Hakle: «Was die Papier-Industrie derzeit erlebt, ist einzigartig»

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Hakle«Was die Papier-Industrie derzeit erlebt, ist einzigartig»

Teure Rohstoffe und Energie treiben WC-Papier-Hersteller in die Krise. Nach der Insolvenz von Hakle könnten weitere folgen. Jetzt spricht der Schweizer Länderchef Hugo ter Braak von Kimberly-Clark über die Probleme der WC-Papier-Hersteller.

von
Fabian Pöschl
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Trotz der Insolvenz des deutschen Herstellers Hakle: In der Schweiz bleibt Hakle bestehen.

Trotz der Insolvenz des deutschen Herstellers Hakle: In der Schweiz bleibt Hakle bestehen.

Kimberly-Clark
Die Marke gehört hierzulande zum US-Konzern Kimberly-Clark. Weil Hakle so beliebt sei in der Schweiz, wolle man die Marke nicht aufgeben, sagt der Schweizer Länderchef von Kimberly-Clark, Hugo ter Braak.

Die Marke gehört hierzulande zum US-Konzern Kimberly-Clark. Weil Hakle so beliebt sei in der Schweiz, wolle man die Marke nicht aufgeben, sagt der Schweizer Länderchef von Kimberly-Clark, Hugo ter Braak.

Kimberly-Clark
Die Industrie leidet derzeit laut ter Braak unter den hohen Preisen für Strom, Gas und Rohstoffe. Deshalb wird Hakle laut ter Braak nicht das letzte Unternehmen sein, das in Schwierigkeiten gerät.

Die Industrie leidet derzeit laut ter Braak unter den hohen Preisen für Strom, Gas und Rohstoffe. Deshalb wird Hakle laut ter Braak nicht das letzte Unternehmen sein, das in Schwierigkeiten gerät.

Kimberly-Clark

Darum gehts

  • Die Insolvenz von Hakle sorgte für Unruhe bei einem US-Konzern, dem Hakle Schweiz gehört.

  • Jetzt spricht Länderchef Hugo ter Braak über die Probleme der Industrie.

  • Hakle wird demnach nicht der letzte Hersteller in Schwierigkeiten sein.

Die Insolvenz des deutschen WC-Papier-Herstellers Hakle sorgte bei Hakle Schweiz für verwirrte Kundinnen und Kunden. «Ich bekam ständig Anrufe, weil die Leute nicht wussten, ob wir auch pleite sind», sagt Hugo ter Braak, CEO von Kimberly-Clark Schweiz und verantwortlich für Hakle in der Schweiz, zu 20 Minuten.

Zwischen dem Markennamen Hakle in der Schweiz und der Firma Hakle in Deutschland besteht keine Verbindung mehr. Der US-Hygienepapier-Hersteller Kimberly-Clark übernahm einst Hakle, hat das Geschäft in Deutschland aber vor zehn Jahren verkauft.

Im Interview mit 20 Minuten spricht Hugo ter Braak über die Probleme in der WC-Papier-Industrie und warum Kimberly-Clark in der Schweiz weiterhin auf den Markennamen Hakle setzt.

Hakle gab dem deutschen Staat eine Mitschuld an der Insolvenz wegen verspäteter Staatshilfen. Ist die Not in der Papierindustrie so gross?

Hugo ter Braak: «Was die Industrie derzeit erlebt, ist einzigartig. Es ist keine Überraschung, dass Unternehmen Probleme haben, wenn Strom, Gas und gleichzeitig der zur Papierproduktion so wichtige Zellstoff wegen Lieferproblemen extrem viel teurer sind. Hakle in Deutschland wird nicht das letzte Unternehmen sein, welches in Schwierigkeiten gerät.»

Ist auch Kimberly-Clark bedroht?

«Nein, wir sind als internationale Firma sehr gut aufgestellt. Klar machen uns steigende Preise auch zu schaffen, aber wir versuchen durch die laufende Optimierung unserer Prozesse Kosteneinsparungen zu erzielen. Da uns Nachhaltigkeit sehr wichtig ist, haben wir im Werk in Norditalien schon seit mehr als zehn Jahren eine eigene Solaranlage, mit der wir unseren Stromverbrauch deutlich reduzieren konnten. Falls das Gas knapp werden würde, könnten wir in der Produktion Anpassungen vornehmen, damit weniger Gas verbraucht wird.»

Bis vor zwei Jahren produzierten Sie noch in der Schweiz. Warum kam es zum Umzug nach Italien?

«Wir verkauften den Produktionsstandort in Niederbipp, weil wir unseren Produktionsprozess effizienter gestalten wollten. Wir produzierten dort viele Eigenmarken für den Detailhandel, aber das können andere effizienter.»

Hakle begründete die Insolvenz damit, dass es Preiserhöhungen nicht schnell genug weitergeben konnte. Werden jetzt die Preise fürs WC-Papier steigen?

«Die Preise für Energie und Rohstoffe schwanken so stark, dass bei der Ankündigung einer Preiserhöhung bereits die nächste Preiserhöhung nötig sein kann. Die Konsumentenpreise sind schon jetzt bei vielen Marken zehn bis 30 Prozent höher. Wir haben bis jetzt unsere Preise von Hakle-Toilettenpapier in der Schweiz noch nicht erhöht, aber wie es in einigen Monaten aussieht, kann ich nicht sagen.»

Warum setzt Kimberly-Clark auf Hakle und nicht auf eigene Marken wie Scott, dann gäbe es die Verwechslungsprobleme nicht?

«Hakle gibt es seit 70 Jahren in der Schweiz und ist die beliebteste Toilettenpapier-Marke im Land, das wollen wir nicht einfach aufgeben. Unsere Produkte sind speziell für die Bedürfnisse der Schweizer Kundschaft entwickelt worden. In anderen Ländern setzen wir auf andere Marken. Man kennt das ja auch vom Fussball, wo der FCB in der Schweiz aus Basel kommt, in Deutschland aus München und in Spanien aus Barcelona.»

Was ist deine Lieblings-WC-Papier-Marke?

Wird es einen Engpass beim WC-Papier geben angesichts des knappen Zellstoffs? In Deutschland gibt es ja schon einen Mangel an Karton?

«Vielleicht wird es einzelne Produzenten mit Lieferengpässen geben. Wir haben aber vorgesorgt. Wir sind seit 150 Jahren im Papiergeschäft und können die Lieferkette mit unseren Partnern sicherstellen. Der Puppy als unser Markenzeichen wird den Schweizer Kunden noch lange erhalten bleiben.»

In den Läden gibts praktisch jede Woche eine WC-Papier-Marke in Aktion. Haben Sie so hohe Margen, dass Aktionen jederzeit möglich sind?

Das ist eine ziemlich einzigartige Tradition, die es schon seit über 40 Jahren gibt. Damit müssen wir leben, das ist das Spezielle am Schweizer Markt.

Das ist Kimberly-Clark

Die Kimberly-Clark Corporation mit Sitz in Dallas (USA) ist einer der führenden Hygieneartikelhersteller der Welt. Der Konzern wird dieses Jahr 150 Jahre alt. Er wuchs auch dank Übernahmen wie der Schweizer Attisholz-Gruppe, der damals auch die Firma Hakle gehörte.

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