Aktualisiert 28.09.2017 16:16

Champions LeagueWas für ein Tor! Was für ein Fussball-Abend!

Da stürmt ein Basler Youngster über den Platz, trifft – und zieht sein ganzes Team zum mitreissenden 5:0-Sieg und unvergesslichen CL-Abend.

von
Livio Fürer
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Historischer Sieg: Die Basler bejubeln den höchsten Champions-League-Sieg der Vereinsgeschichte.

Historischer Sieg: Die Basler bejubeln den höchsten Champions-League-Sieg der Vereinsgeschichte.

Keystone/Georgios Kefalas
Macht alles richtig: FCB-Coach Raphael Wicky macht alles richtig (hier mit Doppeltorschütze Oberlin).

Macht alles richtig: FCB-Coach Raphael Wicky macht alles richtig (hier mit Doppeltorschütze Oberlin).

Keystone/Peter Klaunzer
Frühe Führung: Bereits in der zweiten Minute schiesst Michael Lang das 1:0.

Frühe Führung: Bereits in der zweiten Minute schiesst Michael Lang das 1:0.

Keystone/Georgios Kefalas

Überragende Figur beim höchsten Basler Heimsieg in der Königsklasse war Jubilar Dimitri Oberlin. An seinem 20. Geburtstag war der von Salzburg ausgeliehene Stürmer beim 5:0-Kantersieg an den ersten vier Treffern beteiligt.

Elf Spiele in Serie hatte der FCB in der wichtigsten europäischen Klub-Kategorie nicht mehr gewonnen und zuletzt regelrecht stagniert. Rund drei Jahre nach dem letzten Erfolg gegen Ludogorez kam die Rückmeldung der Basler: mit brachialer Wucht, mit einem Triumph, der keine Fragen mehr offen lässt. Nach der Demütigung des letztjährigen Achtelfinalisten rückte der FCB auf Position 2 vor und erspielte sich vor der Oktober-Doublette gegen ZSKA Moskau (1:4 gegen Manchester United) eine verlockende Ausgangslage.

Traumtor für den FC Basel von Dimitri Oberlin

Im zweiten Gruppenspiel gegen Benfica Lissabon gelingt dem FC Basel ein Traumtor zum 2:0. (Video: SRF)

Dimitri Oberlin erhöht mit einem Traumtor auf 2:0. (Video: Tamedia/SRF)

Mit einer weiteren internationalen Empfehlung von Haris Seferovic hatten die Experten gerechnet, stattdessen spielte eine 20-jährige Schweizer Stürmerhoffnung an ihrem Geburtstag die Rolle des imposanten Entertainers: Dimitri Oberlin, am Rheinknie zunächst nur ein Joker ohne Einfluss und jetzt mit vier Skorerpunkten der Hauptdarsteller eines grandiosen FCB-Comebacks im europäischen Elite-Wettbewerb; Seferovic hingegen, der Stammspieler der SFV-Auswahl, betrat den Rasen erst nach drei Gegentoren - desillusioniert, schwer enttäuscht, mutmasslich fassungslos.

Mehrere Standing Ovations

Im unerbittlichen Sog von Oberlin, der das 1:0 Langs perfekt vorbereitet hatte, das 2:0 (20.) schoss, den Foulpenalty zum 3:0 provozierte und in der 69. Minute nach einem nächsten mitreissenden Solo auf 4:0 erhöhte, stürmte der Schweizer Champion zu einer Gala, die im Vorfeld in dieser Form kein einziger Optimist für möglich gehalten hätte. Der rotblaue Teil der 34'111 Zuschauer erhob sich mehrfach zur Ovation, die Aficionados des portugiesischen Rekordmeisters verstummten konsterniert.

Derweil Basel aufdrehte wie in seinen Sternstunden gegen die Premier-League-Prominenz oder einst beim Coup gegen den FC Bayern München, liess sich Benfica demütigen. Eine Lektion dieser Tragweite ist dem populärsten Klub-Team aus dem Land des Europameisters in der Champions League nie zuvor widerfahren. Mit dem erheblichen Substanzverlust der Sommermonate, das hoch verschuldete Benfica verkaufte für über 120 Millionen Euro Personal, ist der historische Absturz nicht zu erklären.

Wie sehr die Lissabonner gegen den Schweizer Branchenprimus die Nerven verloren, verdeutlichte eine hässliche Szene in der 62. Minute. André Almeida liess sich vom Basler Europacup-Debütanten den Ball abnehmen und grätschte dem 20-Jährigen im grenzenlosen Frust in Terrier-Manier in die Beine. Der WM-Teilnehmer sah Rot, seine Kollegen tauchten in der Folge vollends ab.

Packender Effort

Krise, welche Krise? Vor Jahren lächelte der frühere FIFA-Boss Sepp Blatter die damaligen Turbulenzen weg. Im Herbst 2017 wandelte die Belegschaft des FC Basel auf den Spuren des eloquenten Wallisers: Sie liess sich exakt eine Woche nach dem teilweise desolaten Auftritt in St. Gallen nicht das Geringste von jener tiefgreifenden Verunsicherung anmerken, die sich beim Titelhalter ausgebreitet haben soll.

Bereits im Klassiker gegen den FCZ (1:0) hatte der FCB die Qualitäten seiner inzwischen acht Jubeljahre angedeutet - die mentale Stärke, unter Hochdruck bestehen zu können. Die Protagonisten hatten sich vom Sieg gegen die Zürcher eine befreiende Wirkung erhofft; dass sie sich nicht nur eingeredeten, Ballast abgeworfen zu haben, demonstrierten die Bebbi ohne die geringste Zurückhaltung.

