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Vor dem UrteilWas den «Engel mit Eisaugen» erwartet

In wenigen Stunden entscheidet ein Gericht in Perugia, ob Amanda Knox freikommt oder ob sie lebenslang hinter Gitter muss. Die Antworten auf die fünf brisantesten Fragen.

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Kurz bevor sich die Jury zu Beratungen zurückzog, um über eine Aufrechterhaltung des Mordurteils von 2009 zu entscheiden, wies Amanda Knox in einer Rede die Vorwürfe gegen sie als unfair und haltlos zurück. Sie wandte sich unter Tränen an die Jury, um ihre Unschuld und die ihres Ex-Freunds Raffaele Sollecito zu beteuern.

Wer hat über Amanda Knox' Schicksal zu entscheiden?

Acht Geschworene – darunter sechs Bürger aus der Region und zwei Richter – werden über den Fall entscheiden. Die Stimmen der Richter haben dabei genauso viel Gewicht wie die der anderen Mitglieder. Die Richter dürfen keine persönliche Empfehlung abgeben, sie haben lediglich den Entscheidungsprozess zu begleiten und zu führen.

Kann Amanda Knox im Falle eines Freispruchs sofort nach Hause?

Wird Amanda Knox freigesprochen, wird sie innerhalb weniger Stunden aus der Haft entlassen. Anders als in Boulevardmedien zu lesen war, steht aber kein Charterflugzeug bereit, um die 24-Jährige nach Seattle zu fliegen. Edda Mellas wird ihre Tochter nach eigenen Angaben so rasch wie möglich in einem Linienflug mit nach Hause nehmen.

Kann der Fall weitergezogen werden?

Wie auch immer heute entschieden wird, gehen Prozessbeobachter davon aus, dass die Verliererpartei den Fall bis zu Italiens Hohem Gerichtshof weiterzieht. Für Knox und Sollecito würde dies bedeuten, dass sie auch bei einem Freispruch und nach kurzer Zeit auf freiem Fuss wieder ins Gefängnis kämen.

Was passiert, wenn der Hohe Gerichtshof das heutige Urteil wieder annulliert?

Sollte das heutige Urteil wieder aufgehoben werden, während Amanda Knox in den USA weilt, müsste Italien ein Auslieferungsgesuch stellen. Die USA müssen dann entscheiden, ob sie dem Gesuch nachkommen oder nicht. Die USA und Italien haben seit 1984 ein bilaterales Abkommen, was Auslieferungen betrifft.

Können noch zivile Klagen eingereicht werden?

Durchaus. Die Opferfamilie Kercher hat bereits eine Entschädigungsklage über 36 Millionen Dollar gegen die drei Verurteilten Amanda Knox, Raffaele Sollecito und Rudy Guede eingereicht. Das Gericht wird allerdings erst nach dem heutigen Urteil darüber entscheiden.

Amanda Knox hat bereits eine zivile Klage in Bezug auf Kerchers Mordfall verloren: Patrick Lumumba, Besitzer eines Nachtklubs, in dem das Mordopfer und Knox verkehrten, reichte eine Verleumdungsklage gegen die US-Amerikanerin ein. Knox hatte bei ihrer ersten Einvernahme den Clubbesitzer des Mordes an Kercher beschuldigt. Sie musste Lumumba mit 40 000 Euro entschädigen.

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