Aktualisiert 17.04.2018 14:51

GeldschöpfungWas genau steckt hinter der Vollgeld-Initiative?

Die Geldschöpfung versteht kaum einer. Dabei ist dies Thema der Vollgeld-Initiative. 20 Minuten erklärt, worum es dabei geht.

von
Isabel Strassheim
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Unser Geld beziehen wir meistens aus dem Bancomaten. Doch wer schöpft es?

Unser Geld beziehen wir meistens aus dem Bancomaten. Doch wer schöpft es?

Keystone/Christian Beutler
Die Grossbank UBS schöpft genauso wie andere Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts. Die SNB erklärt das auf der Info-Seite Iconomix.ch wie folgt: «Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag auf seinem Bankkonto ganz einfach in Form von Buchgeld gut. In diesem Moment wird neues Geld geschaffen.»

Die Grossbank UBS schöpft genauso wie andere Geschäftsbanken Geld aus dem Nichts. Die SNB erklärt das auf der Info-Seite Iconomix.ch wie folgt: «Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag auf seinem Bankkonto ganz einfach in Form von Buchgeld gut. In diesem Moment wird neues Geld geschaffen.»

Keystone/Anthony Anex
Sie wachen einzig über das Bargeld: Das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan und Andrea Mächler).

Sie wachen einzig über das Bargeld: Das Direktorium der Schweizerischen Nationalbank (Fritz Zurbrügg, Thomas Jordan und Andrea Mächler).

Keystone/Lukas Lehmann

Die Vollgeld-Initiative will die Geldschöpfung verändern: Banken sollen kein Geld mehr schaffen dürfen, sondern nur noch die Nationalbank. Das Volk wird am 10. Juni darüber abstimmen. Der Bundesrat stellt sich gegen die Vorlage. Doch worum geht das genau? 20 Minuten beantwortet die wichtigsten Fragen.

Nur die Nationalbank schöpft Geld – stimmt das?

UBS, Credit Suisse und die anderen Geschäftsbanken schaffen selbst Geld, wie die Schweizerische Nationalbank (SNB) darlegt. Rund 90 Prozent des Geldes kommt nämlich nicht von der SNB. Diese stellt nur das Bargeld her, das aber nur rund 10 Prozent ausmacht. Das elektronische Geld, also die Guthaben auf unseren Bankkonten, existiert unabhängig von der SNB.

Die Banken seien nur Vermittler zwischen Sparern und Kreditnehmern, sagte UBS-Chef Sergio Ermotti in einer Talkshow auf Teleticino. Geben sie nur Geld weiter, das sie von anderen bekommen haben?

UBS-Chef Ermotti und die Geldschöpfung

Der UBS-Chef weiss nicht, dass seine Bank selbst Geld schöpft.

Diese Erklärung war bis zur Finanzkrise sehr weit verbreitet. UBS-Sprecher Mark Hengel sagt zu 20 Minuten: «Eine Bank kann keinen Franken Kredit vergeben, wenn ihr dieses Geld nicht in Form von Einlagen oder anderen Verbindlichkeiten von Sparern oder Investoren anvertraut wurde. Dabei müssen Banken gleichzeitig eine Reihe von regulatorischen Anforderungen beachten. Sie finanzieren sich daher keinesfalls aus dem Nichts.»

Er räumt aber ein, dass bei der Geldschaffung Banken im Rahmen der Kreditvergabe auch Geld herstellen. Um die Rolle der Banken transparenter zu machen, hat die SNB auf ihrer Website für den Schulunterricht Iconomix.ch extra Material für den Schulunterricht zusammengestellt. Darin heisst es: «Geschäftsbanken brauchen für die Vergabe von Krediten weder Notenbankgeld noch Spareinlagen.» Denn Banken stellen das elektronische Geld für die Kreditvergabe selbst her.

Wie soll das gehen?

«Bei der Vergabe eines neuen Kredits gibt die Bank kein physisches Geld in Form von Banknoten aus. Folglich sind auch kein physisches Notenbankgeld oder Spareinlagen nötig», heisst es auf der SNB-Site Iconomix.ch. «Die Bank schreibt dem Kreditnehmer den Kreditbetrag auf seinem Bankkonto ganz einfach in Form von Buchgeld gut. In diesem Moment wird neues Geld geschaffen.»

Wie viel Geld schaffen die Banken auf diese Weise?

Im Jahr 2014 waren es knapp 329 Milliarden Franken, besagt die Vollgeld-Initiative unter Bezug auf Daten der SNB. Fast die Hälfte davon schöpften die beiden Grossbanken UBS und Credit Suisse, der andere Teil kam von den Kantonalbanken, Raiffeisen- und den anderen Banken.

Im Durchschnitt erzielten die Geschäftsbanken mit dem so selbst geschöpften und als Kredit vergebenen Geld zwischen 2007 und 2015 pro Jahr 2,8 Milliarden Franken an Zinsgewinn, so eine Studie der Copenhagen Business School und der New Economics Foundation. Durch den aktuellen Negativzins jedoch entfällt dieser Gewinn.

Was würde sich durch die Vollgeld-Initiative ändern?

Das Geld würde ausschliesslich von der SNB geschaffen, auch das elektronische Geld. Die Guthaben auf unseren Konten wären vollumfänglich von der SNB gedeckt, daher der Name Vollgeld. Die Banken dürften zwar weiterhin Kredite vergeben, aber nur in der Höhe, die durch Spar- oder Anlageguthaben tatsächlich gedeckt ist.

Was sagen Nationalräte zur Vollgeld-Initiative?

Bundesrat und Ständerat haben die Initiative abgelehnt. Auch viele Nationalräte sind skeptisch: Beat Flach (GLP) warnt etwa davor, dass ohne Geldschöpfung der Banken allein die SNB über den Umfang der Kreditvergabe durch die Banken bestimmt. Sehen Sie seine Stellungnahme und diejenige anderer Nationalräte im Video.

Nationalräte zur Vollgeld-Initiative

20 Minuten hat Parlamentarier im Bundeshaus befragt.

20 Minuten hat dieses Q&A bereits am 6. Dezember 2017 publiziert. Aus aktuellem Anlass wurde der Artikel nochmals überarbeitet und die Kommentarfunktion wieder aktiviert.

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