02.11.2020 18:29

Hype um Sextoy «Was früher der Vibrator war, ist heute der Analplug»

Nach Vibrator, Womanizer und Sexpuppen kommt der Analplug: In den letzten Monaten ist ein regelrechter Hype um das Sextoy ausgebrochen. Eine Sexualtherapeutin erklärt, worin seine Vorzüge liegen und wieso er plötzlich so beliebt ist.

von
Julia Ullrich
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Fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer nutzen Sextoys. 

Fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer nutzen Sextoys.

unsplash
Nebst Vibratoren, Dildos und künstlichen Vaginen ist ein weiteres Toy häufig in den hiesigen Schlafzimmern  zu finden: der Analplug.

Nebst Vibratoren, Dildos und künstlichen Vaginen ist ein weiteres Toy häufig in den hiesigen Schlafzimmern zu finden: der Analplug.

privat
Auch Alan Frei, Gründer von Amorana.ch, hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom auf anales Spielzeug beobachtet: «Den grössten Kaufzuwachs gab es zwischen Mitte 2019 und jetzt.»  Besonders beliebt: Das Riann4e S Booty Plug Set. bestehend aus drei unterschiedlich grossen Plugs. 

Auch Alan Frei, Gründer von Amorana.ch, hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom auf anales Spielzeug beobachtet: «Den grössten Kaufzuwachs gab es zwischen Mitte 2019 und jetzt.» Besonders beliebt: Das Riann4e S Booty Plug Set. bestehend aus drei unterschiedlich grossen Plugs.

Amorana.ch

Darum gehts

  • Fast die Hälfte aller Schweizerinnen und Schweizer nutzen Sextoys.

  • Nebst Vibratoren, Dildos und künstlichen Vaginen ist ein weiteres Toy häufig zu finden: der Analplug.

  • Auch Amorana.ch verzeichnet in den letzten Jahren einen regelrechten Boom auf das anale Spielzeug.

  • Laut Sexualtherapeutin Dania Schiftan ist das Spielen am männlichen Anus leider immer noch mit Mythen belegt.

  • Doch das Toy birgt auch Risiken.

Sextoys sind aus den Schlafzimmern der Schweizer fast nicht mehr wegzudenken. Wie die grosse Sexumfrage von 20 Minuten zeigt, nutzen mit 48 Prozent fast die Hälfte der Schweizerinnen und Schweizer ein solches Spielzeug. Frauen greifen dabei mit 57 Prozent häufiger zu Hilfsmitteln als Männer (40 Prozent). Doch nebst Vibratoren, Dildos und künstlichen Vaginen ist noch ein anderes Toy in vielen Haushalten zu finden: der Analplug, auch Butt Plug genannt.

Dabei zeigen sich deutliche Geschlechterunterschiede: Vor allem Männer schwören auf dieses Gadget. 33 Prozent der Sextoynutzer geben an, dass sie den Butt Plug als Hilfsmittel verwenden. Bei den Frauen sind es nur 19 Prozent, die einen Analplug in der Toykiste haben. Insgesamt wird der Analplug von einem Viertel aller Sextoynutzer verwendet – also von 12 Prozent der Schweizerinnen und Schweizer.

Die grösste Sexumfrage der Schweiz

22'659 Personen aus der ganzen Schweiz haben am 25. und 26. Juli online an der grössten Sexumfrage der Schweiz teilgenommen. 20 Minuten hat die Umfrage in Zusammenarbeit mit dem Unternehmen LeeWas, das schweizweit auf Newsportalen regelmässig umfassende Abstimmungs- und Wahlumfragen macht, durchgeführt. LeeWas gewichtet die Umfragedaten nach demografischen und geografischen Variablen. Der Fehlerbereich liegt bei 1,2 Prozentpunkten.

Auch Alan Frei, Gründer von Amorana.ch hat in den letzten Jahren einen regelrechten Boom auf anales Spielzeug beobachtet: «Seit 2017 sind die Verkäufe um 400 Prozent gestiegen. Den grössten Kaufzuwachs gab es aber zwischen Mitte 2019 und jetzt.» Der Geschlechterunterschied ist laut dem Amorana-Gründer auch auf der Website deutlich sichtbar: «65 Prozent der Käufer unserer Analplugs sind Männer. Frauen machen gerade einmal 35 Prozent aus.»

