06.12.2014 17:11

Rede an die Nation

Was der Westen denkt und Putin wirklich verrät

Putins Rede an die Nation wird im Westen mit gemischten Gefühlen aufgenommen. Doch nicht nur der Inhalt, auch Putins Gesten während der Ansprache verraten einiges.

von
gux
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In seiner Rede zur Nation verteidigt Putin die aggressive Aussenpolitik Moskaus.

In seiner Rede zur Nation verteidigt Putin die aggressive Aussenpolitik Moskaus.

Keystone/AP/Pavel Golovkin
Er appellierte an seine Landsleute, Durchhaltevermögen zu zeigen.

Er appellierte an seine Landsleute, Durchhaltevermögen zu zeigen.

AFP/Mikhail Klimentyev
Am Freitag 5. Dezember sprach Putin vor dem Menschenrechtsrat des Kremls in Moskau.

Am Freitag 5. Dezember sprach Putin vor dem Menschenrechtsrat des Kremls in Moskau.

Keystone/AP/Mikhail Klimentyev

Eine Stunde lang sprach der russische Präsident am Donnerstag zu seinem Volk. In seiner traditionellen Rede an die Nation verteidigte Wladimir Putin (62) mit geradezu religiösem Eifer die aggressive Aussenpolitik Moskaus. Die im März annektierte ukrainische Halbinsel Krim bezeichnete er als heiligen russischen Boden, «unseren Tempelberg».

Der Westen kam schlecht weg: Die Sanktionen seien eine «nervöse Reaktion» des Westens auf den Aufstieg seines Landes, so Putin. «Jedes Mal, wenn jemand glaubt, dass Russland zu stark, zu unabhängig geworden ist, werden sofort diese Instrumente angewendet.» Er betonte, Nationalstolz und Souveränität seien «eine notwendige Bedingung für das Überleben» Russlands. Putin kritisierte erneut den Umsturz in Kiew, liess aber nicht erkennen, wie Moskau im Ukraine-Konflikt weiter vorzugehen gedenkt. Stattdessen appellierte er an Patriotismus und Durchhaltevermögen seiner Landsleute. Auch die lahmende Wirtschaft des Landes brachte er zur Sprache. Russlands wiederauflebende «geopolitische Rolle» sollte mit einer blühenden Wirtschaft einhergehen, sagte er.

«Drohungen und wüste Verschwörungstheorien»

Im Westen stiess die Rede auf gemischte Gefühle. Sie künde von Schwäche, heisst es im Leitartikel der Berliner Morgenpost. Und: «Wie Putin aus seiner Isolation herauskommen will, bleibt vorerst sein Geheimnis.» Die «Frankfurter Allgemeine» befürchtet, dass «nach Putins mit Drohungen und wüsten Verschwörungstheorien gespickter Rede» die Krise in Osteuropa weiter schwelen wird.

Die «New York Times» hält fest, dass Putin nicht überzeugend habe erklären können, wie der Kreml die Folgen der westlichen Sanktionen, des Rubel-Zerfalls und der sinkenden Ölpreise meistern werde. Und: «Mr. Putin versuchte, sich selbst als Führer darzustellen, der das glorreiche Schicksal Russlands fest in den Händen habe. Seine Anhänger mögen ihm recht, seine Kritiker aber beurteilten die Rede als daneben und sogar illusorisch.»

Das französische Portal «RFI.fr» spricht von einer «starken Tonalität wie im Kalten Krieg», die «BBC» analysiert, dass Putins Rede den Verunsicherten unter den Russen wenig Grund zur Beruhigung gegeben haben dürfte. Von diesen gibt es indes wenig: Gemäss neusten Umfragen stehen 72 Prozent der Russen hinter Putin und seiner Politik.

Was Putins Gesten verraten sollen

«Glaubt Russlands Präsident Wladimir Putin wirklich alles selbst, was er in seiner Rede an die Nation gesagt hat?», fragt sich Bild.de. Antwort gibt die Psychologin Monika Matschnig, welche Putins Körpersprache und Mimik während der Rede analysierte. Anhand des schwungvollen Schrittes und der betont aufrechten Haltung kommt sie wenig überraschend zum Schluss, dass der Auftritt «Inszenierung pur» gewesen sei.

Die Psychologin will aber auch Anzeichen dafür beobachtete haben, dass Putin seinem eigenen Beamtenapparat nicht traue. So spreche Putin davon, dass Beamte transparenter arbeiten sollten. Gleichzeitig machte er bei diesen Sätzen Gesten, als ob er etwas vom Tisch wischen wolle. «Eine verräterische Geste», so Psychologin Matschnig. «Seine Hände wischen seine Worte regelrecht weg, ein inkongruentes Verhalten. Das heisst: Er traut den bisherigen Prüfungen im Beamtenapparat keineswegs...»

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