Topligen in der Krise: Was die Bundesliga besser macht
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Topligen in der KriseWas die Bundesliga besser macht

Während der deutsche Fussball boomt, haben die restlichen Topligen in Europa grosse strukturelle Probleme. Vor allem die Primera División will sich nun den «Klassenprimus» zum Vorbild nehmen.

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Neue Stadien, volle Ränge und finanziell gesunde Klubs: Die Bundesliga ist der Krösus unter den Topligen Europas. (Bild: Keystone)

Neue Stadien, volle Ränge und finanziell gesunde Klubs: Die Bundesliga ist der Krösus unter den Topligen Europas. (Bild: Keystone)

Preisexplosion bei den Tickets in der Premier League, mangelndes Zuschauerinteresse in der Ligue 1, Spielerstreiks in der Serie A, Schuldenwahn in der Primera División: Vier der fünf grössten Fussball-Ligen in Europa kämpfen mit Problemen, die sie sich selbst eingebrockt haben. Neidisch schauen sie auf die Bundesliga, die durch ihre Ausgeglichenheit, die modernen Stadien, die nachhaltige Wirtschaft und volle Ränge besticht.

Vor allem die Primera División, die immer stärker unter der Dominanz von Real Madrid und dem FC Barcelona leidet, will sich in Deutschland so einiges für die Zukunft abschauen, La Liga soll nach dem Vorbild der wirtschaftlich gesunden Bundesliga reformiert werden. Das fordert ausgerechnet Barça-Präsident Sandro Rosell. Er will die Liga von 20 auf 18 oder gar 16 Teams verkleinern und die Zentralvermarktung der TV-Rechte einführen.

Bessere Verteilung der TV-Gelder

Bislang kassieren Real und Barça - durch die Möglichkeit, sich selbst zu vermarkten - etwa die Hälfte aller Fernsehgelder von rund 600 Millionen Euro. Die kleineren Klubs haben das Nachsehen. Die Finanzschere zwischen Real und Barça, die zudem durch Bankkredite hochverschuldet sind, und dem Rest der Liga geht immer weiter auseinander. Die Konsequenzen sind fatal: Bis auf die vielbeachteten Clásicos verkommen die Spiele immer mehr zur Farce. Während Real und Barça ihre Kader mit Topspielern spicken, fehlt dem Rest dazu schlicht die Finanzkraft. So verlor Osasuna seine Partien gegen die beiden Topklubs 0:8 (gegem Barça) und 1:7 (gegen Real), doch trotzdem liegt der Klub auf Rang 10 im Mittelfeld.

In der Bundesliga sieht's etwas anders aus. Dort wird der TV-Kuchen besser verteilt. Zwar erhalten die Topvereine auch in Deutschland grössere Stücke, aber der Tabellenletzte kam in der letzten Saison dennoch auf einen Zustupf von 13 Millionen Euro in die Klubkasse. Bayern München ist in Deutschland dank seiner Finanzkraft die unangefochtene Nummer 1, doch Dortmund, Wolfsburg oder Stuttgart mischen oder mischten sich immer wieder erfolgreich in den Meisterkampf ein und liessen die Bayern gar hinter sich. In Spanien wurde mit Valencia 2004 letztmals ein anderer Klub als Barça oder Real Meister.

Wirtschaftlichkeit bleibt auf der Strecke

Andere Probleme kennt man in England. Zwar dominieren auch auf der Insel die «Fab-Four» (ManU, Chelsea, Arsenal und Liverpool) seit Jahren die Liga, doch dank Tottenham und Manchester City ist die Premier League momentan so ausgeglichen wie lange nicht mehr. Hoch verschuldet sind aber auch die englischen Topklubs. Im Wettrüsten der superreichen Klubbesitzer können auch die Premier-League-Klubs nicht mehr profitabel wirtschaften.

Damit die Rechnung wenigstens annhähernd aufgeht, müssen die Fans leiden. Und zwar durch Verknappung der Fernsehbilder im Free-TV, durch teures Pay-TV und vor allem durch überrissene Ticketpreise. Wer in England ein Topspiel besuchen will, muss richtig tief in die Tasche greifen. Meist sind nur auf dem Schwarzmarkt Tickets erhältlich und die Preise dafür sind astronomisch. So wird in England seit einigen Jahren die Arbeiterklasse, die den Fussball im Mutterland einst getragen hatte, immer mehr aus den Stadien verdrängt. Die Fans kommen trotzdem in Scharen. Mit 92,1 Prozent hat die Premier League hinter der Bundesliga (94,6 Prozent) die höchste Stadionauslastung.

Leere Stadien in Italien und Frankreich

Davon kann man in Italien nur träumen. Die maroden Stadien, die seit der WM 1990 kaum oder gar nicht (Ausnahme: Juventus Turin) modernisiert wurden, sind selten gut besucht. Die Verdoppelung der Ticketpreise und die Korruptionsskandale haben die Fans aus den Stadien vertrieben. Noch düsterer ist die Lage in Frankreich. Auch dort bleiben die Stadien mehrheitlich leer. Weil sich viele Ligue-1-Vereine als Ausbildungsbklubs positioniert haben, wandern die Stars in die attraktiveren Ligen ab.

Eine Ausnahme bildet seit neuestem Paris St-Germain. Der Hauptstadtklub hat nach der Übernahme durch Scheich Tamim bin Hamad al-Thani gross investiert und wandelt nun auf den Spuren von Manchester City. Mit sportlichem Erfolg - PSG führt die Tabelle in Frankreich nach 13 Spieltagen mit nur einer Niederlage an. Die Konkurrenz schaut aber bereits argwöhnisch nach Paris. Man fürchtet, dass der Ligue 1 dereinst das gleiche Schicksal blüht wie der Primera División.

50+1-Regel in der Bundesliga

Die Bundesliga dagegen zeigt ausländischen Investoren die Rote Karte. Laut Satzung der DFL muss ein Verein 50 Prozent plus 1 Stimme der Anteile an der jeweiligen Profigesellschaft halten. Dieser Passus garantiert den Vereinsoberen die Kontrollmehrheit bei allen wichtigen Entscheidungen – egal, wie viel Kapital ein Investor in den Klub gesteckt hat. Unumstritten ist diese Regel in Deutschland allerdings nicht. Wenn der internationale Erfolg ausbleibt, machen die Klubbosse die Resultate-Misere am fehlenden Geld für Topeinkäufe fest.

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