Sturm-Chaos ist weg: «Was die geleistet haben, ist Wahnsinn»
Aktualisiert

Sturm-Chaos ist weg«Was die geleistet haben, ist Wahnsinn»

Nach dem verheerenden Unwetter von gestern gehen die Wettkämpfe am Turnfest Biel heute weiter. Über Nacht haben Helfer die meisten Schäden behoben.

von
Nina Jecker
Biel

Die Sonne scheint, die Turner bereiten sich auf die Wettkämpfe vor und die Stimmung ist ausgelassen. Ausser ein paar herumliegenden Ästen und Zeltstangen lässt nichts mehr auf das verheerende Unwetter vom Donnerstagabend schliessen. Über Nacht hat das OK zusammen mit dem Militär und zahlreichen freiwilligen Turnern das Gelände wieder auf Vordermann gebracht. Das freut auch den 21-jährigen Turner R. H.: «Ist doch egal, was gestern war. Heute ist Party.»

Das Unwetter noch in den Knochen spürt der 54-jährige Sepp, Betreiber eines Verpflegungsstandes. «Als der Wind plötzlich so stark wurde, wollte ich nur noch mein Zelt retten.» Dabei wurde er von herumfliegenden Ästen getroffen und trug Schürfwunden und Prellungen davon. Etwas mehr Glück hatte Rolf Wälle, Geschäftsführer der Mirowa GmbH. Er betreibt einen Piadina-Stand am Turnfest. Zwar wurde eines seiner Gastrozelte vom Wind rund 40 Meter über einen Zaun getragen, Verletzungen trug er aber keine davon: «Es war wie im Krieg. Die Menschen sind herumgerannt wie Hühner.»

Fragezeichen hinter später Warnung

Für die Aufräumarbeiten und Betreuung des OKs hat er nur lobende Worte übrig: «Was die über Nacht geleistet haben, ist Wahnsinn.» In die gleiche Richtung zielt auch das Fazit von Roger und Oliver vom Turnverein Guntershausen. Obwohl ihre Zelte verwindet wurden und ihr Hab und Gut unter Wasser stand, ist ihre Stimmung nicht getrübt: «Wir haben in einem Militärzelt übernachtet, der Zivilschutz war sehr hilfsbereit.»

Ein grosses Fragezeichen steht für viele Anwesende aber noch hinter der späten Sturmwarnung des OKs. Bei den meisten kam die Sturmwarnung erst an, als es schon zu spät war. «Ich habe nur vom Sturm gehört, weil mich eine Standnachbarin warnte», sagt Rolf Wälle. Diese war von einer Kollegin per SMS auf die Unwetter in der Nähe aufmerksam gemacht worden.

Wetter am Donnerstag zunächst besser als vorhergesagt

Bereits am Mittwochabend sei von Meteoschweiz eine Gewitterwarnung der Stufe 3 ausgegeben worden, betonte Fränk Hofer. «Es stellt sich also die Frage, wann ist der richtige Zeitpunkt, um eine Veranstaltung abzubrechen?», so der Turnfest-Direktor. Hofer gab zu bedenken, dass es sich bei diesen Vorhersagen um Prognosen und nicht um absolute Sicherheit handle. Die Prognosen könnten sich im Laufe des Tages noch ändern.

Zudem sei es auch ein beträchtliches Risiko 15'000 Personen bei eitel Sonnenschein, Wettkämpfen und Feststimmung ohne erkennbaren Grund zu evakuieren. «Da bewegen wir uns in einem Spannungsfeld», sagte Hofer. Das Wetter habe sich im Verlauf des Donnerstags denn auch zunehmend besser präsentiert als vorhergesagt. Um 17.30 Uhr sei von Meteoschweiz die Meldung eingegangen, dass es in der Region Neuenburg stürme und hagle.

Laufend über Wetter informiert

Die Warnungsstufe habe Meteoschweiz aber nicht hochgesetzt, sagte Franklini Cooper, Co-Leiter Polizei und Sicherheit. Ab 17.30 Uhr seien alle in der Führungszentrale gewesen und hätten mit der Polizei die laufend aktuellen Daten gesichtet und sich auch laufend bei Meteoschweiz aktiv informiert. Gerade als man Evakuierungsalarm habe auslösen wollen, seien aus der Region Ipsach schon die ersten Notrufe eingegangen, erzählte Hofer.

(nj/ame/SDA)

Spitalzentrum Biel versorgt 37 Turnfest-Verletzte

Nach dem verheerenden Gewitter vom Donnerstag in der Region Biel hat das örtliche Spital 37 der 39 Verletzten medizinisch versorgt. Die meisten konnten das Spital wieder verlassen. Insgesamt acht Personen befanden sich am Freitagmorgen noch im Bieler Spital. Eine schwerverletzte Person hatte nach Bern überführt werden müssen, wie die Spitalverantwortlichen am Freitag mitteilten. Insgesamt 30 Personen erlitten leichte Verletzungen, sechs Personen mittelschwere. Sie mussten zum Teil operiert werden. Die Spitalverantwortlichen loben in ihrer Mitteilung die Zusammenarbeit der Einsatzdienste, Rettungskräfte und Ambulanzen. Alles habe sehr gut funktioniert. Im Spitalzentrum Biel sei das für besondere Ereignisse vorgesehene Dispositiv ausgelöst worden. Über 60 zusätzliche Leute standen im Einsatz, darunter viele Ärzte und Pflegefachleute.

Deine Meinung