SRF-Verfilmung : Was die Schweiz vom «Ice-Tea-Video» lernen kann
Aktualisiert

SRF-Verfilmung Was die Schweiz vom «Ice-Tea-Video» lernen kann

Die Geschichte des «Ice-Tea-Videos» wurde für SRF verfilmt. Der Film zeigt auf, wie hilflos Beteiligte bei Cybermobbing agieren.

von
num

Es ist die moderne Kakophonie des Grauens: Der hundertfache Mitteilungston auf den Handys der Schüler einer Zürcher Schule. Mobbing im digitalen Zeitalter geht sekundenschnell, in Farbe, in Bewegtbild, mit Ton und viel Scham – bequem per Whatsapp übermittelt.

Das unkontrollierbare Chaos, die weiten Kreise, die ein privates Video ziehen kann: Auf sie konzentrierte sich Regisseur Tobias Ineichen bei seinem Film «Upload», dessen Handlung sich an die realen Geschehnisse des berüchtigten «Ice-Tea-Falls» (siehe Box) anlehnt.

Das «Schoggimilch-Mädchen»

Franziska, stark gespielt von Yaël Meier, verliebt sich in den Mädchenschwarm Elias (Pablo Caprez). In seinem Zimmer entsteht ein erotisches Video mit der Flasche einer «Schoggimilch».

Doch was früher in den Zimmern der Teenager blieb, kann heute im schlimmsten Fall die ganze Welt sehen. Diese schmerzliche Erfahrung muss Franziska machen, als das Video den Weg in die Öffentlichkeit findet: Ihr Leben, ihr soziales Ansehen, liegt in Trümmern.

Sie ist nun auf ewig als das «Schoggimilch-Mädchen» bekannt – die Blicke der Mitschüler eine Qual. Der Gang in die Schule unmöglich. Und die Erwachsenen, allen voran Journalist Martin Bosshard (Peter Jecklin), der sich in Ineichens Inszenierung mit ungeschicktem Eifer auf die Geschichte stürzt und Öl ins Feuer giesst, sind auch keine grosse Hilfe.

Die Cybermobbing-Lawine

Die Teenager versuchen, ihre Probleme selbst zu lösen, und geraten so in einen Strudel, der sie immer tiefer hinunterzieht. Es ist die Summe einer Menge – im Film leider nicht immer nachvollziehbaren – falscher Entscheidungen. Einige kleinere Überraschungen und unerwartete Wendungen warten dennoch auf den Zuschauer.

«Upload» belehrt nicht, sondern zeigt schonungslos die Hilflosigkeit einer Gesellschaft, die mit der Wucht einer Cyber-Lawine noch unerfahren umgeht.

«Upload» läuft am heute Mittwoch, 2. Dezember, um 20.05 Uhr auf SRF 2

Der Ice-Tea-Fall

Es war das schlimmste Fall von Cybermobbing, den die Schweiz je erlebt hatte: Im Dezember 2012 stellte der Exfreund eines 15-jährigen Mädchens ein Filmchen von ihr ins Internet, in dem sie sexuelle Handlungen mit einer Ice-Tea-Flasche vollzieht. Das Video verbreitete sich per Facebook und Whatsapp rasend schnell auf den Pausenplätzen der Schweiz. 20 Minuten berichtete über den Fall. Die Polizei ermittelte danach und bestrafte mehrere Jugendliche wegen Besitzes von Kinderpornografie zu Arbeitseinsätzen. Das Mädchen litt enorm unter dem Video. Jugendanwalt Beat Fritsche sagte damals: «Sie wurde durch die grosse Verbreitung des Videos getroffen, zudem wurde sie beschimpft und beleidigt.» num

Deine Meinung