Aktualisiert 19.02.2019 11:00

Sternekoch Kiko Moya

«Was ‹Chef's Table› zeigt, ist nicht die Realität»

An der Berlinale stellte der Starkoch Kiko Moya einen Dokfilm über sein Schaffen vor und sparte nicht mit Kritik an Koch-Serien.

von
Lucien Esseiva
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Kiko Moya (40) gehört zu den 25 besten Köchen Spaniens und Portugals. Zusammen mit seinem Cousin Alberto Redaro führt er das Restaurant L'Escaleta (zwei «Michelin»-Sterne) in Cocentaina, Alicante, in zweiter Generation.

Kiko Moya (40) gehört zu den 25 besten Köchen Spaniens und Portugals. Zusammen mit seinem Cousin Alberto Redaro führt er das Restaurant L'Escaleta (zwei «Michelin»-Sterne) in Cocentaina, Alicante, in zweiter Generation.

Mariano Herrera
An der Berlinale stellt Kiko Moya im Rahmen des Kulinarischen Kinos seinen Dokumentarfilm «Y En Cada Lenteja Un Dios» vor. Der Film ist erfreulich anders. Er zeigt nämlich keine Hochglanzbilder aus der Küche eines Starkochs, sondern beleuchtet Aspekte wie Familie, Tradition oder die Vereinbarkeit von Privatleben und dem Beruf als Sternekoch.

An der Berlinale stellt Kiko Moya im Rahmen des Kulinarischen Kinos seinen Dokumentarfilm «Y En Cada Lenteja Un Dios» vor. Der Film ist erfreulich anders. Er zeigt nämlich keine Hochglanzbilder aus der Küche eines Starkochs, sondern beleuchtet Aspekte wie Familie, Tradition oder die Vereinbarkeit von Privatleben und dem Beruf als Sternekoch.

Mariano Herrera
Das Drehbuch schrieb Kikos jüngerer Bruder Luis (im Bild), der sein Heimatdorf Cocentaina verliess, um in Madrid zu studieren. Im Film kehrt er nach längerer Zeit ins Familienrestaurant L'Escaleta zurück, unter anderem auch, um seine Familiengeschichte aufzuarbeiten.

Das Drehbuch schrieb Kikos jüngerer Bruder Luis (im Bild), der sein Heimatdorf Cocentaina verliess, um in Madrid zu studieren. Im Film kehrt er nach längerer Zeit ins Familienrestaurant L'Escaleta zurück, unter anderem auch, um seine Familiengeschichte aufzuarbeiten.

Luis Moya & Luis de Oza

Kiko Moya, der Dokumentarfilm «Y En Cada Lenteja Un Dios» über Sie gewährt intime Einblicke in Ihr Leben als Küchenchef, als Familienvater und Privatperson. Wie viel Überzeugungsarbeit musste Ihr Bruder leisten, bis Sie zusagten?

Viel! Aber besonders am Konzept haben wir lange getüftelt, weil wir nicht eine weitere Hochglanzdokumentation über einen Küchenchef à la «Chef's Table» machen wollten. Schöne Bilder von duftenden Kräutern und glänzendem Gemüse ist ja gut und recht, für mich zeigt das aber nicht die Realität im Leben eines Kochs. Mein Alltag sieht anders aus und den wollten wir ungeschminkt im Film dokumentieren.

Wie genau?

In Serien wie «Chef's Table» werden Köche zu allmächtigen Helden stilisiert. Schaut man sich solche Filme an, so könnte man den Eindruck gewinnen, dass Köche Götter sind. Wir wollten zeigen, dass auch ich als Koch mit zwei «Michelin»-Sternen ein ganz normaler Mensch bin. Dass ich ein ganz normales Leben führe.

Sie sagen: «Mir ist die Familie wichtiger, als ein dritter ‹Michelin›-Stern». Ist das wirklich so?

Natürlich wäre es toll, einen dritten Stern zu bekommen. Mir ist aber wichtig, dass es das ganze Team und auch meine Familie will. Nicht nur ich. Einen solchen Erfolg kann man nur gemeinsam erreichen.

Was tun Sie für den dritten Stern?

Wenn die Tester von «Michelin» finden, dass wir mit unserer Küche einen dritten Stern verdienen, dann würde mich das freuen. Aber ich werde mich nicht verbiegen und auch nicht meine Küche oder mein Restaurant verändern oder anpassen, nur um dieses Ziel zu erreichen. Entweder L'Escaleta ist des dritten Sterns würdig oder eben nicht.

Schon Ihr Vater war Koch und hat für das L'Escaleta einen «Michelin»-Stern geholt. War es für Sie immer klar, dass Sie in seine Fussstapfen treten wollen?

Mich haben vor allem kreative Prozesse interessiert und die finden nun mal in der Küche statt. Das ist es auch, was mich heute noch fasziniert, gar nicht so sehr das Kochen. Ganz im Gegensatz zu meinem Head-Chef Vicente Pavia. Der kocht leidenschaftlich den ganzen Tag. Wie ein Verrückter.

Sie haben einen Sohn und eine Tochter. Sähen Sie es gern, wenn Ihre Kinder eines Tages das Restaurant übernehmen würden?

Als ich jung war und im Club ein hübsches Mädchen traf und sagte, dass ich Koch bin, rümpften die meisten die Nase. Sie wollten lieber einen Architekten oder einen Arzt daten. Aber doch keinen Koch! Das hat sich heute total geändert. Koch zu sein, ist cool, der Job öffnet mehr Türen, als er verschliesst. Wollen meine Kinder eines Tages Koch sein: okay. Wenn nicht: auch in Ordnung.

Haben Sie Vorbilder unter den Köchen?

Vor ein paar Jahren habe ich die Roca-Familie (El Celler de Can Roca) kennengelernt. Wunderbare Menschen. Das ist mir fast wichtiger, als ein grossartiger Koch zu sein. Ist ein Koch ein Idiot, dann interessiert mich auch seine Küche nicht.

Wenn Sie ins Restaurant gehen – vergleichen Sie das Essen mit Ihren eigenen Kochkünsten?

Immer! Aber nicht, wenn ich in Sterne-Restaurants gehe. Dort kann ich gut entspannen, weil ich weiss, dass alles auf höchstem Niveau abläuft. Bei Street-Food denke ich manchmal: Wow, wieso habe ich nie an diese Zutat oder Zubereitung gedacht?

Was ist Ihr Lieblingsessen?

Mein Problem ist, dass ich einfach alles mag. Gestern habe ich mich in Berlin mit Currywurst vollgestopft und es war grossartig!

Der Trailer zu «Y En Cada Lenteja Un Dios»

Der Dokumentarfilm «Y En Cada Lenteja Un Dios» ist ein erfrischend anderer Dokumentarfilm über einen Sternekoch in seinem Restaurant. Kiko Moya (2 «Michelin»-Sterne) wird im Film nicht als Gott am Herd seines Restaurants L'Escaleta in Cocentaina, Alicante, gezeigt, sondern als liebender Familienvater, grübelnder Mensch und interessierter Zeitgenosse. Das Drehbuch schrieb sein jüngerer Bruder Luis, der sein Heimatdorf verliess, um in Madrid zu studieren. Darum stellt «Y En Cada Lenteja Un Dios» auch Fragen zu Familie, Tradition, Verpflichtungen und der Balance zwischen Beruf und Privatleben.

«Y En Cada Lenteja Un Dios» feierte an der Berlinale im Rahmen des Kulinarischen Kinos internationale Premiere.

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