorischen und einen überobligatorischen Teil aufgliedern. Der erste Teil basiert auf den Beiträgen im Rahmen des BVG-Obligatoriums bis zum maximalen BVG-Lohn. Ist der Lohn höher als 59'925 Franken, wandert das Geld in den überobligatorischen Topf, welcher je nach Pensionskasse niedriger verzinst wird und also eine geringere Rendite als vom BVG vorgeschrieben aufweist.

• Jährlicher Sparbeitrag: CHF 5343

Der jährliche Sparbeitrag ist abhängig vom Alter des Arbeitnehmers: Ab 25 Jahren beträgt er 7 Prozent des versicherten Lohns, ab 35 sind es 10 Prozent, ab 45 Jahren steigt der Beitrag auf 15 Prozent und ab 55 auf 18 Prozent. Davon muss der Arbeitgeber mindestens die Hälfte übernehmen. Etliche Firmen bezahlen aber freiwillig mehr.

• Jahresbetrag für Risikoversicherung, Kosten und Sicherheitsfonds: CHF 1514

Der Risikobeitrag unterscheidet sich je nach Pensionskasse. In der Regel beträgt er etwa 3 Prozent des Lohns. Aus diesem Beitrag wird eine allfällige Invalidenrente sowie im Todesfall eine Ehegattenrente oder Waisenrente finanziert.

• Voraussichtliches Altersguthaben mit 65 inkl. 1,75 % Zins: CHF 301'677

Das voraussichtliche Altersguthaben insgesamt bei der Pensionierung entspricht einer hypothetischen Hochrechnung inklusive Zins. Dabei wird angenommen, dass der aktuelle Lohn gleich bleibt und Sie immer gleich viel arbeiten.

In unserem Beispiel entspricht die Verzinsung dem aktuellen BVG-Mindestzinssatz von 1,75 Prozent.

• Voraussichtliche jährliche Altersrente: CHF 20'514

Zur Berechnung dieser Altersrente multipliziert man das Altersguthaben mit dem sogenannten Umwandlungssatz. In diesem Beispiel haben wir den aktuellen BVG-Satz von 6,8 Prozent verwendet. Tritt die Rentenreform 2020 in Kraft, würde dieselbe Altersrente auf 18'100 Franken sinken.

• Jährliche Invalidenrente bei Krankheit:CHF 31'200

• Jährliche Ehegattenrente: CHF 9329

Zu den wichtigsten weiteren Angaben auf dem Vorsorgeausweis gehört der erlaubte Vorbezug für den Kauf von Wohneigentum. Von Bedeutung ist zudem der maximale Betrag für einen freiwilligen Einkauf in die Pensionskasse. Ein solcher Einkauf erhöht die Altersrente und lässt sich zudem vom steuerbaren Einkommen abziehen.

Herr Steck, lohnt sich ein Einkauf in die Pensionskasse überhaupt? Albert Steck*: Ich empfehle das in jüngeren Jahren nicht. Viel besser ist die 3. Säule. Man muss auch nicht unbedingt den Maximalbetrag von aktuell 6768 Franken einzahlen, auch ein kleinerer Betrag reicht. Wichtig ist nämlich: Eine verpasste Einzahlung kann man später nicht mehr nachholen. Steuerlich ist es deshalb vorteilhafter, man zahlt regelmässig einen kleinen Betrag ein, statt mehrere Jahre nichts und dann das Maximum.

Herr Steck, lohnt sich ein Einkauf in die Pensionskasse überhaupt? Albert Steck*: Ich empfehle das in jüngeren Jahren nicht. Viel besser ist die 3. Säule. Man muss auch nicht unbedingt den Maximalbetrag von aktuell 6768 Franken einzahlen, auch ein kleinerer Betrag reicht. Wichtig ist nämlich: Eine verpasste Einzahlung kann man später nicht mehr nachholen. Steuerlich ist es deshalb vorteilhafter, man zahlt regelmässig einen kleinen Betrag ein, statt mehrere Jahre nichts und dann das Maximum.

Ist mein Geld bei der Pensionskasse noch sicher?

Man sollte beim Einkauf in die Pensionskasse beachten, wie solid diese finanziell aufgestellt ist. Die wichtigste Kennzahl ist hier der Deckungsgrad, welcher aktuell deutlich über 100 Prozent liegen sollte. Der aktuelle Durchschnitt der Schweizer Pensionskassen liegt hier bei etwa 115 Prozent.

Was bedeutet die Sperrfrist beim Einkauf in die Pensionskasse?

Man kann auch mit 55 oder sogar kurz vor der Pensionierung Geld einzahlen. In diesem Alter verdient man meist mehr und verfügt über entsprechende flüssige Mittel. Allerdings gibt es eine Sperrfrist: Die zeitliche Bandbreite reicht dabei von drei Jahren bis kurz vor der ordentlichen Pensionierung. Vom Gesetzgeber her gibt es zusätzlich die Einschränkung, dass der Betrag aus dem Einkauf während drei Jahren nicht als Kapitalbezug wieder aus der Pensionskasse herausgenommen werden kann.

*Albert Steck ist bei der Migros Bank für Markt- und Produktanalysen zuständig

Deine Meinung