Tierforschung: Was die Mutter frisst, schmeckt dem Mäuschen
Aktualisiert

TierforschungWas die Mutter frisst, schmeckt dem Mäuschen

Die Ernährung der Mutter während Schwangerschaft und Stillzeit prägt den Geschmacks- und Geruchssinn des Nachwuchses - zumindest bei Mäusen.

Ihr schmeckt, was die Mutter während der Stillzeit gefressen hat. colourbox.com

Ihr schmeckt, was die Mutter während der Stillzeit gefressen hat. colourbox.com

Dies helfe dem Mäusenachwuchs, schmackhaftes und verträgliches Essen von Geburt an zu erkennen sowie ihre Mütter oder enge Verwandte zu identifizieren, schreiben die Forscher im Fachmagazin «Proceedings of The Royal Society B». Ob es beim Menschen einen ähnlichen Mechanismus gibt, ist unklar. Die Forscher halten es jedoch für möglich.

Josephine Todrank von der University of Colorado in Aurora und ihre Mitarbeiter hatten Mäusen während der Schwangerschaft und in der anschliessenden Säugezeit Nahrung verabreicht, die nach Minze, beziehungsweise Kirsch oder neutral schmeckte. Bekamen die Jungtiere am 20. Lebenstag Minz-, Kirsch- und neutral schmeckendes Futter vorgesetzt, bevorzugten sie stets das Futter, das ihre Mütter in der Schwangerschaft und Säugezeit gefressen hatten.

Vorliebe für Alkohol prägen?

Gleichzeitig waren bestimmte Strukturen im Riechkolben des Gehirns der Jungtiere besonders stark ausgeprägt, sogenannte Glomeruli. Glomeruli sind kugelige Gebilde, in denen alle Nerven von Riechzellen eines Typs zusammengefasst werden. Genau die Glomeruli, deren Nerven durch den Minz-, beziehungsweise den Kirschgeschmack aktiviert werden, waren stark vergrössert, berichten die Forscher.

Sie spekulieren, dass die Vorgänge beim Menschen ganz ähnlich sein könnten. Frauen würden damit schon in der Schwangerschaft die späteren kulinarischen Vorlieben und Abneigungen des Nachwuchses prägen. Dies sei ein weiterer Grund, in der Schwangerschaft auf Alkohol zu verzichten.

Da das Ungeborene alles von der Mutter kommende als «sicher» bewertet, könnte so schon frühzeitig eine Vorliebe für Alkohol geweckt werden, sagte Todrank laut einer Pressemitteilung der Universität Colorado. Bisher sei aber unklar, wie lange die beobachteten Auswirkungen anhielten. (sda)

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