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Lieber Phil GeldWas erwartet mich bei einer Lohnpfändung?

Yvonne (39) wird von mehreren Personen betrieben. Ihr droht eine Lohnpfändung. Was heisst das für sie?

Besonders unangenehm an der Lohnpfändung ist die Anzeige an den Arbeitgeber.

Besonders unangenehm an der Lohnpfändung ist die Anzeige an den Arbeitgeber.

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Lieber Phil Geld

Ich wurde von mehreren Personen betrieben, weil ich meine Rechnungen nicht bezahlt habe. Nun droht mir eine Lohnpfändung. Was kommt da auf mich zu? Wird mein Chef von der Lohnpfändung erfahren oder kann ich ihm das verheimlichen?

Liebe Yvonne

Wer seine Rechnungen trotz Mahnungen nicht begleicht, muss damit rechnen, dass früher oder später eine Betreibung gegen ihn eingeleitet wird. Kommt es zur Lohnpfändung, muss der Betriebene auf seinem Existenzminimum ausharren.

Als pfändbares Einkommen gilt grundsätzlich Erwerbseinkommen jeder Art, Nutzniessungen und ihre Erträge, Leibrenten sowie Unterhaltsbeiträge oder Pensionen. Also Leistungen jeder Art, die einen Erwerbsausfall oder Unterhaltsanspruch abgelten sowie Renten und Kapitalabfindungen aus beruflicher Vorsorge (vgl. Art. 93 Abs. 1 SchKG).

Bei einer Lohnpfändung berechnet das Betreibungsamt das sogenannte betreibungsrechtliche Existenzminimum. Dieses setzt sich einerseits aus einem Grundbetrag – ca. 1200 Franken/Monat für Alleinstehende und ca. 1700 Franken/Monat für Verheiratete beziehungsweise in einer eingetragenen Partnerschaft lebenden Personen zusammen. Andererseits zählen auch individuelle Zuschläge, wie unter anderem der effektive monatliche Mietzins, Sozialbeiträge (soweit diese nicht bereits vom Lohn abgezogen werden) oder besondere Berufsauslagen dazu. Mögliche Zuschläge werden jedoch nur berücksichtigt, wenn sie vor der Pfändung auch tatsächlich bezahlt wurden und geschuldet sind. Der oder die Betriebene hat die Auslagen mit Quittungen zu beweisen, ansonsten werden die Zuschläge nicht in den Grundbedarf aufgenommen. Die pfändbare Quote berechnet sich aus der Differenz zwischen betreibungsrechtlichem Existenzminimum und Gesamteinkommen des Schuldners.

Eine Lohnpfändung kann gemäss Art. 93 Abs. 2 SchKG längstens für die Dauer eines Jahres verlangt werden. Wenn der Betriebene aber von mehreren Gläubigern betrieben wird, kann sich eine Lohnpfändung jedoch auch über Jahre hinziehen. Reicht das gepfändete Einkommen nicht, um den Gläubiger vollumfänglich zu befriedigen, stellt das Betreibungsamt dem Gläubiger nach Ablauf dieses Jahres einen Verlustschein aus.

Besonders unangenehm an der Lohnpfändung ist jedoch die Anzeige an den Arbeitgeber. Letzterer wird vom Betreibungsamt in Kenntnis gesetzt, wie viel es vom Monatslohn des Schuldners als pfändbare Quote abziehen wird. Nur ausnahmsweise kann davon abgesehen werden und es kommt zu einer stillen Lohnpfändung. Einem Begehren des Schuldners auf stille Lohnpfändung wird allerdings nur in Einzelfällen stattgegeben: Und zwar wenn der Gläubiger glaubhaft verspricht, den gepfändeten Monatsbetrag regelmässig selbst abzuliefern und zudem die Einwilligung sämtlicher Gläubiger beibringt, dass diese mit der Selbstablieferung einverstanden sind. Bleibt eine versprochene Zahlung aus, wird dem Arbeitgeber die Lohnpfändung unverzüglich angezeigt.

Freundlich grüsst

Phil Geld

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