Falsches Timing, fehlende Leidenschaft, keine Abstimmung, keine Leadership, im ersten Quartal seit des radikalen Umbruchs auf Führungsebene bekamen die neuen Verantwortlichen unschöne Schlagzeilen präsentiert. Ein zäher, aber erfolgreicher Abend gegen den FCZ und ein packender Effort gegen Benfica genügten, die (Vor-)Urteile einstweilen zu widerlegen.

Raphael Wickys Mannschaft schüttelte die Vorwürfe und schonungslosen Kommentare der Kritiker innerhalb von nahezu perfekten 90 Minuten richtiggehend ab. Nach 116 Sekunden gab Michael Lang die Richtung vor; der im rechten Couloir eingesetzte Offensiv-Verteidiger setzte im besten Moment ein Zeichen, das in seiner Equipe einen beeindruckenden Schub auslöste, der in die Europacup-Geschichte eingehen wird.

«Die Champions League kommt auf keinen Fall ungelegen, für solche Partien gibt es nie einen schlechten Zeitpunkt. Sie ist die Bühne, um das Selbstvertrauen ein Stück weit wieder aufzubauen», hatte Lang in einem SDA-Interview im Vorfeld erklärt. Den starken Worten folgten beeindruckende Taten, von der auch ausserhalb der Schweiz Notiz genommen werden dürfte.

Manchester United wird auch im zweiten Spiel der Gruppe A nicht gefordert.

Nach dem 3:0-Heimsieg gegen Basel gewinnen die Engländer auswärts gegen ZSKA Moskau mit 4:1. Ungeschlagener Co-Leader in der Premier League, makellos in der Champions League: Manchester United setzte seine erfolgreiche Startphase in die Saison 2017/18 mit einem völlig ungefährdeten Auswärtssieg in Moskau fort.

ZSKA, der Bezwinger der Young Boys in den Champions-League-Playoffs, bekam die Überlegenheit der United von Beginn weg zu spüren. Nach 27 Minuten und vier Schüssen auf ihren Goalie Igor Akinfejew lagen die Moskauer bereits hoffnungslos 0:3 zurück. Manchester trat gnadenlos effizient auf und hatte zwei überragende Einzelspieler in seinen Reihen: Anthony Martial lieferte zu den beiden Kopfballtoren von Romelu Lukaku jeweils die Flanke, er traf per Foulpenalty zum 2:0 und er gab einen Schuss ab, dessen Rebound Henrich Mchitarjan zum 4:0 verwertete.

Lukaku in Topform

Die Bilanz von Lukaku, für den Manchester United 75 Millionen Pfund an Everton überwiesen hat, ist überragend. In acht Spielen in Meisterschaft und Europacup traf der Belgier acht Mal - und nur beim 2:0 gegen Leicester City vor einem Monat nicht.

Überhaupt läuft es Manchester United wie geschmiert. Rechnet man den gegen Real Madrid verlorenen europäischen Supercup nicht mit, holten die "Red Devils" in neun Spielen acht Siege und ein Remis, bei einem Torverhältnis von 28:4.

Basel - Benfica Lissabon 5:0 (2:0)

34'111 Zuschauer. SR Thomson (SCO).

Tore: 2. Lang (Oberlin) 1:0. 20. Oberlin (Steffen) 2:0. 59. Van Wolfswinkel (Foulpenalty/Oberlin) 3:0. 69. Oberlin 4:0. 76. Riveros (Van Wolfswinkel) 5:0.

Basel: Vaclik; Suchy, Akanji, Balanta (80. Serey Die); Lang, Zuffi, Xhaka, Petretta (67. Riveros); Steffen, Van Wolfswinkel, Oberlin (74. Elyounoussi).

Benfica: Julio Cesar; André Almeida, Luisão, Jardel, Grimaldo; Zivkovic (74. Samaris), Pizzi, Fejsa, Cervi (46. Salvio); Jonas (67. Seferovic), Jimenez.

Bemerkungen: Basel ohne Gaber (verletzt), Pululu (nicht im Aufgebot). 63. André Almeida (Foul). 76. Pfostenschüsse von Elyounoussi und Riveros. Verwarnungen: 45. Akanji (Foul), 50. Petretta (Foul), 55. Zivkovic und Xhaka (beide Unsportlichkeit), 58. Salvio (Reklamieren).

ZSKA Moskau - Manchester United 1:4 (0:3)

SR Eriksson (SWE).

Tore: 4. Lukaku 0:1. 18. Martial (Foulpenalty) 0:2. 27. Lukaku 0:3. 57. Mchitarjan 0:4. 90. Kutschajew 1:4.

ZSKA Moskau: Akinfejew; Wassin, Wassili Beresuzki, Ignaschewitsch; Wernbloom; Fernandes, Dsagojew (72. Milanov), Golowin, Schtschennikow; Schalow (67. Schamaletdinow), Vitinho (84. Kutschajew).

Manchester United: De Gea; Lindelöf, Bailly, Smalling; Young (67. Darmian), Herrera, Matic, Blind; Mchitarjan (60. Lingard), Lukaku, Martial (72. Rashford).

Bemerkungen: ZSKA ohne Makarow, Manchester United ohne Carrick, Fellaini, Ibrahimovic, Jones, Pogba und Rojo (alle verletzt). Verwarnungen: 42. Golowin. 54. Wernbloom. 59. Vitinho (alle wegen Fouls).

Rangliste: 1. Manchester United 2/6 (7:1). 2. Basel 2/3 (5:3). 3. ZSKA Moskau 2/3 (3:5). 4. Benfica Lissabon 2/0 (1:7).

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