Schwindel von Berner Stadtrat - «Was er gemacht hat, war dumm – ohne Frage»

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Schwindel von Berner Stadtrat«Was er gemacht hat, war dumm – ohne Frage»

Mohamed Abdirahim erfand ein Studium, einen Job und eine Ausbildung, die er nie hatte. 20 Minuten sprach mit mehreren Stadtberner Politikern über den aufgeflogenen Schwindel.

von
Lucas Orellano
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Mohamed Abdirahim spricht im Berner Stadtparlament. Der SP-Stadtrat hat seinen Lebenslauf stark frisiert.

Mohamed Abdirahim spricht im Berner Stadtparlament. Der SP-Stadtrat hat seinen Lebenslauf stark frisiert.

Franziska Rothenbuehler / Tamedia
Dies wurde am Donnerstag bekannt.

Dies wurde am Donnerstag bekannt.

Nicole Philipp/Tamedia AG
Konkret hat Abdirahim seine Ausbildung als Kindererzieher, sein Studium in Psychologie und Pädagogik und seinen Job als Jugendarbeiter erfunden.

Konkret hat Abdirahim seine Ausbildung als Kindererzieher, sein Studium in Psychologie und Pädagogik und seinen Job als Jugendarbeiter erfunden.

Stadt Bern

Darum gehts

Mohamed Abdirahim, Stadtberner SP-Politiker, Stadtrat und Vize-Fraktionschef, hat jahrelang behauptet, studiert zu haben, log über seinen Job und eine Ausbildung, die er angeblich gemacht haben soll. Das deckte die «Berner Zeitung» am Donnerstag auf.

20 Minuten sprach mit mehreren Stadtberner Politikerinnen und Politikern über den aufgeflogenen Schwindel.

Tom Berger, Co-Fraktionspräsident FDP/JF

«Ich kenne Mohamed Abdirahim politisch relativ gut, wir waren gut drei Jahre in derselben Sachkommission», sagt Berger. «Wir haben politisch ganz und gar nicht dieselben Ansichten, aber ich habe immer gerne mit ihm gearbeitet und würde das auch gerne weiterhin tun.»

«Immerhin hat er keinen geschützten Titel missbraucht», sagt Berger. «Dies wäre klar eine Straftat und müsste entsprechend sanktioniert werden.»

Problematisch wäre es laut Berger auch, sollte Abdirahim Interessensbindungen verschwiegen haben. «Es ist Gesetzes wegen vorgeschrieben, dass wir sie offenlegen müssen», sagt Berger. «Sollte sich herausstellen, dass er da etwas verheimlicht hat, müsste er meiner Ansicht nach die Konsequenzen ziehen.»

«Was er gemacht hat, war dumm, ohne Frage», so Berger weiter. «Es ist ja nicht etwas Negatives, wenn man nicht studiert hat. Ich verstehe es darum wirklich nicht und hoffe, dass er seine Lehren daraus zieht. Aber er hat gemäss heutigem Wissensstand keine Straftat begangen und darum ist es für mich klar, dass das seine Partei und seine Fraktion mit ihm intern klären müssen.»

Thomas Fuchs, Stadtrat und Präsident SVP Bern

«Persönlich verbindet mich nichts mit Herrn Abdirahim», sagt Fuchs. «Wir haben keinerlei Kontakt.» Und weiter: «Mich erstaunt es nicht, dass er beim Schwindeln erwischt worden ist. Ich gehe davon aus, dass seine Vorstösse im Rat nicht alle aus seiner Feder stammen. Er wirbt jetzt auch damit, dass der Friedhof in Bümpliz dank ihm bestehen bleibt – dabei hatte er damit gar nichts zu tun.»

«Es war unnötig, dass er gelogen hat», sagt Fuchs. «Die Politik hat keine Aufnahmebedingungen, er hat das also ohne Not gemacht. Er wollte sich wohl einfach gut darstellen, das ist insofern menschlich.»

«Was jetzt weiter passiert, sollen seine Wähler entscheiden», sagt Fuchs. «Das muss seine Partei, seine Fraktion, das muss er wissen. Aber stellt sich natürlich die Frage, ob er sonst noch irgendwo geschwindelt hat. Es würde mich nicht wundern, wenn noch mehr zum Vorschein käme.»

Marianne Schild, Co-Fraktionspräsidentin GLP

«Ich habe ihn als sehr engagiert wahrgenommen», sagt Schild. «Er ist sehr präsent und hält Voten. Er führt sein Amt ernsthaft aus und leistet etwas.»

«Es ist nicht das erste Mal, dass jemand seinen CV frisiert», gibt Schild zu bedenken. «Ich bin sicher, wenn wir alle Kandidierenden für die Grossratswahlen genau durchleuchten würden, würde man auch Diverses finden.»

Sollte Abdirahim zurücktreten oder seine Kandidatur für den Grossen Rat zurückziehen? Schild verneint: «Es ist jetzt an seiner Partei und seiner Fraktion, das zu klären», sagt sie. «Ich habe nicht den Anspruch, dass etwas passieren muss. Aber als Partei und Fraktion muss man versuchen, ein Klima des Vertrauens zu schaffen, wo man über seine Sorgen reden kann. Denn schlussendlich ist in einer Milizorganisation das meiste Vertrauenssache.»

Keine Statements von Juso und SP

SP und Juso lassen gegenüber 20 Minuten verlauten, dass sie keine weiteren Fragen beantworten werden. Mohamed Abdirahim selber hat auf eine Anfrage nicht reagiert. 

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