Aktualisiert 23.09.2015 08:22

Ausstellung in Zürich

Was das Smartphone mit der Bibel zu tun hat

Ein Selfie mit Jesus oder Moses, dem vor Schreck das Handy aus der Hand fällt – mit solchen Bildern setzt sich der Zürcher Fotograf Nico Aebi in seiner neuen Ausstellung auseinander.

von
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Der Zürcher Fotograf Nico Aebi hat sich in seiner ersten Ausstellung «My smartphone is my bible» an ungewöhnliche Motive herangewagt. Bei ihm stellt der Gegensatz zwischen Alt und Neu, zwischen Spirituellem und Weltlichem den Kern seiner Werke dar.

«Mir ist aufgefallen, welchen beinahe religiösen Stellenwert das Handy mittlerweile in unserer Gesellschaft einnimmt», sagt Aebi. Besonders bei der Beobachtung von Familien in Restaurants fühlt er sich befremdet, wenn alle auf ihre glimmenden Bildschirme starren, anstatt miteinander ein Gespräch zu führen.

Handys in der Antike

Wobei Aebi gleich selber zugibt: «Ich merke ja auch, dass ich öfters aufs Handy schaue, als mit Menschen spreche. Das ist unheimlich.» Mit diesen Beobachtungen kam ihm schliesslich die Idee zu seiner Ausstellung. «Ich fragte mich, wie es wohl ausgesehen hätte, wenn Smartphones schon in der Antike existiert hätten», sagt Aebi.

So entstand das Abendmahl von Leonardo DaVinci, in welchem Judas anstelle des verräterischen Geldbeutels ein Mobiltelefon in der Hand hält. Oder die verführende Frucht im Korb des Mädchens in Peter Paul Rubens Gemälde «Satyr und Mädchen mit Früchtekorb» ist auf einmal nicht mehr real, sondern virtuell auf dem Handybildschirm zu sehen.

Abraham an der Tramhaltestelle

Das ist laut Aebi, was die Telefone für uns heutzutage sind: Verführung, Verlockung und nicht selten auch Sünde. All dies sind Themen der berühmten alten Gemälde, die der Fotograf auf seinen Bildern so genau wie möglich nachgestellt hat. Darunter zu finden sind neben Da Vinci weitere bekannte Namen wie Caravaggio, Rubens und Chagall.

Modelle für die Bilder sind Menschen, die der Fotograf oft einfach auf der Strasse angesprochen hat. «Besonders einen Abraham mit langem Bart und Glatze zu finden, war schwierig», erzählt Aebi. Aber selbst für ihn hätte sich ein Modell an einer Tramhaltestelle gefunden.

«Ich mache mich mit meinen Bildern aber weder über Gott noch über die alten Meister lustig», sagt Aebi. Nur die Menschen, die ihren Kopf lieber auf den Bildschirm anstatt ihr Gegenüber gerichtet hätten, bekämen einen Spiegel vorgesetzt. Die Vernissage für die Ausstellung seiner neun Bilder findet am 26. September in der Galerie Ananda City an der Zwinglistrasse 23 statt. Die Ausstellung dauert zwei Wochen.

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