Aktualisiert 12.07.2010 12:49

Analyse

Was dem iPad fehlt

Apple hat die Erwartungen erfüllt und der Technologiewelt einen neuen Tablet-PC präsentiert. Aber zahlreiche Mängel des Computers lassen sich nicht übersehen.

von
Henning Steier

Steve Jobs hatte in seiner Keynote zwar auch Zahlen zu verfügbaren Apps und Apple Stores im Gepäck. Wirkliche Begeisterung konnten 140 000 und 284 aber kaum wecken, obwohl sie neue Rekorde sind. Denn im Mittelpunkt der Veranstaltung «Come See Our Latest Creation» in San Francisco stand das iPad, ein Tablet-PC mit einem kapazitiven 9,7-Zoll-Multitouch-Display das eine Auflösung von 1024 x 768 Pixeln bietet. Wie 20 Minuten Online berichtete, kommt der Rechner wahlweise mit 16, 32 oder 64 Gigabyte-Flashspeicher zum Kunden. Im Inneren werkelt ein von Apple entwickelter Prozessor namens A4, der mit einem Gigahertz getaktet ist. Das iPad misst rund 24 x 19 x 1,3 Zentimeter. Das Version mit WLAN bringt etwa 680, die Variante mit 3G 730 Gramm auf die Waage.

Von der Frage abgesehen, ob es das oder der iPad heisst, hat der jüngste Auftritt des Apple-Bosses weitere Fragen aufgeworfen, die sich in einer zusammenfassen lassen: Warum hat der IT-Konzern aus Cupertino so viele augenscheinliche Mängel des Tablet-Rechners zugelassen?

Noch ist nicht bekannt, welches Betriebssystem auf dem iPad läuft. Es erinnert ans iPhone OS - und leider auch an zwei seiner wesentlichen Schwachpunkte. Flash wurde in der Präsentation ebenso wenig unterstützt wie vom Apple-Smartphone, was das Anschauen von Web-Videos und animierten Webseiten im Browser unmöglich macht. Ausserdem scheint das iPad nicht multitaskingfähig zu sein. Man kann also beispielsweise nicht den Browser im Hintergrund geöffnet lassen, während man eine E-Mail schreibt. Wäre das anders, hätte es sich Steve Jobs vermutlich nicht nehmen lassen, explizit darauf hinzuweisen.

Filme mit schwarzen Balken

Das Display misst rund 19 x 13 Zentimeter, hat also 16:11-Format. Wer viele Web-Videos und Filme schaut, hätte sicherlich gern eine 16:9-Variante. Und für Blockbuster, aber auch Musik kann man eigentlich nie genug Speicherplatz haben. Maximal bringt das iPad aber 64 Gigabyte mit - zu wenig für unseren Geschmack. Überdies würden viele Nutzer ihren Tablet-PC sicherlich gern mal über ein HDMI-Kabel mit ihrem Fernseher verbinden. Das geht aber nicht, denn einen entsprechenden Anschluss bringt das iPad wohl nicht mit. Auch beim iPhone und neueren MacBooks lässt sich der Akku nicht ohne Weiteres austauschen. Das iPad tanzt hier leider nicht aus der Reihe.

Zwar hat der iPad Lautsprecher und Mikrofon, so dass man über VoIP-Anbieter wie Skype telefonieren kann. Video-Chat oder -Telefonie ist allerdings nicht möglich, denn eine Kamera suchten wir vergebens. Ausserdem auf der Mängelliste: GPS. Nutzer, die ihren Standort bestimmen möchten, müssten dies über WLAN tun und eine Datenbank abfragen. Das führt in der Regel zu ungenaueren Ergebnissen als jenen, die mit Hilfe eines GPS-Moduls wie es das iPhone hat, möglich sind.

An der Börse scheint der Tablet-PC übrigens auch keine Euphorie ausgelöst zu haben: Apples Aktie gewann aber immerhin an der Wall Street bis Börsenschluss etwa ein Prozent.

Schreiben Sie uns bitte im Talkback: Was halten Sie vom iPad? Sind auch Ihnen diese Mängel aufgefallen oder können Sie es kaum erwarten, bis Apples Tablet-PC in die Schweiz kommt?

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