Letztes TV-Duell: Was folgt auf Nickerchen und Bibo-Skandal?
Aktualisiert

Letztes TV-DuellWas folgt auf Nickerchen und Bibo-Skandal?

Ein emotionaler Debatten-Marathon geht heute Nacht zu Ende. Nach einem präsidialen Nickerchen und einem Sesamstrassen-Skandal findet das letzte TV-Duell zwischen Barack Obama und Mitt Romney statt.

von
jbu
Nach einem schwachen ersten Auftritt Obamas und einem Sesamstrasse-Skandal Romneys messen sich die beiden Präsidentschaftsanwärter am Montag ein letztes Mal in einem TV-Duell. Die anstehenden Themen lassen dabei für einmal ernstere Töne erahnen - Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Nach einem schwachen ersten Auftritt Obamas und einem Sesamstrasse-Skandal Romneys messen sich die beiden Präsidentschaftsanwärter am Montag ein letztes Mal in einem TV-Duell. Die anstehenden Themen lassen dabei für einmal ernstere Töne erahnen - Überraschungen nicht ausgeschlossen.

Mit einem letzten TV-Duell am Montag setzen US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney zum Endspurt im Rennen um das Weisse Haus an. Beim Schlagabtausch in der Stadt Boca Raton im US-Staat Florida wollen die Präsidentschaftskandidaten vor einem Millionenpublikum ihr aussenpolitisches Know-how unter Beweis stellen und noch einmal um die Gunst der Wählerschaft buhlen.

Dabei dürfte vor allem der tödliche Anschlag auf die US-Botschaft im libyschen Bengasi in den Mittelpunkt rücken. Durch Kritik am Umgang der Regierung mit dem Angriff, bei dem vier US-Bürger getötet wurden, haben Romney und seine republikanischen Verbündeten versucht, die aussenpolitische Führung Obamas infrage zu stellen.

Neben der letzten TV-Debatte könnte noch ein weiteres Ereignis in der Schlussphase des Wahlkampfs den Ausgang der Wahl massgeblich beeinflussen: Am 2. November, vier Tage vor der Abstimmung, werden die jüngsten Arbeitsmarktzahlen der Regierung erwartet. Ein signifikanter Anstieg der Arbeitslosenquote hätte womöglich einen Stimmenverlust für Obama zur Folge. Beide Kandidaten liegen knapp zwei Wochen vor der Wahl in Umfragen nahezu gleich auf.

Ein besonders Augenmerk richten Obama und Romney in der Schlussphase des Wahlkampfs auch auf die sogenannten Swing States - jene US-Staaten, die sich nicht eindeutig den Demokraten oder Republikanern zuordnen lassen und daher für den Ausgang der Wahl ausschlaggebend sein könnten. Obama hat nach dem Fernsehduell am Montag unter anderem Wahlkampfauftritte in den umkämpften Staaten Florida und Ohio geplant. Romney und sein Vizepräsidentschaftskandidat Paul Ryan wollen am Dienstag gemeinsam in Colorado auftreten.

Romney wirft Obama «dumme Wortspiele» vor

Zum Abschluss der vergangenen Wahlkampfwoche bezichtigte Romney seinen Konkurrenten Obama «kleinkarierter Angriffe und dümmlicher Wortspiele». Romney, der am Freitag auf Wahlkampftour in Florida unterwegs war, reagierte damit auf einen Auftritt Obamas an der George-Mason-Universität in Virginia.

Dabei warf Obama seinem konservativen Gegenspieler vor, dieser leide an «Romnesia» - eine eigene Wortschöpfung aus Romney und Amnesia (Amnesie). So könne sich Romney offenbar nicht mehr an seine frühere Haltung zu Themen wie Energie oder Gesundheitsversorgung erinnern.

Obamas Wortschöpfung war nur ein Hieb in einem seit Wochen andauernden verbalen Schlagabtausch zwischen dem amtierenden Präsidenten und seinem Herausforderer Romney. Die letzten Wochen des Wahlkampfs waren für beide Politiker eine Berg-und-Tal-Fahrt.

«Nickerchen» und erboste Sesamstrasse-Fans

Wurde Obama nach dem ersten TV-Duell als lustlos und dünnhäutig kritisiert, scherzte er kürzlich an einem traditionellen Wohltätigkeitsdinner über seinen apathischen Auftritt: «Ich hatte viel mehr Energie in der zweiten Debatte. Ich fühlte mich wirklich ausgeruht nach dem schönen, langen Nickerchen, das ich in der ersten Debatte hielt.»

Auch der Republikaner Mitt Romney ist in der heissen Phase des Wahlkampfs in das eine oder andere Fettnäpfchen getreten. So kündigte er während der ersten TV-Debatte an, dem Fernsehsender PBS die Subventionen zu streichen. Dumm nur, dass er damit den Hass der Sesamstrasse-Fans auf sich zog, weil der Sender die traditionsreiche Serie ausstrahlt. Fans von Bibo, dem gelben Vogel aus der Sesamstrasse, liefen Sturm und liessen auf Twitter ihrer Empörung freien Lauf.

Doch damit nicht genug. Auch Obama tappte in die Sesamstrasse-Falle. Er griff Romneys Fauxpas in einem Wahlkampfspott auf, in dem es hiess: «Gross. Gelb. Eine Bedrohung für unser Land. Mitt Romney weiss, wir müssen uns nicht vor der Wall Street fürchten – sondern vor der Sesamstrasse.» Weil er dafür nicht die Erlaubnis der Sesamstrasse-Macher eingeholt hatte, waren diese anschliessend sauer.

Dieses Kapitel scheint inzwischen abgeschlossen. Doch wenn am Montag erneut alle Augen auf Obama und Romney gerichtet sind, ist der nächste verbale Fehltritt oder Mini-Skandal bestimmt nicht weit.

(Mit einigen wenigen Sätzen verärgert Romney die Sesamstrassen-Fans dieser Welt. Quelle: Youtube.com/ WSJDigitalNetwork)

(Der schwache erste Debatten-Auftritt Obamas wurde von den Medien und der Youtube-Gemeinschaft gnadenlos auseinandergenommen. Quelle: Youtube.com/ elfman121) (jbu/dapd)

Argumente-Büffeln in Camp David und Florida

Vor ihrem letzten Fernsehduell haben sich US-Präsident Barack Obama und sein Herausforderer Mitt Romney zu letzten Vorbereitungen zurückgezogen. Der Wahlkampf ruhte am Wochenende weitgehend, während die beiden Präsidentschaftskandidaten an ihren Argumenten für die aussenpolitische Debatte feilten.

Obama hatte sich bereits am Freitag mit seinen wichtigsten Beratern auf seinen Urlaubssitz Camp David zurückgezogen. Romney, der auch vor den beiden vorangegangenen Debatten viel Zeit in die Vorbereitung investiert hatte, verbrachte das Wochenende in Florida.

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