Karriere machen als Influencer? Das raten die Profis

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Traumjob Social-Media-StarKarriere machen als Influencer? Das raten die Profis

Schweizer Teenager ziehen eine Influencer-Karriere einer normalen Ausbildung vor. Bekannte Influencer und die Stiftung Pro Juventute sind davon jedoch nur wenig begeistert.

von
Michelle Bucher
Marino Walser
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Schweizer Teenager wollen vermehrt auf die Karte Influencer setzen und ihr Geld mit dem Handy verdienen. 

Schweizer Teenager wollen vermehrt auf die Karte Influencer setzen und ihr Geld mit dem Handy verdienen. 

Swiss Influencer Award
Seit Donnerstag läuft der Schweizer Dokumentarfilm «Girl Gang» in den Schweizer Kinos. Die Schweizer Regisseurin Susanne Regina Meures sagt, dass sie bei den Dreharbeiten zum Film bemerkt habe, dass eine «erstaunlich hohe Anzahl von Teenagern Influencer werden wolle».

Seit Donnerstag läuft der Schweizer Dokumentarfilm «Girl Gang» in den Schweizer Kinos. Die Schweizer Regisseurin Susanne Regina Meures sagt, dass sie bei den Dreharbeiten zum Film bemerkt habe, dass eine «erstaunlich hohe Anzahl von Teenagern Influencer werden wolle».

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Einer der bekanntesten Schweizer Influencer, Aditotoro, ist über diese Gegebenheit nur mässig beeindruckt. «Ich selbst bin kein Fan davon, dass Teenager ein Influencer-Leben einer ‹normalen› Ausbildung bevorzugen», so Vogt.

Einer der bekanntesten Schweizer Influencer, Aditotoro, ist über diese Gegebenheit nur mässig beeindruckt. «Ich selbst bin kein Fan davon, dass Teenager ein Influencer-Leben einer ‹normalen› Ausbildung bevorzugen», so Vogt.

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Sie reisen um die ganze Welt, bekommen teure Produkte geschenkt, haben eine grosse Fangemeinschaft und lukrative Werbedeals mit teils weltbekannten Firmen: Influencer. Ein Schweizer Dokumentarfilm zeigt seit Donnerstag nun eine typische Influencer-Karriere von heute.

Während der Zeit der Dreharbeiten zum Dokfilm stiess die Schweizer Regisseurin dabei auf bemerkenswertes: «Die Anzahl der Teenager, die Influencer werden wollen, ist erstaunlich hoch», sagt Susanne Regina Meures. Obwohl der Film vom Aufstieg einer deutschen Influencerin handelt, sei es durchaus auch so, dass in der Schweiz eine Vielzahl an Teenagern diesen «Traumberuf» verfolgt.

Dies unterstrich auch eine Studie vom Marktforschungsinstitut Morning Consult vom Jahr 2019. Dort sticht hervor: Rund 86 Prozent der Amerikanerinnen und Amerikaner im Alter von 13 bis 38 Jahren streben eine Karriere als Influencerin oder Influencer an.

Schweizer Influencer sind wenig vom Berufswunsch der Teenager angetan

Adrian Vogt alias Aditotoro, einer der bekanntesten Influencer der Schweiz, bestätigt, dass der Berufswunsch auch in der Schweiz sehr hoch im Trend steht. «Ich bekomme sehr viele Anfragen von jungen Menschen, die wissen wollen, wie sie Influencer werden können.» Was früher der Astronaut oder der Feuerwehrmann war, sei heute der Influencer.

«Ich selbst bin jedoch kein Fan davon, dass Teenager ein Influencer-Leben einer ‹normalen› Ausbildung vorziehen», so Vogt. Man könne nicht von einem auf den anderen Tag mit Social Media sein Geld verdienen. Es benötige Ausdauer, Talent und Bereitschaft dazu. «Seit 2,5 Jahren mache ich es hauptberuflich. In dieser Zeit gab es keinen Tag, an dem ich nicht gearbeitet habe und meine Arbeitswochen haben weitaus mehr als 40 Stunden.»

«Man sollte auf jeden Fall eine Erstausbildung machen»

Dass man nicht alleine aufs Pferd Influencer setzen soll, sagt auch Flavio, ein weiterer bekannter Schweizer Content Creator. «Ich habe mich zuerst zum Kaufmann ausbilden lassen und arbeite auch jetzt noch Teilzeit in der KV-Branche.» Er empfehle allen jungen Menschen, zuerst eine fundierte Ausbildung zu machen, auch wenn man Influencer werden wolle.

«Es ist ein enormer Druck, dem man Stand halten muss», sagt Flavio. Ein fester Job gebe einem finanzielle und auch psychische Sicherheit. Erfolge hingen in dieser Branche oft auch mit Glück zusammen und seien nicht jedem garantiert – es gäbe dafür kein Erfolgsrezept. «Wenn man Influencer werden will, dann mit dem Wunsch, sich kreativ ausleben zu wollen und nicht dem Bedürfnis nach Anerkennung und ‹Fame›». Er denke, die meisten Menschen wissen gar nicht, was es bedeutet, Content Creator zu sein und welche Schattenseiten das mit sich bringe.

«Teenager wollen nicht nur Influencer sein»

Es sei durchaus so, dass die junge Generation, welche mit den digitalen Medien und Influencern aufwächst, darin auch Rollenvorbilder sehe und womöglich auch diesen Weg einschlagen möchte, so Lulzana Musliu-Shahin von der Stiftung Pro Juventute. «Die sozialen Medien sind fester Bestandteil des Alltags der jungen Generation. Sie bieten die Möglichkeit, sich kreativ zu betätigen, zu fotografieren, für etwas einzustehen, das einem wichtig ist und sich mit anderen zu verbinden.»

Was jungen Menschen aber früh vermittelt werden müsse, sei die nötige Medienkompetenz – also auch das Wissen um die Schattenseite der digitalen Welt. «Eine Person des öffentlichen Lebens zu sein, mag spannend sein. Doch man zahlt auch den Preis in Form von Verlust der Privatsphäre und kann Opfer von Hassnachrichten oder Cybermobbing werden».

Um Influencer zu werden, brauche es einen gewissen Einsatz und Professionalität, was mit viel Arbeit verbunden sei. «Viele Jugendliche haben eine Affinität zur digitalen Welt und bewegen sich gerne darin, dass Teenager künftig nur noch Influencer sein wollen, denke ich aber nicht.» 

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