Eine Billion Dollar pro Jahr : Was die Klimavorschläge kosten – und nützen

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Eine Billion Dollar pro Jahr Was die Klimavorschläge kosten – und nützen

Die an der Pariser Klimakonferenz diskutierten Ziele würden trotz Riesenkosten die Erderwärmung kaum bremsen – behauptet zumindest ein Skeptiker.

von
sut

Vierzigtausend Menschen aus allen Erdteilen sitzen seit Montag in einem Vorort von Paris, um einen Klima-Deal auszuhandeln. Doch die wenigsten der Teilnehmerinnen und Teilnehmer stellen die entscheidenden Fragen: Wie viel kosten die Vorschläge insgesamt und was bewirken sie?

Nach Kyoto (1997) und Kopenhagen (2009) sucht die neuste Klimakonferenz der Vereinten Nationen kein rechtlich bindendes Abkommen zur Reduktion von Treibhausgasen wie Kohlendioxid, die nach der gängigen Theorie zu einer allmählichen Erwärmung der Erdatmosphäre beitragen. Stattdessen wollen die Delegierten die energiepolitischen Vorschläge der einzelnen Nationen absegnen und bündeln. Zudem sollen Entwicklungsländer für ihre Energiewende Transferzahlungen von den Industriestaaten erhalten.

Wie viel kostet es, was nützt es?

Björn Lomborg, der sich selbst als «skeptischen Umweltschützer» bezeichnet, hat vor Beginn der Konferenz den Preis und den Nutzen all dieser Ländervorschläge zu ermitteln versucht. Der dänische Politologe kommt zu ernüchternden Ergebnissen.

In einer wissenschaftlich überprüften Studie in der Zeitschrift «Global Policy» rechnet er vor, dass die von den USA, der EU, China und dem «Rest der Welt» vorgeschlagenen Emissionsreduktionen bis im Jahr 2100 die Erwärmung der Erdatmosphäre im besten Fall um 0,17 Grad Celsius verringern würden. Doch der Preis für diesen minimen Nutzen wäre hoch: Bis 2030 würde er die Weltwirtschaft jährlich gegen eine Billion Dollar kosten, also rund tausend Milliarden Franken.

Kritik ist zur Stelle

Lomborg hat das «Copenhagen Consensus Center» aufgebaut. Er ist für seine in mehreren Büchern formulierte Überzeugung bekannt, dass das für den Klimaschutz aufgewendete Geld mit mehr Gewinn für die Verbesserung der Lebensverhältnisse der Armen dieser Welt eingesetzt werden sollte. Entsprechend ist er seit längerem im Visier von Klimaforschern, die mit seinen Kosten-Nutzen-Rechnungen Mühe haben.

Die neueste Kalkulation des Dänen hat denn auch sofort zu einer scharfen Replik geführt. Die Site thinkprogress.org wirft dem Wissenschaftler vor, er mache falsche Annahmen bezüglich der Entwicklung nach 2030. Insbesondere im Fall Chinas und der EU seien in den späteren Jahrzehnten weitere Reduktionen geplant. Zu Gunsten Lomborgs wirft die Site reason.com ein, dass die in Paris eingebrachten Vorschläge nur die Zeit bis 2030 beträfen.

Bilanz: wenig effizient

Weniger anfechtbar scheint Lomborgs Kostenrechnung. Im «Wall Street Journal» zählt er zusammen, was die von den USA, der EU, China und Mexiko anvisierten Reduktionsziele bei Treibhausgasen nach akzeptierten Rechnungen anerkannter Klimainstitute kosten würden. Insgesamt kommt er auf jährliche Kosten von mindestens 730 Milliarden Dollar bis 2030 – bei einem optimalen Einsatz der Mittel durch Politiker. Da eine so haushälterische Verwendung unwahrscheinlich ist, rundet Lomborg auf eine Billion Dollar im Jahr auf.

Der Skeptiker zieht eine kritische Bilanz der teuren Pariser Klimavorschläge: «All diese hochfliegenden Versprechungen werden nichts Substanzielles bewirken, um den Klimawandel einzudämmen.» Mit seiner globalen Schlussfolgerung werden kaum alle einverstanden sein. Wissenschaftler und Klimapolitiker, die ehrlich sein wollen, müssen die Frage nach Kosten und Nutzen aber zumindest stellen.

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