Aktualisiert 18.04.2020 06:48

«Von Hongkong lernen»

Millionenmetropole bewältigt Pandemie ohne kompletten Lockdown

Tests, Kontaktverfolgungen und Änderungen des Bevölkerungsverhaltens: so steuert Hongkong das Coronavirus. Mit Erfolg, wie eine Studie zeigt.

1 / 10
Änderung des Bevölkerungsverhaltens zur Eindämmung der Pandemie: 99 Prozent der Einwohner Hongkongs tragen einen Mundschutz, wenn sie ihr Haus verlassen.

Änderung des Bevölkerungsverhaltens zur Eindämmung der Pandemie: 99 Prozent der Einwohner Hongkongs tragen einen Mundschutz, wenn sie ihr Haus verlassen.

KEYSTONE
Hongkong ist auch ohne einen kompletten Lockdown bislang glimpflich durch die Coronavirus-Pandemie gekommen.

Hongkong ist auch ohne einen kompletten Lockdown bislang glimpflich durch die Coronavirus-Pandemie gekommen.

KEYSTONE
Eine am Samstag veröffentlichte Studie legt nahe, dass Tests und Kontaktverfolgungen sowie Änderungen des Bevölkerungsverhaltens Covid-19 sinnvoll steuern können.

Eine am Samstag veröffentlichte Studie legt nahe, dass Tests und Kontaktverfolgungen sowie Änderungen des Bevölkerungsverhaltens Covid-19 sinnvoll steuern können.

KEYSTONE

Hongkong ist auch ohne einen kompletten Lockdown bislang glimpflich durch die Coronavirus-Pandemie gekommen. Eine am Samstag veröffentlichte Studie legt nahe, dass Tests und Kontaktverfolgungen sowie Änderungen des Bevölkerungsverhaltens – Massnahmen, die weitaus weniger störende soziale und wirtschaftliche Auswirkungen haben als eine vollständige Ausgangssperre – Covid-19 sinnvoll steuern können. «Durch die rasche Umsetzung von Massnahmen im Bereich der öffentlichen Gesundheit hat Hongkong gezeigt, dass die Übertragung von Covid-19 wirksam eingedämmt werden kann, ohne auf die äusserst störende vollständige Sperrung zurückzugreifen, die von China, den USA und westeuropäischen Ländern eingeführt wurde», urteilt der Wissenschaftler Benjamin Cowling von der Universität von Hongkong. Er leitete die im renommierten Fachmagazin «Lancet Public Health» veröffentlichte Studie.

Bis Ende März habe Hongkong einen grösseren Covid-19-Ausbruch mit einer Kombination aus Grenzeintrittsbeschränkungen, Quarantäne und Isolierung von Infizierten sowie mit einem gewissen Grad von Kontaktbeschränkungen abwenden können. Die chinesische Sonderverwaltungszone habe damit weitaus weniger drastische Kontrollmassnahmen als die meisten anderen Länder ergriffen. Die Ansteckungsrate liege in den acht Wochen seit Anfang Februar, als die Massnahmen angeordnet wurden, bei etwa eins. Zum 31. März meldete die 7,5 Millionen-Metropole lediglich vier Todesfälle und 715 Infizierte. Die Wissenschaftler wiesen auch darauf hin, dass Hongkong durch die Erfahrungen aus der Sars-Epidemie 2003 besser ausgerüstet sei als viele andere Länder, um mit dem Ausbruch von Covid-19 fertig zu werden.

99 Prozent tragen Mundschutz

Den Forschern zufolge könnten die Massnahmen wahrscheinlich an vielen anderen Orten weltweit umgesetzt werden. «Andere Regierungen können vom Erfolg Hongkongs lernen», sagt Cowling. Wenn diese Massnahmen und das Verhalten der Menschen aufrechterhalten werden könnten und gleichzeitig eine Ermüdung der Bevölkerung vermieden werde, könnten sie die Auswirkungen einer lokalen Covid-19-Epidemie erheblich verringern.

Zu den Ende Januar in Hongkong geltenden Massnahmen gehören eine intensive Kontrolle auf Infektionen, nicht nur bei ankommenden Reisenden, sondern auch in der örtlichen Gemeinde. Feriencamps und neu errichtete Wohnsiedlungen wurden in Quarantäneeinrichtungen umgewandelt. Alle Personen, die die Grenze vom chinesischen Festland überquerten, sowie Reisende aus betroffenen Ländern wurden für 14 Tage unter Quarantäne gestellt. Die Regierung setzte auch Massnahmen ein, um Social Distancing zu fördern, einschliesslich flexibler Arbeitsregelungen und Schulschliessungen, viele Grossveranstaltungen wurden abgesagt. 99 Prozent der Einwohner Hongkongs tragen einen Mundschutz, wenn sie ihr Haus verlassen, nachdem es laut ersten Umfragen im Januar 61 Prozent waren.

(REUTERS)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.
26 Kommentare
Kommentarfunktion geschlossen

Daniel

19.04.2020, 07:36

Ich glaube Sinn und unsinn von den Masken ist doch gar nicht das Thema. Es steht jedem frei zu eine Maske zu tragen. Ich bin eigentlich froh, das es keine Maskenpflicht gibt. Aber das eigentliche Problem bei den Masken ist ja, dass gar keine vorhanden sind. Und vorrallem zu vernüftigen Preisen. Mit einer Maskenpflicht können nur noch die Leute vor die Tür, die es sich leisten können. Aber hauptsache keine Grenzen, und ales wird Globalisiert und im Ausland produziert. Die Globale Gemeinschaft funktioniert ja in Krisenzeiten super (sarkasmus). Ich finde unser Bundesrat macht bis jetzt einen super Job.

Andy

19.04.2020, 06:33

Offenbar sind wir schlauer bezüglich Schutzmasken als die Asiaten. Man könnte es einfach auch Arroganz und Ignoranz nennen. Ich bin mir nicht sicher welche Regierung in diesem Fall weniger lügt, unsere hochelobte demokratische oder die eher undemokratischen welche aber Erfahrung mit Epidemien haben. Weil unsere Hausaufgaben nicht gemacht haben heisst dass ja noch nicht dass man das Volk belügen muss.

Watcher

18.04.2020, 17:47

Ohne Lockdown? Schulen sind seit Februar geschlossen und niemand weiss, wann der Unterricht wieder aufgenommen wird. Und die geschlossenen Grenzen? Die Grenze zu China wurde als letztes geschlossen und erst nach mehreren Wochen.