Die Kurve zeigt die Verkäufe von Analplugs der Firma Amorana.ch auf.

Die Kurve zeigt die Verkäufe von Analplugs der Firma Amorana.ch auf.

Amoran.ch

«Männer nutzen das Toy eher allein»

Sexualtherapeutin Dania Schiftan erklärt sich die steigende Nachfrage vor allem durch die Experimentierfreudigkeit der Menschen: «Einige kaufen sich Toys aus Neugierde. Was früher der Vibrator war, ist heute der Analplug.» Aber auch Pornos hätten einen grossen Einfluss auf das Sexualverhalten der Schweizer. Von dort stamme das Bild, dass der Butt Plug hauptsächlich bei Frauen angewendet werde. Dies zeigt sich laut Schiftan vor allem bei Paaren: «Beim gemeinsamen Sex wird der Plug mehrheitlich der Frau eingeführt, in meiner Praxis erzählen aber viele Männer, dass sie das Toy bei der Selbstbefriedigung allein nutzen.»

Gemäss der Sexualtherapeutin sei das Spielen am männlichen Anus in der Gesellschaft leider immer noch mit Mythen belegt. «Heterosexuelle Männer sorgen sich häufig, dass sie dann als schwul gelten könnten – das bremst viele in ihrer Experimentierfreude.» Dabei hat das Lustempfinden am Anus nichts mit der sexuellen Ausrichtung zu tun: «Es ist ein Fakt, dass sich dort viele Nervenzellen befinden und es bei beiden Geschlechtern als erogene Zone gilt – ähnlich wie Brustwarzen», so Schiftan. Auch dass das Toy nur eine Vorbereitung auf Analverkehr sei, sei ein Mythos. «Die Idee liegt nicht nur im Dehnen, sondern auch in der Lustentwicklung für die neue Berührung.»

«Analplugs werden häufig falsch benutzt – jede Notaufnahme kennt solche Fälle»

Doch das Sextoy berge auch Risiken. So ist etwa eine Scheideninfektion durch Fäkalbakterien nicht ausgeschlossen. Auch eine Durchfallerkrankung kann entstehen, wenn der Butt Plug mit dem Mund in Berührung kommt. «Wichtig ist daher, dass der Plug nicht vom Anus in die Scheide eingeführt wird, ohne ihn vorher gründlich zu säubern.» Auch die Möglichkeit, dass das Analspielzeug im After verschwindet, besteht, da der Darm im Gegensatz zur Scheide eine Sogwirkung hat. Erst vergangenes Jahr musste sich eine 20-jährige Britin deshalb notfallmässig operieren lassen.

Schiftan: «Zwar hat jedes Plug einen Stöpsel/Griff, damit das Toy nicht ganz im Darm verschwindet – doch jeder Notfallaufnahme sind solche Sexunfälle bekannt, weil manche Leute das Spielzeug falsch benutzen.» Die Sexualtherapeutin rät, den Anus zuerst mit den Fingern zu erkunden, um ein Gespür dafür zu bekommen. Zudem solle man beim Einsatz des Toys vorsichtig und behutsam vorgehen und viel Gleitmittel verwenden. «Ein zu schnelles Stossen kann zu starken Schmerzen und Rissen führen, die ziemlich unangenehm sind.»

Adventskalender wirbt mit goldenem Analplug

Der Erotikshop Amorelie wirbt dieses Jahr mit einer besonderen Gewinnchance. 

Der Erotikshop Amorelie wirbt dieses Jahr mit einer besonderen Gewinnchance.

Amorlie.de

Adventskalender mit Sextoys sind in den letzten Jahren immer beliebter geworden und werden mittlerweile von fast jedem Erotikshop angeboten. Um sich von ihren Mitbewerbern abzuheben, hat sich die deutsche Firma Amorelie etwas Besonderes einfallen lassen: In den diesjährigen Adventskalendern sind hundert goldfarbene Analplugs versteckt. Ähnlich wie bei dem Film «Charlie und die Schokoladenfabrik» ist der goldfarbene Plug eine Eintrittskarte – findet man nämlich eines dieser goldenen Toys, hat man die Chance, einen Analplug aus purem Gold zu gewinnen. Ob man das Spielzeug mit einem Wert von rund 16’000 Franken dann verkauft oder wortwörtlich seinen Po vergoldet, obliegt wohl dem Gewinner.

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